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Sep 27 2013

Kartoffelkaefer

Öcher verzällchen – Der Klenkes, das Aachener Erkennungszeichen

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Das Jahr 2014 wird für die Stadt Aachen und alle Öcher ein besonderes Jahr werden. Denn am 28. Januar 814 starb Karl der Große in Aachen und wurde in seiner Pfalz, genauer in der Pfalzkapelle (dem heutigen Oktogon) begraben. Am 28. Januar 2014 jähr sich der Sterbetag zum 1.200.

Karl der Groβe wählte Aachen zu seiner Lieblingsstadt, die Pfalz des “Rom des Nordens”. Nachdem bei seiner Kaiserkrönung des Jahres 800 durch Papst Leo III. das weströmische Reich auf die Franken übertragen worden war, wurde Aachen nach Rom das politische, kulturelle und religiöse Herzstück Europas. Die “Kaiserstadt” Aachen will im “Karlsjahr” 2014 mit drei großen Ausstellungen auf der ehemaligen Pfalzanlage, an dem mittelalterlichen Herrscher erinnern. Dies sind das Rathaus, der einstigen Krönungshalle, im Freiplatz zwischen Dom und Rathaus (Katschhof) und die Domschatzkammer. Am 19. Juni 2014 wird Bundespräsident Joachim Gauck als Schirmherr die Ausstellungen eröffnen.

 

Aus diesem Anlass möchte ich dem einen oder anderen unsere Heimatstadt Aachen ein wenig näher bringen, denn es gibt in Aachen schöne Ecken von historischer Bedeutung. Auch hier kommt Karl der Große immer wieder mal mit ins Spiel. Man merkt es selbst, wenn man mit dem Besuch durch Aachen läuft und die historischen Brunnen, Gebäude, Denkmäler und Flächen erklären will. Da ist selbst bei unserer Generation der “Öcher” doch noch etwas Nachholbedarf. Wissen wir genau Bescheid woran wir tagtäglich vorbeilaufen? Es macht durchaus Sinn die “eigene Haustür” mal zu erkunden, wie schön nicht nur unsere Stadt ist sondern was sich in der Historie so getan hat. Man sollte die Orte einmal selbst aufsuchen und mit den eigenen Augen sehen, das tun wir eh viel zu wenig. Lasst euch also mitnehmen auf einer kleinen Reise durch Aachens Geschichte, die heute beginnt und in regelmäßigen Abständen fortgeführt wird.

 

Heute mit:

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Wer kennt ihn nicht, den „Öcher Klenkes“? Heute kennen ihn wahrscheinlich nur noch die älteren und die, die von dem Klenkes mal begrüßt wurden. Als Kind habe ich das selbst erlebt, als wir in Österreich im Urlaub waren. Egal wo wir entlang gefahren sind, überall winkte uns der Klenkes entgegen. Eigentlich machten das die Öcher, die einen anderen Öcher irgendwo fern ab von Aachen trafen. So „erkannte“ man sich das man aus Aachen kam. Aber auch die vielen Besucher nahmen diese „Grußformel des ausgestreckten kleinen Fingers der rechten Hand“ an. Aachen ist wohl die einzige Stadt die sich mit einem kleinen Finger grüßt 🙂
DSC_2255Aber woher kommt der „Klenkes“? Aachen war in den früheren Jahren um 1600/1800 bekannt für ihre Tuch- und Nadelfabriken. Als Tuchmacherstadt gab es auch Fabriken die Nadeln produzierten. Dort arbeiteten auch kleine Kinder,  und viele davon sortierten die schlechten Nadeln von den guten Nadeln aus. Das machten sie vorzugsweise mit dem kleinen rechten Finger, denn damit konnten die Nadeln sehr schnell sortiert werden. Das nannte man „ausklinken“ oder „ausklenken“. Damals war Kinderarbeit keine Seltenheit, und so grüßten sich die Kids mit dem kleinen Finger und gaben sich als Nadelarbeiter zu erkennen. Irgendwann ging dieser spezieller Gruß oder Geste auch auf die normalen Bürger von Aachen über. In den 50er bis 70er Jahren wurde es so fast zum Selbstläufer, auch die europäischen Nachbarn erkannten den „Öcher“ wenn er mit dem AC-Kennzeichen durch ihr Land und Stadt fuhr. Im Laufe der Zeit verlor die Tuchindustrie in Aachen immer mehr ihre vorherrschende Rolle, der Bezug dazu ging verloren.

DSC_2246So ist heute der Öcher Klenkes etwas in Vergessenheit geraten. Das ist eigentlich schade, denn welche Stadt kann schon so einen speziellen Gruß vorweisen? Am Holzgraben in Aachen wurde 1970 eine Bronzefigur eingeweiht, die den Klenkes wieder im Blickpunkt rückte. Die Bronzefigur wurde von Hubert Löneke geschaffen, einem zugezogenen Bildhauer aus Aachen. Selbst Erik Meijer, seinerzeit bis 2006 Spieler bei der Alemannia, zeigte den Klenkes nach einem Tor. Die Kameras fingen dies ein, denn was sollte und wollte Meijer damit ausdrücken oder zeigen? Erik Meijer selbst antwortete auf sein ureigene Art. „Keine Ahnung was das ist, aber in Aachen gibt es eine Statue mit dem kleinen Finger. Also muss es etwas besonderes sein. Darum dachte ich mir das ich etwas besonderes zeige nach dem Tor“ Wenn ihr also mal einen Öcher seht, dann zeigt ihm den kleinen Finger. Mal sehen wie er darauf reagiert 🙂

 

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