«

»

Jul 25 2013

Kartoffelkaefer

Gläubiger lassen Alemannia leben – Vize-Präsident Kutsch gibt auf

Am Dienstag um 9 Uhr war wieder einmal, zum gefühlten hundertmal, ein entscheidener Tag für die insolvente Alemannia bzw. die Alemannia Aachen Gmbh. Dort mussten die Gläubiger in der Dürener Kreisarena über das weitere Schicksal der Alemannia bestimmen. Neue Chance oder Liquidation? Von den über 11.000 Gläubigern waren letztlich 150 da, der Rest ließ sich vertreten. Die Gläubiger geben der Alemannia am Ende dr Versammlung nochmal eine Chance, und das einstimmig! Dabei verzichten viele Gläubiger auf Geld und waren nahe dran selber liquidiert zu werden. Vor allem die kleinen Handwerksbetriebe die auf ihren Rechnungen sitzengeblieben sind. Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning nannte zuvor (erschreckende) Zahlen und (und noch erschreckender) Fakten. Aber für die Alemannia Aachen GmbH gibt es nun trotzdem eine weitere Chance. Nach der Abstimmung zur Fortführung der Alemannia Aachen GmbH kann Sanierungsgeschäftsführer Michael Mönig den Sanierungsplan nun erarbeiten.

An dem Tag, als Herr Mönig kam, waren 13 Euro auf dem Konto

Von den 11.000 Gläubigern meldeten 2.000 ihre Forderung an. Es geht um fast 60 Millionen Euro die „verbrannt“ wurden und zwar in 40 Millionen Euro Bürgschaften, 5,1 Millionen Euro Darlehen, 4,1 Millionen Euro Fan-Anleihen, 3,4 Millionen Euro an nicht bezahlte Rechnungen für Lieferungen und Dienstleistungen, 2,3 Millionen Euro an Forderungen des Finanzamts und 1,5 Millionen Euro für die Arbeitsagentur. Da muss man erstmal kräftig Schlucken, vor allem wenn man die Planspiele der Verantwortlichen Leute bei der Alemannia zu hören bekam wie man sich vieles einfach schönrechnete. An dem Tag, als Herr Mönig kam, waren 13 Euro auf dem Konto der Alemannia Aachen GmbH, führte Insolvenzverwalter Mönning mit ernster Miene an. Nur durch die unbändige Spendenbereitschaft der Fans, der lokalen Unternehmen und das Rettungsspiel gegen den FC Bayern konnten die Beendigung der Saison 2012/2013 sicherstellen. Während die vormalige Geschäftsführung von überschaubaren Außenständen geredet habe, sei die Wahrheit eine andere gewesen, führte Mönning fort. Mit 4,1 Millionen Schulden war der Verein im Oktober bereits mehr als Insolvent.

 

Totengräber_copy

 

Zur Ursachenforschung muss man nicht weit in die Zeit zurückreisen, die begann mit dem Stadionneubau. Mit über 65 Million Baukosten, inklusive Parkhaus, war das Projekt finanziell zwei Nummern zu groß. Vor allem da man nur ein reines Fussballstadion gebaut habe und eine andere Nutzung unmöglich macht. Zudem wurden von den Verantwortlichen mit Zahlen operiert die auf die Mega-Spielzeiten mit UEFA Cup, DFB Pokal und  Bundesliga basierten. Schon 2010 wies ein Wirtschaftsgutachten auf die finanzielle Schieflage hin, was 2012 nochmals bestätigt wurde. Zwischen 2010 und 2012 machten die Alemannia Aachen GmbH und die Alemannia Stadion GmbH ganze 11 Millionen Euro Verlust. Selbst bei der Umschuldung im März 2012 durch die Stadt und Aachener Münchener, die jeweils 18,5 Mio an Krediten übernahmen, schon diesem Zeitpunkt war die Alemannia Aachen GmbH Insolvent. Selbst eine Planrechnung für die 3. Bundesliga gab es nicht, so das niemand im Nachhinein verwundert sein musste das es so kommen musste wie es kam.

 

Für die Gläubiger wird dennoch nicht viel herauskommen – voraussichtlich zwischen zwei und sieben Prozent dessen, was sie eigentlich zu bekommen hätten. Die Insolvenzverwalter wollen nun die Leute im Regress nehmen die dies mitzuverantworten haben, hier steht der ehemalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer ganz vorne. Doch lange Prozesse will man sich nicht leisten, die Insolvenz soll bis Winter 2013 beendet werden. Das geht nur wenn es keine Klagewege zu beschreiten gibt. Von daher werden die meisten Verantwortlichen wohl ungeschoren davon kommen. Einziger Trost, der Makel der „vor die Wand Fahrer“ bleibt an ihnen haften, denn aus der Schuld kommen sie nicht heraus.

DSC_8429

Für die kommende Saison rechnet die Alemannia Aachen GmbH mit einem Etat von 3,5 Millionen Euro. 1,3 Millionen Euro sollen alleine aus den Ticketverkäufen entstehen, man plant mit 5.500 Zuschauern. Als Ziel gibt man seitens der Geschäftsführung das obere Tabellendrittel aus, was sehr ambitioniert ist. Durch den Vermarkter Infront und den neuen Hauptsponsor DocMorris kann man wieder auf gesunde Füße kommen und sich konsolidieren. Weitere Sponsoren stehen bereit, aber auch ein großer niederländischer Investor steht bereit zum Einstieg. Will bzw. muss man bis 2020 wieder in der 2. Bundesliga sein, dann wird man nicht umherkommen einen Investor ins Boot zu holen. Bei allen negativ behafteten Beispielen muss es für die Alemannia ein schlüssiges Konzept geben, das auch später ein Weiterleben ohne Investor sicherstellt. Denn eins ist klar, der große Samariter auf dem Schimmel wird nicht nicht kommen. Der Investor wird Geld geben und irgendwann Geld verdienen wollen. Diesen schmalen Grat muss Alemannia beschreiten. Eine mehrjährige Regionalliga wird für den Verein das Aus bedeuten.

Es ist eine bittere Stunde –  Aber wir sind zuversichtlich, aus dem Schlamassel herauszukommen. Es ist ein harter Weg, aber die ersten Schritte sind gemacht. (Insolventverwalter Rolf-Dieter Mönning)

Noch immer ungeklärt ist das Problem des Muttervereins TSV Alemannia Aachen 1900 e.V. Solange der Kölmel Prozess nicht beendet ist bzw. eine Einigung gefunden ist, kann der Mutterverein immer noch insolvent gehen. Das hätte dann gravierende Auswirkungen auf die Alemannia Aachen GmbH. Als feststehender Absteiger müsste ein Nachfolgeverein gegründet werden dem die Lizenzspielerrechte der Mannschaften übertragen werden. Das es soweit nicht kommt, daran gilt es zu arbeiten.

Neuanfang

Bekannt wurde auch das am Freitagabend Vize-Präsident und Aufsichtsratchef Helmut Kutsch zurückgetreten ist. Über die Gründe kann man nur spekulieren, das es aber im Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat Unstimmigkeiten gab scheint ein offenes Geheimnis zu sein. Auch wenn alle betonen das man „Handlungsfähig“ ist, die beiden Insolvenzverwalter und Sanierungsgeschäftsführer Mönning und Mönig sehen das anders. Als heilos zerstritten bezeichnen sie das ganze. Nicht von ungefähr sind aus dem Verwaltungsrat bereits vor einigen Wochen drei Vertreter zurückgetreten. Auch muss man die Personalie Manfred Lorenz (Verwaltungsrat Vorsitzenden) endlich mal beleuchten, welche „Ziele“ er denn verfolgt. Denn auch für ihn sollte gelten das man sich der Mitgliedschaft im September zur Wahl stellt. Warum Helmut Kutsch „überraschend“ nun zurückgetreten ist, will er der Öffentlichkeit mitteilen „wenn die Zeit reif ist“. Ja wenn sie es jetzt nicht ist, wann dann lieber Helmut? Die handelnden Personen sollte bewusst sein das es nur zusammengeht ab jetzt, alle gemeinsam für die Alemannia. Das beinhaltet auch das ein Neuanfang auch das sein muss wofür es steht. Vertrauen wurde Missbraucht und weggeworfen, und nochmals…es ist unabdingbar das im September die Mitglieder entscheiden wer sie weiterhin führt. Ein „Augen zu und durch“ darf es nicht mehr geben. Nie mehr!