Sep 04 2013

TSV Jahreshauptversammlung vs Kölmel Deal 1:0

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Lange hatte es gedauert, nun fand sie endlich am Montagabend im Aachener Eurogress statt. Die Jahreshauptversammlung des TSV Alemannia Aachen 1900 e.V. Nachdem die Alemannia GmbH und die Alemannia Stadion GmbH in die Insolvenz geschickt wurden, schwebte nun dieses Schwert auch über dem Mutterverein TSV Alemannia Aachen. Aufgrund eines 14-jährigen Darlehens, das Rechtehändler Michael Kölmel der Alemannia Ende der 90er Jahren gewährte, droht nun vor dem OLG Köln Ungemach. Denn Michael Kölmel wird den, in der ersten Instanz noch verlorenen, Prozess gewinnen. Damit müsste die Alemannia rund 2,4 Millionen Euro an Michael Kölmel bezahlen. Seit Monaten kämpft der Mutterverein gegen die Insolvenz, die erfolgreich abgewendet wurde. Aber eine Rückzahlung in dieser Höhe würde zum unweigerlichen Aus des Muttervereins, und damit der gesamten Alemannia Aachen führen. Dies galt und gilt es zu verhindern.

 

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So begrüßte Schatzmeister Oliver Laven, neben seinem Rumpfpräsidium Dr. Christoph Terbrack und Stephan Grießer. Aus dem Verwaltungsrat waren der Vorsitzende Michael Lorenz und Vize Horst Reimig, neben Ehrenrat Leopold Chalupa auf dem Podium. Erstmalig saß dort auch unser Stadionsprecher Robert Moonen, der den Abend moderieren sollte falls es „hoch-her“ gehen würde im laufe des Abends. Das dies so kommen könnte war bereits im Vorfeld befürchtet worden, nachdem was rund um die Alemannia geschehen ist seit der letzten Versammlung. Da hat sich bei dem ein oder anderen Wut und Enttäuschung angestaut. Zunächst wurde als Jurist Herr Stein für den Abend verpflichtet, denn ohne Jurist sollte die Jahreshauptversammlung nicht gestartet werden. Dieser wirkte schon reichlich „unsymphatisch“ in meinen Augen, was sich auch im weiteren Verlauf des Abends nicht abstreifen ließ. Mag sein das Juristen nunmal so gebaut sind, aber er erinnerte mich irgendwie an die „Arrogante“ Weise von Herr Herwartz (unser ehemaliger Aufsichtsratchef). Gut, mein persönliches Empfinden halt ohne Herr Stein nahetreten zu wollen.

 

Überrascht war man das doch fast alle aus dem Rumpf-Präsidium gekommen sind, und auch aus dem Veraltungsrat. Fern blieben u.a. die ehemaligen Mitglieder Meino Heyen, Michael Nobis und Helmut Kutsch. Dafür war Theo Strepp in den Besucherreihen vertreten, ebenso wie Co-Trainer Reiner Plaßhenrich der ebenfalls auf dem Podium Platz nehmen durfte. 370 Mitglieder wurden angesagt, in der Zeitung las man von 394. Komisch. Schatzmeister Oliver Laven eröffnete die Jahreshauptversammlung mit einem Statement was seit März 2012 passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Kaum hingesetz kamen schon die ersten Wortmeldungen, die Tagesordnungspunkte wurden ergänzt um die Entlastung des Verwaltungsrates und Vorstandes, es wurden gebeten das dass Wort  aus dem Ordnungspunkt „Genehmigung“ der Geschäftsberichte 2012 geändert wird. Oliver Laven und Herr Stein wiesen darauf hin das der Tagesordnungspunkt makulatur war, da die Geschäftsberichte nicht genehmigt werden könnten da dieser nur vorläufig ausgestellt war. Das brachte ein anderes Mitglied dazu den Vorstand zu bringen die Versammlung abzubrechen weil man gegen die Satzung verstossen würde, wenn die Tagesordnungspunkte nicht schriftlich fixiert würden. Nach einigen Hin und Her und der Absage daran, berichteten kurz die anderen Abteilungen des TSV ehe es schließlich um den Kölmel Prozess ging.

 

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Oliver Laven führte aus das es für den Verein TSV Alemannia Aachen e.V nur drei Möglichkeiten gibt.

  • Jemand meldet sich und legt 2,4 Millionen Euro auf dem Tisch
  • Man einigt sich im Vorfeld mit Michael Kölmel, ehe das OLG Köln entscheidet
  • Man tut nichts und geht bei Schuldspruch des OLG Köln in die Insolvenz

Der Vorstand, so führte Oliver Laven aus, wolle nun bereit sein wenn ein Urteil verkündet wird. Und sollte das Urteil verkündet werden muss eine Lösung parat stehen. Alles andere würde unweigerlich eine sofortige Insolvenz des Vereins nach sich ziehen. Noch einmal wurde bestätigt das im Falle der Insolvenz des Muttervereins auch die Spielbetriebslizenzen erlöschen, und somit in der Saison 2014/2015 Alemannia in die Kreisklasse absteigen müsste. Oliver Laven erklärte dann das es einen vierseitigen „Vertragsentwurf“ gibt den man mit Michael Kölmel ausgehandelt hat. Daraus laß er einige Passagen vor wie eine Einigung aussehen könnte:

  • Alemannia wartet ab bis ein Schuldspruch vor dem OLG Köln gesprochen wurde
  • Mit dem Schuldspruch unterschreibt Michael Kölmel einen Rangrücktritt
  • Der „Vertrag“ zwischen Alemannia und Kölmel geht in Kraft
  • Nach einem Aufstieg in die 3. Liga läuft eine 8 Jahresfrist, Michael Kölmel bekommt nur TV Gelder aus möglichen DFB Pokalspielen ansonsten verzichtet er auf Zahlungen.
  • Steigt Alemannia in den 8 Jahren in die zweite und erste Liga auf, bekommt Michael Kölmel eine 15% Beteiligung aus den TV Geldern zugesichert. Aber nur in der zweiten und ersten Liga
  • Sollte Alemannia aus der 3. Liga wieder absteigen läuft die 8 Jahresfrist weiter
  • Im „günstigsten“ Fall erhält Michael Kölmel keinerlei Gelder, im „schlimmsten“ Fall dann wohl mehr als die 2,4 Mio Euro.
  • Michael Kölmel ist zudem bereit den Tivoli zu kaufen und zu betreiben.

Ein wesentlicher Faktor, und der ist in der Sitzung etwas untergangen, ist das die Stadt Aachen der Alemannia den Tivoli für diese Saison zur Verfügung stellt und die Differenz der Betriebskosten von ca. 1,5 Mio Euro zahlt. In der kommenden Saison verlangt die Stadt das Alemannia die gesamten Betriebskosten zahlt wenn sie im Tivoli weiter spielen will. Das der Verein das unmöglich zahlen kann versteht sich von selbst. Ein neuer Betreiber, sollte Michael Kölmel den Tivoli kaufen, könnte andere Konditionen bieten. Ihm gehört bereits das Leipziger Zentralstadion das er erfolgreich betreibt. Oliver Laven erwähnte am Rande das es noch andere Interessenten für den Tivoli geben würde, wer das genau ist und wie die Konditionen da ausgesehen hätten blieb leider unbeantwortet. Oliver Laven erzählte wie er sich mit Michael Kölmel in München getroffen hat und das er ja gar kein schlechter Mensch sei, so wie er immer dargestellt wurde. Man muss dazu sagen das mit Michael Kölmel seitens der Vereine, auch der Alemannia, übel mitgespielt wurde. Er gab klammen Klubs Geld, diese nahmen es dankbar an und wollten später nach den Aufstiegen nichts mehr davon wissen. Da wo unerwartet auf einmal mehr Geld war, erachetete man Verabredungen und Verträge mich Kölmel für Nichtig. Vor Gericht allerdings gewann Michael Kölmel jeden Prozess so das die Vereine zahlen mussten. Trotzdem streckte er weiterhin die Hand aus und ließ sich auf Lösungen ein. Mit einem juristischen wasserdichten Vertrag will Alemannia Michael Kölmel nun eine neue Einigung anbieten.

 

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Daraufhin wurde in Ruhe und sachlich diskutiert, es wurde viel gefragt, und nochmal nachgefragt auch wenn die Antworten schon dreimal gegeben wurden. Das Thema interessierte halt. Es wurde angeregt das die Mitgliedschaft heute keinen Beschluss geben kann sondern nur eine Absichtserklärung der Mitglieder. Das sollte ja erstmal genügen wenn Oliver Laven mit Michael Kölmel „telefonieren“ würde. Für die einen war es ein „die Pistole auf die Brust setzen“ für die anderen ohnehin die einzige Chance den Verein am Leben zu erhalten. Alternativen gab es nicht. Der auf vier DIN A4 Seiten ausgehandelte „Deal“ klingt erstmal nicht schlecht, was er letztendlich Wert ist und wie Kölmel sich weiter in dem Verein geldlich einbringt, man wird es erst zukünftig erfahren. Nachdem lange geredet wurde gab es dann eine Abstimmung mit überwältigender Mehrheit (367 Ja, 3 Nein Stimmen), so das die Absichtserklärung der Mitglieder eindeutig ist. Oliver Laven sprach von der Transparenz die man nun den Mitgliedern zuteil werden läßt. Das Präsidium hätte auch ohne Mitglieder Beschluss Verhandlungen und Verträge mit Michael Kölmel machen können. Auch das würde die Satzung hergeben zum Wohle des Vereins. Das man das nun gerade nicht gemacht hat stellte man noch einmal heraus, um Vertrauen wieder zu gewinnen. Herr Fröhlich aus der Satzungskommission gab Oliver Laven mit auf dem Weg: „Verhandeln Sie im Sinne des TSV und holen das beste für den Verein heraus„.

 

Kurz wurde der vorläufige Jahresbericht des TSV an die Mediale Wand gepinnt wo ausgewiesen war das der Mutterverein zwar pleite und formal insolvenz war, aber eine Zukunft hat (mit dem Kölmel Deal). Oliver Laven berichtete das er nach seinem Amtsantritt als Schatzmeister darauf hingewiesen hat das es Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des TSV gibt. Nachdem Horst Reimig dies prüfte wurde Alemannia Geschäftsführer Fritjof Kraemer direkt der Zugriff auf die Konten gesperrt. So musste man Nachzahlungen an das Finanzamt Aachen leisten, und ausstehende Rechnungen begleichen. Nur durch Spenden und eigene Geldmittel der Präsidiumsmitglieder konnte der TSV am Leben gehalten werden. Einige Mitglieder forderten das man den Jahresbericht künftig mit der Einladung erhalten möge damit diese vorab studieren könne. Das musste Horst Reimig verneinen, da u.a. laut Satzung die Mitglieder den Verwaltungsrat ermächtig haben dies zu überwachen. Oliver Laven erklärte nochmal zu dem einhergehenden Tagesordungspunkt das man hier und heute nichts Genehmigen kann seitens der Mitglieder, und ebenso wenig könnten die Gremien entlastet werden. All das würde im kommenden Frühjahr passieren, wenn eine neue JHV einberufen wird und dort die Entlastungen anstehen und die Gremien neu gewählt werden.

 

Zum Ende hin fehlte dann doch irgendwie was. Alemannia Ehrenpräsident Leo Führen schloss die Mitgliederversammlung immer mit den Worten „Nur wenn wir zusammenstehen werden wir siegen“ und das obligatorische „Hipp Hipp Hurra“. Nachdem er im Juni dieses Jahres mit 90 Jahren verstarb gedachte man ihm in einer stillen Gedenkminute. Es fehlte halt was.

 

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Nach knapp 3 Stunden war die Jahreshauptversammlung beendet, ohne das es zu großen Streiterein gekommen ist. Sie war gemessen an manch anderen eher harmonisch. Zum Abschluss sprach André Bräkling,

Sprecher und 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fanclubs, über eine Aktion der Fan IG. Zuvor verurteilte die Alemannia IG die ständigen Ausschreitungen von schwarz-gelben Anhängern, u.a. auch beim letzten Auswärtspiel in Essen. Das der Polizeieinsatz übertrieben war, da gebe es keine zwei Meinungen. Aber wieder waren es Alemannia Fans die mit Böller am Bahnsteig die Grundlage gaben. Nun müsse sich der friedliche Teil der Alemannia Fans von den „Gewalttätern“ deutlich distanzieren. „Es geht darum, diesen Personen aus dem Weg zu gehen, gegebenenfalls getrennt anzureisen oder das Abteil zu wechseln, wenn sich Ärger anbahnt“, so der IG Sprecher. Dann könnten sich die Gewalttäter auch nicht unter den friedlichen Fans verstecken.
Die Fan-IG will am Mittwoch, 11. September, eine Lichterkette um den Tivoli bilden, um mit einer öffentlichen Aktion Gesicht zu zeigen und Position zu bekennen. Man hofft auf rege Teilnahme auch von Bürgern der Stadt Aachen, denn hier sind nicht nur Fussball Fans gefragt. Wer kommen will möge bitte eine Kerze mitbringen, die Bevorratung ist eher knapp bemessen.
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2 Kommentare

  1. Zur Info:
    Die Versammlung BEGANN mit 370 anwesenden Mitgliedern. NACH Eröffnung wurden aber noch 24 Mitglieder gezählt die den EIngang erst später fanden… (u.a. aufgrund der Parkplatzsituation, die ja dem Joe Cocker Konzert „nebenan“ geschuldet war)

    1. Vielen Dank für die Info, hatte ich so nicht mitbekommen und mich gewundert als ich die Zahl hörte.

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