Aug 04 2013

Alemannia siegt und ist Tabellenführer – 8.100 Fans rocken den Tivoli

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Wer hätte das gedacht? Erstes Heimspiel in der Regionalliga West, 8.100 Fans strömen zum Tivoli so dass das Spiel mit fünfzehnminütiger Verspätung angepfiffen wird, ein Tor des Monats durch Dennis Dowidat, Tivoli Stimmung wie in alten guten Zeiten und am Ende kollektives Hüpfen auf den Tribünen. Ja, das war nochmal Alemannia pur nach zwei Jahren des Rückschrittes und Abstiege. Gänsehaut Feeling als Dennis Dowidat mit einem fuminanten Schuss aus 30m in den rechten Winkel traf, und der Tivoli in einer bisweilen seltenen Jubelarie Kopf stand. Durch das lang geduldige Spiel eroberte man nach dem Schlusspfiff die Tabellenführung, die man sich allerdings mit dem 1. FC Köln II teilt. Das tat der Stimmung keinen Abbruch.

 

Dennis Dowidat erzielte seinen ersten Treffer für Alemannia

Dennis Dowidat erzielte seinen ersten Treffer für Alemannia

Es sollten einige Änderungen erfolgen für die Fans, die Tribünen O1-O3 und N3-N6 waren geschlossen. Man sollte enger zusammenrücken, es musste gespart werden. Schon über eine Stunde vor Spielbeginn bildeten sich lange Schlangen an den Tivoli Kassen, und die Schlange wurde lang und länger. Letzte Prognose war 5.500 Zuschauer die man erwartete, also genau jene Zahl die man im Schnitt diese Saison erwarten würde. Bis Donnerstag waren mit Dauerkarten und Vorverkauf der Tickets bereits 3.400 Tickets abgesetzt. Aber wieviel würden es werden? Die Spekulationen gingen von 5.000 bis 7.500. Am Ende wurden es 8.100 Zuschauer, einfach phänomenal. Da die elektronischen Ticketsysteme ihren Dienst versagten, und die Schlangen nicht weniger wurden, musste das Spiel um fünfzehn Minuten verspätet angepfiffen werden. Selbst Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning war sich nicht zu schade und riss am Eingang die Karten ab, und ordnete im Verlauf an das die Stehplatzbesucher ihr Ticket sofort bekamen zu einem von ihnen selbst gewählten Preis. So wanderten die “10er” schneller in die Kassen und die Fans sollten zumnindest bis auf wenige den Anpfiff pünktlich erleben.

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Alemannia Coach Peter Schubert änderte nichts an der Aufstellung, der wiedergenese Kapitän Peter Hackenberg musste auf der Auswechselbank platznehmen. Vor Frederic Löhe verteidigten Jochen Schumacher, Kris Thackray, Tim Lünenbach und der stellvertretende Kapitän Michael Lejan. In der zentralen Position im Mittelfeld agierten Sascha Marquet und Marco Neppe. Auf die Flügel spielten Nazim Sangare und Dennis Dowidat, im Sturm bildeten Abedin Krasniqi und Rafael Garcia das Pärchen. Bevor der Anpfiff erfolgte, gab es eine Schweigeminute für den verstorbenen Alemannia Ehrenpräsidenten Leo Führen. Da war es so still im Stadion, man konnte eine Stecknadel fallen hören. Dann aber ging es los. Der SC Verl, mit einem 2:0 Sieg in die Saison gestartet stand erstmal hinten ganz defensiv. Alemannia lief gegen eine weiße Wand an, und hatte Probleme in der Spitze präsize zu spielen. Nach 20 Minuten sollte ein Freistoss, getreten durch Dennis Dowidat, für die erste Gefahr sorgen. Doch der Ball flog knapp am Gehäuse von SC Keeper Lange vorbei. Bei Standards war man stets brandgefährlich, im Spielaufbau jedoch agierte man zu verspielt oder nicht konsequent genug. Verl hingegen stand tief und neigte kaum dazu gefährlich vor dem 16er der Alemannia zu kommen.

DSC_4876Als sie dies doch einmal taten, nach einem Freistoss kurz vor der Pause, wäre der Schuss fast nach hinten losgegangen. Sascha Marquet köpfte den Ball aus der Gefahrenzone, und Kraniqi und Sangare nahmen Fahrt auf und konterten. Doch am Ende konnte Krasniqi den Ball nur über SC Keeper Lange lupfen, und der Ball landete hinter dem Tor. Der schönste Angriff in der ersten Hälfte blieb einem Treffer versagt.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich kaum was am Spiel, Alemannia blieb optisch überlegen und Verl schaute erstmal zu. Nazim Sangare musste draussen bleiben, heute agierte er zu glücklos auf der rechten Seite. Für ihn kam Florian Abel. Wieder musste eine Standardsituation herhalten um Torgefahr auszustrahlen. Dennis Dowidat traf aus 17m nur das Außennetz. Da bebte kurz der Tivoli. Alemannia blieb nun am Drücker, und die Chancen häuften sich. Kris Thackray hatte mit einem abgefälschten Schuss Pech, die Bogenlampe lenkte SC Keeper Lange über die Querlatte. Auch Jochen Schumacher hatte nach einer Ecke Pech als er eine Fußspitze zu spät kam.

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Das hätte sich fast bitter gerächt als Alemannia im Vorwärtsgang aus der Abwehr den Ball verlor. In den hektischen Klärungsversuchen kam der Ball irgendwie zu Robert Mainka der den Ball an Alemannia Keeper Löhe vorbeilegen wollte. Doch Löhe´s Fußspitze hielt den Ball auf. Die Partie verlor etwas an Tempo, die schwarzgelben probierten es mit Distanzschüssen, die jedoch ungefährlich waren. Alemannia blieb ruhig während Verl begann das Spiel zu verzögern. Geduld war nun gefragt, und das abwarten auf die richtige Chance. So dauerte es bis zur 78. Minute als Dennis Dowidat den Ball von Sascha Marquet zugespielt bekam und jede menge Platz hatte. Aus rund 30m zog Dowidat ab, der Ball landete wie an der Schnur gezogen in den rechten Winkel zum 1:0. Nun stand der Tivoli Kopf, die Tribünen bebten und eine kollektive Last fiel von den Schultern.

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Die Torhymne war noch nicht verstummt da tankte sich Simon Engelmann durch eine indisponierte Alemannia Abwehr durch, und traf den linken Innenpfosten. Der Ball sprang zurück ins Feld und Michael Leyan konnte ihn dann endlich weg schiessen. Nun wackelte die Aachener Mannschaft wie aus dem Nichts, völlig unverständlich brachte man sich selbst in Not und den Gast auf dem Weg zum nahenden Ausgleich. Wiederum nur eine Minute später kam nach einem Freistoss Robert Mainka im Strafraum frei zum Kopfball, mit einer Glanzparade lenkte Keeper Löhe den Ball um den linken Pfosten. Die Fans peitschten die Mannschaft nochmal an, und es wurde ruppiger. Die Verler langten gut hin und Schiedsrichter Bläser griff erst zu spät zu den Karten. Vor allem der eingewechselte Sasa Strujic und der Verler Julian Schmidt wurden nun ein “Pärchen”. Beide behakten sich und verteilten Nicklichkeiten, ehe zuerst Schmidt und später auch Strujic den gelben Karton sahen. Alemannia ließ sich aber nun nicht mehr aus der Ruhe bringen, und fuhr den Heimsieg schliesslich ein. Mit dem 1:0 startete man so gut wie seit 24 Jahren nicht mehr, sechs Punkte aus zwei Spielen brachten die Tabellenführung. 

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Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey…” schallte es von den Rängen. Solch ein Glücksgefühl gab es schon lange nicht mehr am Tivoli. Die Stimmung war 1a und wie zu besten Zeiten, auf dem Rasen eine junge Alemannia Elf die sich noch finden muss aber jetzt schon Attribute zeigt die das Öcher Herz schmerzlich vermisst hat in den Jahren. Nach Laurentio Reghecampf hatten wir keinen exellenten Freistossschützen wie Dennis Dowidat. Ich kann mich ohnehin kaum erinnern wer jemals nach Reghecampf einen gefährlichen Freistoss oder Eckball schiessen konnte? Sascha Marquet zeigt das er schon die Zügel im Mittelfeld in die Hand nimmt, einer der wenigen verbliebenen aus der letzten Saison. Die Abwehr machte zwar kurzzeitig Sorgen, aber Thackray und Lünemann agieren gut miteinander. Wie gut aber agieren beide mit Peter Hackenberg? Von den Experten am wenigsten erwartet, und die Testspiel Ergebnisse gaben durchaus recht, präsentiert sich die neue Alemannia als Außenseiter mit dem Charme eines Spitzenreiters. Noch ein Sieg in Lippstadt, dann wird im nächsten Heimspiel gegen die Reserve des 1. FC Köln die 10.000er Zuschauermarke geknackt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und bis dahin sind wir erstmal stolz auf das geleistete. Wer hätte das gedacht?

 

Video Portal der Aachner Zeitung mit Spielausschnitten Alemannia – Verl

Bilder vom Spiel gegen Verl