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Aug 26 2013

Kartoffelkaefer

Niederlage in Essen und polizeiliche Willkür – Mitgehangen = Mitgefangen?

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Zweite Niederlage für unsere schwarzgelben im Auswärtsspiel bei Rot Weiss Essen. Völlig unnötig und durch zwei Standardsituationen unterlag man vor 11.600 Zuschauern mit 2:0. Während sich die Alemannia zu „naiv“ auf dem Rasen anstellte vor 2.700 mitgereisten Fans aus Aachen, standen andere Alemannia Fans vor dem Stadiontor eingekesselt wie beim Viehtransport. Die polizeiliche Präsens kesselte die per Zug angereisten 300 Fans ein und hielt sie in „Schach“,  so dass diese das Spiel erst nach langen guten Zureden doch verfolgen konnten. Da hatten die meisten allerdings schon lange die Lust verloren. Denn das was sie vom Bahnhof bis hierher er- und durchleben mussten artete in teils grenzenloser polizeilicher Willkür aus.

 

Da ich am Wochenende wegen einer Familienfeier nicht mal annährend vor Ort war, stütze ich meine „Sichtweise“ aus Aussagen von Leuten die dabei waren, und deren Glaubwürdigkeit ich nicht im Zweifel ziehen will. Es ist immer schwer die verschiedenen Sichtweisen, Aussagen von den Beteiligten, und das was die Polizei selber sagt, so zu filetieren das es die große Auflösung des „Warums“ gibt. Dass das Spiel und die Niederlage dadurch, meiner Meinung nach, im Hintergrund tritt, sehe man mir nach. Das wesentliche kann man eh auf der offiziellen Webseite der Alemannia nachlesen, denn allzu viel zeigten unsere Kicker nicht in Essen. Kurzgefasst ließ man sich zweimal am Anfang der jeweiligen Halbzeiten übertölpeln, und kassierte – wiedermal – aus Standards „dumme“ Gegentore. Selbst konnte man den Bock nicht mehr umstoßen, die wenigen Chancen konnten nicht verwertet werden. Alemannia Coach Peter Schubert sagte am Ende das „man Lehrgeld bezahlt habe“ und für den ein und anderen Spieler die große Kulisse doch „hemmend“ war.

 

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Ca. 300 Fans die mit Zug nach Essen angereist waren sollten dagegen einen ganz anderen Abend verleben. Das Alemannia mit „Problem-Fans“ zu kämpfen hat ist keine Neuigkeit, und hat sich auch bis Essen rumgesprochen. Deshalb wurde das Spiel bereits vorher als „Sicherheitsspiel“ eingestuft, dem entsprechend hoch war das Polizeiaufgebot das bereitgestellt wurde. Soweit so gut. Gut wenn die „Problemfans“ alleine anreisen, dann kann man sie rausselektieren. Schlecht wenn in dem selben Zug auch „normale“ Fans mitfahren und dann in der Schublade „mitgefahren – mitgehangen – mitgefangen“ geschubst werden. Am Bahnhof Essen wurde anscheinend im Zug schon vorher „randaliert“, bei der Ankunft in Essen wurden dann Sylvester Böller gezündet. So zumindest „Ohren-Zeugen“. Für die Polizei war dies schon Anlass genug den großen Auftritt vorzubereiten.

 

Wie das dann so ist, wenn sich „Halbstarke“ vor der Polizei aufplustern und meinen mit Beleidigungen würde man weit kommen, wird es ruppig bis ungemütlich. Dann wird eine Kette in Gang gesetzt die schwerlich aufzuhalten ist. Am Ende kamen Schlagstöcke und Pfefferspray zum Einsatz, und auch die „Normalos“ bekamen davon einiges ab und manche ziemlich reichlich. Ob die Polizei vorher „angegriffen“ wurde, da widersprechen sich die Meinungen. Die, die „erwischt“ wurden von Pfefferspray, durften in ihrer Not nicht in die Bahnhofstoilette um sich mit Wasser zu behelfen. Eingekesselt ging es dann Richtung Stadion wo aber am großen Tor Schluss war. Die Fans durften nicht im Block, angeblich weil der Block voll war und es wohl mehr Tickets gab als der Gästeblock zuließ !?. Auch hier kochten die Emotionen wieder hoch, was Pfefferspray und Knüppel zur Folge hatte. Hierbei wurden unter anderem auch Familienväter, Frauen und Kinder verletzt, also auch solche die die Polizei sehr wohl zu Unterscheiden wissen müsste. Erst in der 70. Spielminute wurden die Tore wieder geöffnet, da hatten die meisten aber schon keine „Lust“ mehr.

 

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Die Verhältnismäßigkeit über diesen „Einsatz“ darf man bestimmt als unangemessen bezeichnen. Auch wenn die „nervöse“ Polizei im Eifer des Gefechts den Überblick verliert, das Unschuldige Fans (weil sie gerade dabei sind) mit im Fokus stehen und gleichbehandelt werden, das geht dann entschieden zu weit. Die Polizei beschreibt ihre Sicht der Dinge, die betroffenen Fans vor Ort schildern ein ganz anderes Bild. Kann man aber polizeiliche Willkür damit entschuldigen das der „gute“ Ruf der Alemannia „Problemfans“ so weit voraus eilt? Das im Gästeblock im Stadion die Fluchttore mit Kabelbinder „gesichert“ sind, ist noch ein weiterer Fauxpas der Untersucht werden muss. Man stelle sich vor in dem proppenvollen Block wäre eine Panik ausgebrochen? Wahrscheinlich haben sich die Essener Ordner noch an das Spiel vor mehr als 20 Jahren erinnert (18.04.1998), als Alemannia „Fans“ ein Fluchttor aufstoßen konnten und so in den Essener Block eindringen konnten.

 

Erschütternd ist das was man lesen muss von denen die vor Ort waren. Man kann nur jedem betroffenen raten das er Anzeige erstattet gegen die Beamten und Einsatzleitung. Erschütternd ist auch das man festzustellen hat das man gemeinsame „Reisen“ mit „Problemfans“ besser umgangen werden. Für mich übrigens schon seit den 90ern Jahren ein Grund den Zug zu meiden. Ob Essen, Oberhausen, Remscheid oder Trier, schon in den 90er Jahren gab es diese Art von übertriebenen Polizei Einsätzen. Wer erinnert sich nicht noch an die Pfefferspray Attacken in Oberhausen als auch Spieler und Funktionäre getroffen wurden? Oder in Essen als der Alemannia Block von Anfangs 1.500 Fans am Ende des Spiels nur noch wenige hundert Fans zugegen waren? Der Verein Alemannia Aachen wird wenig ausrichten können, aber man muss versuchen durch einen offenen Dialog wieder den richtigen Weg hinzubekommen. Das einige wenige leider dafür sorgen dass die große Masse leiden muss an Gängeleien und besonderen intensiven Kontrollen, bedarf eine längere Bewährung. Trotzdem ist all das keine Entschuldigung für das was manchen unbeteiligten widerfahren musste. Allerdings bin ich erstaunt dass es keine Videos gibt, wo doch eigentlich jeder ein Smartphone bei sich trägt. Das würde die „Aufarbeitung“ erleichtern.

 

Die Alemannia Fan IG will sich zu den Vorkommnissen noch äußern, der Verein Alemannia Aachen hat sich geäußert. Man darf gespannt sein was und ob überhaupt etwas dabei herauskommt am langen Ende. Schade das durch solche Aktionen ein Fussballspiel im Hintergrund rückt. Die Polizei in Essen hat inzwischen auch Stellung bezogen. Da hört sich das natürlich anders an. So berichtet man das im Bahnhof Essen Böller gezündet wurden was erheblich zur Eskalation beitrug, als man verschärfte Kontrollen durchführte. Durch die Bedrohung wurden wegen der „enge“ im Bahnhof Pfefferspray eingesetzt und dadurch auch „Unbeteiligte“ getroffen. Das ließe sich leider nicht vermeiden.

Andere Statements waren das im Zug, der „demoliert“ in Essen eintraf, Sprengstoff (!!) gefunden wurde. Der Einsatzleiter Klaus-Dieter Netz vor dem Stadion bestätigte das mehrere 100 Personen festgehalten wurden, als sie versuchten den Zaun zu stürmen. Dort wurde auch Pfefferspray und Schlagstücke eingesetzt. Das Unbeteiligte dabei getroffen wurden war ihm nicht bekannt, das würde untersucht. Mehr hierzu in der WDR Mediathek der heutigen Lokalzeit Aachen Ausgabe. In der WDR Lokalzeit Ruhr wurde das Thema ebenfalls „angeschnitten“.

2 Kommentare

  1. Dirk Habets

    Rein sachliche Information zum Artikel:
    Zur Thematik „…Fluchttore mit Kabelbinder “gesichert”…“ hat die IG sich informieren/beraten lassen und die Informationen des Vereins RW Essen überprüft. Das Ergebnis:
    Bei den betroffenen Toren handelt es sich nicht um Fluchttore. Das grosse Mundloch der Tribüne erfüllt alle baurechtlichen bzw. nach Brandschutzverordnung etc. notwendigen Maße und ist als Fluchtweg ausreichend.
    Das mag als Antwort nicht befriedigend sein, zumindest ist damit aber die Sachlage klar. Wichtig vielleicht für die, die Anzeigen wegen „Freiheitsberaubung“ etc. stellen wollten..

    1. Kartoffelkaefer
      Kartoffelkaefer

      En wichtiger Aspekt für die Sachlage!

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