Jun 13 2013

Uwe Scherr beendet Kapitel Alemannia

Scherr_Abgang

Wenn Alemannia in den Jahren vieles nicht konnte, die spezielle Bombe platzen konnte sie schon immer zum perfekten Zeitpunkt. Uwe Scherr, bisweilen sportlicher Leiter der Alemannia, wirft das Handtuch zum Monatsende und verlängert seinen Vertrag nicht. Entnervt um die Berichterstattung der letzten Tage, entnervt mit der (teils) überzogenen Kritik im Alemannia Forum, entnervt weil seine Rollen Vor- und Rückwärts mehr Schwindel als Klarheit verursachten. Objektiv gestaltete sich das positive Bild von Uwe Scherr im laufe der Zeit immer schlechter. Allerdings überrollten ihn ebenso die Ereignisse wie so manch einen von uns. Unter ganz anderen Voraussetzungen zum Tivoli gekommen, musste er erleben wie man einen Verein durch die Insolvenz begleitet. Woran es letztendlich gelegen hat, das werden wir wohl nur in ferner Zukunft erfahren.

Vor fast genau einem Jahr kam Uwe Scherr von Schalke 04 zum Tivoli, um den gerade abgestiegenen Verein wieder flott zu machen Richtung Wiederaufstieg. Seine offen Worte und klare Ansagen beim Alemannia IG Fan Treff sind mir heute noch wohlklingelnd in den Ohren. Da schoss er Kritik gegen seine Vorgesetzte, wo man sich hinter verschlossener Hand gefragt hat ob er dafür nicht gefeuert werden könnte. Aber das kam gut an, und schon damals mahnte er das einige Leute dabei sind den Verein vor die Wand zu fahren. Da beschäftigte man sich aber noch mit der Karlsbande, Aachen Ultras und die persönlichen Eitelkeiten der Gremiker untereinander. Keine vier Monate später stand der Verein vor einem Scherbenhaufen, und Uwe Scherr als Geschäftsführer Sport ziemlich alleine da. Auch der vollzogene Trainerwechsel (von Ralf Aussem zu René van Eck) brachte keine sportliche Besserung. Der Wiederaufstieg war in weiter Ferne gerückt, der Verein musste Insolvenz anmelden.

Im Winter verließen die ersten Spieler den Verein, aber Uwe Scherr versuchte zusammenzuhalten was noch zusammenzuhalten war. Auch er blieb weiter am Tivoli für ein schmales Salär. Seine Winterverpflichtungen verpufften beim DFB, der Alemannia die rote Karte zeigte und einen Transferstopp verfügte. Mit einem Rumpfkader der aufgefüllt wurde aus der U23 und U19 versuchte man den sportlichen Rettungsanker zu werfen. Der Ausgang ist bekannt, sportlich musste man als Tabellenletzter absteigen. Nun sollte der Neubeginn in der Regionalliga West starten, und Uwe Scherr wollte auch hierbei dabei sein. Sein Vertrag sollte verlängert werden. Allerdings gab es bei der Trainer Personalie auf einmal Missstimmungen. Auch René van Eck bekundete sein Interesse weiter bei der Alemannia bleiben zu wollen. Sehr schnell waren die Gespräche beendet zwischen Scherr und van Eck. Der eine (Scherr) zeigte sich verständnisvoll das der Trainer seinen “Hut” nahm, der andere (van Eck) war gereizt um das Angebot das er nicht annehmen konnte. Schlimmer noch, es wurde garnicht gefragt wieviel denn “fehlen” würden zum annehmen. Die Fans nahmen das zähneknirschend zur Kenntnis.

Aber nun wurde die Kritk lauter in den Medien und den Foren. Teils war nun Uwe Scherr selbst Schuld an die einprasselnden Kritiken. Zuerst sprach er in der Zeitung über die Spielerverpflichtungen, und stellte die Personalie Torsten Frings als möglichen Kandidaten heraus der am Tivoli wieder seine Schuhe schnüren konnte. Bereits einige Stunden später erfolgte per Facebook prompt das Dementi von Torsten Frings selbst. Wunschspieler Christian Knappmann, fast schon im schwarzgelben Trikot, ging dann doch lieber zu Rot Weiß Essen. Auch Wunschtrainer Uwe Koschinat, neben Heiko Scholz und Udo Lipka auf dem Karussell, blieb dann doch lieber in Köln bei seiner Fortuna. Heiko Scholz ließ über die Aachener Zeitung wissen das man mit ihm seid zwei Wochen nicht mehr gesprochen hat. Und Udo Lipka? Der hat es direkt sein gelassen.

Nun zeigte sich das Uwe Scherr sich dummerweise voll auf Uwe Koschinat verlassen hat, und dieser ihm dann doch absagte. Wenn man Fortuna Köln und Alemannia Aachen aktuell gegenüberstellt, kann man seine Entscheidung schon verstehen. Nun wurden, die vor Wochen noch abgekanzelten, U23 Trainer Peter Schubert und U19 Trainer Reiner Plaßhenrich die neuen Trainer der ersten Mannschaft. Eine Rolle Rückwärts mit Haltungsnote 6B. Eine Aussprache unter “Männer” sollte für das Umdenken verantwortlich sein. Wieder mal keine Glanzleistung und glückliches Händchen von Uwe Scherr. Das Ergebnis war richtig, aber das Spiel dorthin falsch. Der “brüchige Burgfrieden” wurde von den lokalen Medien ordentlich in die Zange genommen.

Die angekündigten Spielerverpflichtungen ließen auf sich warten, obwohl man “gut im Gespräch” mit potenziellen Kandidaten war. Aber nichts tat sich, außer das die Abgänge immer zahlreicher wurden. Sascha Herröder und Kristoffer Andersen, die sich Vorstellen konnten zu bleiben, gingen nun doch. Böse sein konnte man ihnen nicht. Aber wiedermal wurde Uwe Scherr an seinen eigenen Worten widerlegt. Das Krönchen setzte dann ein Artikel von Markus Daun auf, der in der Aachener Zeitung ausgiebig Raum und Zeit geschenkt bekam und mal richtig gut Richtung Uwe Scherr abledern konnte. Auch er war auf einmal “unbemerkt” aus dem Tivoli entfernt worden, lautlos sozusagen. Nicht mal die Aachener Zeitung schien das damals bemerkt zu haben.

Was man dort lesen konnte, da stockte einem der Atem. Das konnte man garnicht glauben! Was musste in Uwe Scherr gefahren sein? Wie konnte er den Praktikanten Daun, der sich aufopferte für die Alemannia, so abrasieren? Nun prasselte es richtig auf Uwe Scherr ein, nun von allen Seiten. Der gescholtene selbst, schwieg eisern. Dafür gab es eine kurze Pressemitteilung der Alemannia, die aber flugs wieder in den tiefen des Internet verschwunden war. Heute nun folgte die Pressemitteilung, und was man da lesen konnte…da musste man schon ordentlich nach Luft schnappen! Welch kriminelle Energie konnte so lange am Tivoli unbemerkt wirken? Waren wir ein Selbstbedienungsladen wo das Geld wie im Kindergarten Eck schön von rechts nach links in diversen Taschen wanderte ohne das sich jemand darum scherte?

Damit war Uwe Scherr wieder rehabilitiert. Aber das war dann auch das finale Ende unseres glücklosen Geschäftsführers Sport. Trotzdem, so empfand ich es jedenfalls, war es schön das er sich persönlich (an die Fans) gerichtet verabschiedete. So kannte man ihn, so hatte ich ihn kennengelernt beim Alemannia Fan IG Treff. Das war nun etwas neues, ebenso die Stellungsnahme von den beiden Sanierer Mönig und Mönning. Sowas hatten wir lange nicht mehr gesehen. Einerseits ist es schade das es so zuende ging, andererseits ist ein wirklicher Neuanfang mit neuen Leuten die beste Möglichkeit. Ob und wer der neue Sportmanager werden wird, und wer diesen aussucht, das steht noch in den Sternen. Bis monatsende will Uwe Scherr noch “interessante” Spieler verpflichten. Hoffen wir das diese wirklich interessant sind, und er somit doch noch einen bleibenden Eindruck hinterläßt. Wenn Uwe Scherr “im Rahmen meiner Möglichkeit” spricht, will ich garnicht wissen was der Rahmen ist. Wahrscheinlich ein besseres Trinkgeld. Den weiteren Weg wird er nicht mitgehen. Trotzdem Danke Uwe Scherr, auch in schwierigen Zeiten hast du dich nicht “verpisst” und wir wissen nicht was hinter den Kullissen so alles gelaufen ist in dem letzten halben Jahr. Mach et juut…adieda und tot ziens!