«

»

Jun 28 2013

Kartoffelkaefer

Öcher verzällchen – Das Bahkauv (Bachkalb)

SagenLegendenHeader

Das Jahr 2014 wird für die Stadt Aachen und alle Öcher ein besonderes Jahr werden. Denn am 28. Januar 814 starb Karl der Große in Aachen und wurde in seiner Pfalz, genauer in der Pfalzkapelle (dem heutigen Oktogon) begraben. Am 28. Januar 2014 jähr sich der Sterbetag zum 1.200.

Karl der Groβe wählte Aachen zu seiner Lieblingsstadt, die Pfalz des “Rom des Nordens”. Nachdem bei seiner Kaiserkrönung des Jahres 800 durch Papst Leo III. das weströmische Reich auf die Franken übertragen worden war, wurde Aachen nach Rom das politische, kulturelle und religöse Herzstück Europas. Die „Kaiserstadt“ Aachen will im „Karlsjahr“ 2014 mit drei großen Ausstellungen auf der ehemaligen Pfalzanlage, an dem mittelalterlichen Herrscher erinnern. Dies sind das Rathaus, der einstigen Krönungshalle, im Freiplatz zwischen Dom und Rathaus (Katschhof) und dei Domschatzkammer. Am 19. Juni 2014 wird Bundespräsident Joachim Gauck als Schirmherr die Austellungen eröffnen.

 

Aus diesem Anlaß möchte ich dem einen oder anderen unsere Heimatstadt Aachen ein wenig näher bringen, denn es gibt in Aachen schöne Ecken von historischer Bedeutung. Auch hier kommt Karl der Große immer wieder mal mit ins Spiel. Man merkt es selbst, wenn man mit dem Besuch durch Aachen läuft und die historischen Brunnen, Gebäude, Denkmäler und Flächen erklären will. Da ist selbst bei unserer Generation der „Öcher“ doch noch etwas Nacholbedarf. Wissen wir genau Bescheid woran wir tagtäglich vorbeilaufen? Es macht durchaus Sinn die „eigene Haustür“ mal zu erkunden, wie schön nicht nur unsere Stadt ist sondern was sich in der Historie so getan hat. Man sollte die Orte einmal selbst aufsuchen und mit den eigenen Augen sehen, das tun wir eh viel zu wenig. Lasst euch also mitnehmen auf einer kleinen Reise durch Aachens Geschichte, die heute beginnt und in regelmäßigen Abständen fortgeführt wird.

 

Los geht es heute mit:

Bahkauv_head

Das „Bahkauv“ könnt ihr am Büchel sehen, direkt gegenüber des Kaiserbades. Es ist, man mag es kaum glauben, einer der bekanntesten Aachener Brunnenfiguren. Der urspüngliche Brunnen war noch viel imposanter, fiel aber dem zweiten Weltkrieg zum Opfer da die Metalle eingeschmolzen wurden für Waffen und Kugeln. Erst im Jahr 1968 gab es in Aachen eine große kontroverse Diskussion um den Brunnen. Man beschloss ihn neu zu bauen, und nicht mehr so herzurichten wie er Anfang 1900 gebaut wurde. Statt aus dem Maul kommt das Wasser nun aus dem Schwanz. Heute ist man betrübt das man den alten Brunnen doch nicht wieder hat herichten lassen. Aber so ist das ja leider immer, später bereut man solche Entscheidungen.

 

Der Öcher im allgemeinen schmückt bei seinen Erzählungen, gerade bei Sagen und Legenden, mit reichlich Fantasie seine Worte in Bilder aus. So auch beim Bahkauv, das im Hochdeutsch auch das Bachkalb genannt wird. Das Bahkauv war der Wächter der Kaiserquelle, aus der sich die Römer damals mit Wasser versorgten. Den Erzählungen nach war es ein nachtaktives, schuppiges Untier mit einem Tierschädel und Drachenleib. Neben seinen mächtigen Schwanz hatte es auch lange Krallen an den Zehen. In den schwefelhaltigen Quellen, die früher die Aachener Stadt durchzogen, war es für das Bahkauv die perfekte Heimstätte. Im Quellberreich wuschen damals die armen Bürger Aachens ihre Wäsche, und sparten sich so das heiße Wasser. Das Bahkauv beobachtete sie zwar wenn es in seiner Ruhe gestört wurde, aber es hatte durchaus andere im „Blickfeld“. Vornehmlich in der Dunkelheit stieg es hinauf aus der Tiefe und ging auf „Jagd“.

 

DSC_6708Wenn sich ein Zecher zur später Mitternachtstunde auf dem Nachhauseweg begab, war er in der Regel gut betrunken. Heute würde man sagen, er hatte alle Lampen am brennen. Wenn er denn dann so seines Weges torkelte, und am Büchel vorbeiging, nutzte das Bahkauv die Gunst der Stunde und sprang dem Zecher auf dem Rücken. Starr vor Schreck roch er den stinkenden Atem und sah die mächtigen Krallen, die sich in seinem Nacken und Rücken klammerten, und blickte in feurige Augen. Denn der alkoholgeruch zog das Bahkauv förmlich an. Mit einem lauten Schrei lief der Zecher nach Hause, und rief panisch vor der verschlossenen Tür seine Frau: „Träuddsche, mach die Dör up, dat Bahkauv is henger misch her„. Sodann die Tür sich öffnete war er in Sicherheit, und das Bahkauv verschwand wieder in den untiefen der Quellen. Die Frauen aber glaubten eher an die Erfindung ihrer Männer, die vertuschen wollten was sie am Abend so vertrunken hatten. Da kam es doch gelegen dass das Bahkauv ihnen auf dem Rücken hängend auch noch das Geld aus der Tasche stibitzte.

 

Aber gab es das Bahkauv tatsächlich? Angeblich soll der Vater Karls des Großen, Pippin, gegen das Bahkauv gekämpft und gewonnen haben. Es wurde seither nie wieder in Aachen gesehen. Diese These läßt sich leider nirgends nachlesen, und wird vermutlich ebenfalls den ausscheifenden Erzählungen geschuldet sein. Eher war es so dass das Bahkauv menschlicher Natur gewesen ist, nämlich ein Wächter vom Jakobstor. Dieser konnte als einziger den Bahkauv beschreiben, und wurde beauftragt das Viertel rund um den Büchel zu beobachten. Als ein Schmiedemeister mit großen Pranken nachts über Büchel und Jakobsstraße ging, fiel das Bahkauv auch ihn an und hängte sich an seinem Rücken. Doch der Schmiedemeister packte das Untier, wirbelte es durch die Luft und ließ es krachend auf dem Steinboden fallen. Krümmend vor Schmerzen kroch aus der Verkleidung der Wächter vom Jakobstor hervor. Die mittlerweile herbei geeilten Bürger sahen nun wer das Untier war. Ein Chronist schrieb hierzu:

Item anno domini 1605 an dem 12. Novembris ist Hans Palmen, Torwächter am Jakobstor, Diebereien halber und falscher Maskerade ein Unthier machend, in acht geführt und peinlich examiniert worden; wurde mit Ruthen ausgestrichen, gebrannt und der Stadt Aach zu ewigen Tagen verwiesen.

 

Von diesem Tage an konnten die Bürger wieder beruhigt nachts durch die dunklen Gassen und am Büchel vorbeigehen ohne das sie angefallen wurden. Allerdings war nun auch die „Ausrede“ an die Ehefrau dahin, denn das Geld war „fott“.