Mai 31 2013

Am Ende wurde es nur ein Fässchen – Alemannia und die leere Hand

FVM-Pokalsieger

Es ist vorbei, Aus, Schluss, zuende. Endlich. Die Jubelarien der Gegner ist man überdrüssig, am mauen Spiel mit Fehler Slapstik-Einlage hat man sich auch satt gesehen. Der arg gebeutelte Alemannia Fan ist mental am Ende. Nun ist endlich Pause, alle Knöpfe und Schalter werden auf Null gedreht. Neuanfang in der Regionalliga West. Ein Ende mit Schrecken, aber zumindest haben schon zwei Spieler einen neuen Vertrag „mündlich“ unterschrieben (Armand Drevina und Admir Terzic). Rückblickend setzte die Niederlage im Bitburger Pokalfinale gegen Fortuna Köln die Saisonkrone auf.

 

Der ambitionierte Regionalligst, der nur knapp an der Aufstiegsqualifikation zur 3. Bundesliga gescheitert war, krönte seine Saison mit dem Sieg und gleichzeitigen Einzug in der DFB Pokal Hauptrunde. Da war es klar das der Hauptsponsor entgegen anderslauternder Meinung nun doch seine Unterstützung für die Fortuna verlängert. Und damit war dann auch Alemannia Wunschkandidat Uwe Koschinat als Nachfolger von Coach René van Eck vom Feld. Das hatte man sich seitens Uwe Scherr auch schön gedacht, das man nach einem Sieg den gegnerischen Trainer gleich als neuen Trainer vorstellt. Nun sucht man neu, eine Bekanntgabe des neuen Trainers am Freitag ist vom Tisch. Nicht alles lief rund auf die Vorbereitung zum letzten Spiel der Saison, die mit dem Pokalsieg doch versöhnlich abgeschlossen werden sollte.

 

Die Vorbereitung ist alles andere als optimal, wenn der Trainerstab am Tag vor dem Spiel von seiner Entlassung zum Monatsende erfährt (Alemannia Coach René van Eck)

 

Alemannia trainierte extra am Vortag in den Abendstunden, damit viele Fans das Abschlusstraining besuchen und die Spieler nochmal motivieren sollten. Da wussten die Fans aber noch nicht das einige Spieler, Trainer und Betreuer bereits ihre Kündigung erhalten hatten zum 31.05. Alemannia kommunizierte es so das dies der Insolvenzeröffnung am 01. Juni geschuldet ist, und einige wieder zu neuen Konditionen eingestellt werden würden. Das fanden aber nicht alle Schlüssig und wollten das Pokalfinalspiel in Bonn boykotieren. Damit einhergehend ging unter das Oğuzhan Kefkir aus diziplinarischen Gründen nicht im Aufgebot stehen würde zum Pokalfinale. Auch Sven Schaffrath bekam kein neues Angebot, obwohl es hieß das mit allen Spielern gesprochen wurde. „Offensichtlich gehöre ich nicht mehr zu den Spielern„, sagte der U23 Spielertrainer und Innenverteidiger der Profimannschaft ziemlich enttäuscht.

 

Auch für U23 Coach Peter Schubert, Torwarttrainer Stephan Straub und dem Alemannia Betreuerstab ist formal am 31.05 Schluss am Tivoli. Das alles hätte man wie immer anders aufziehen können, doch die Insolvenzverwalter die das Sagen haben stellen eben nüchtern nackte Zahlen vor. Da bleibt für Emotionen oder Mitleid wenig Zeit, so scheint es jedenfalls. Begleitet wurde das ganze aber ein Tag später auch von Pleiten, Pech und Pannen. Die Anreise hatte man aus einem unerfindlichen Grund auf dem späten Nachmittag verschoben, so das man um 18 Uhr im dicksten Stau stand. Tja wer konnte aber auch ahnen das die A4 Richtung Köln im Berufsverkehr dicht ist, und zudem sich die ersten Ausflügler ins verlängerte Wochenende aufmachten. So musste der Anpfiff im Bonner Sportpark um 15 Minuten verschoben werden.

 

Für die Alemannia Fans war es schonmal ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in der Regionalliga West erwarten wird. Vorbei die Zeiten wo moderne Arenen durch unsere Füße betreten wurden. Zuerst ging es weit weg vom Stadion durch ein Wohngebiet, über eine Schlammwiese zum Eingangstor des Sportpark Nord. Dort standen bereits tausende Öcher und versuchten durch ein „Nadelöhr“ reinzukommen. Die Ordner waren bei dem (erwarteten) Ansturm von mehr als 3.000 Öcher völlig überfordert. Als ich zuletzt im Bonner Sportpark war, das war wohl in der Oberliga Nordrhein 1991/1992 rum, gab es noch kein Flutlicht und die nun grünbewachsenen Betonrundungen waren noch in ihrer Einfachheit zu bestaunen. Viel geändert hat sich also nix, abgesehen von den wohnhausähnlichen Umkleidekabinen und Funktionsräume.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWährend sich die Aachener auf der Stehplatzseite und unter Dach auf der Haupttribüne tummelten, schienen die Kölner Fortunen bereits seit Stunden in ihrem Eck zu stehen. 4.750 Zuschauer sollten am Ende das Finale verfolgen, es sah nach mehr aus. Wer von den vorherigen Ereignissen nichts wusste musste sich die Augen reiben was er auf dem Feld sah. Eine Kölner Mannschaft die 100% Konzentriert zu Werke ging, schöne Angriffe vortrug und fast frühzeitig bereits in Führung ging. Im Gegensatz zur Alemannia, die nur ein Spiegelbild der letzten Saisonauftritte zeigte und Mühe hatte gegen den Klassentieferen überhaupt ins Spiel zu finden. Auch wenn das 1:0 für Fortuna Köln aus stark abseitsverdächtiger Position erzielt wurde, verdient war es allemal. Fast schon mitleiderregend war das was Marvin Ajani passierte. Nach einem seiner unzähligen Rückpässe zum Torwart zerrte er sich dabei die Leiste und musste raus. Zuvor wurde schon Norikazu Murakami vom Feld geholt, er hatte den Faden bereits ganz verloren ehe er gesucht hatte. Die erste Halbzeit war äusserst Bescheiden von Alemannia, zum Ende hin zeigte man so etwas wie Angriffsfussball. Pech hatte man allerdings mit einem nicht geahndeten Handspiel und unzähligen Abseitsentscheidungen.

 

FVM011Die zweite Hälfte wäre fast schon nach 14 Sekunden entschieden gewesen, als Fortunas Kraus den Ball knapp am Alemannia Gehäuse vorbeischoss. Dann aber zeigte Alemannia doch das sie besser spielen können, und übten nun stetigen Druck aus ohne das dabei zunächst etwas heraussprang. Die Fortuna zeigte sich im Offensivspiel allerdings immer noch als die bessere, was 79 Punkte in der Abschlusstabelle der Regionalliga West belegen. Wenn es über die Flügel ging bekam Alemannia regelmäßig probleme mit den schnell vorangetragenen Spielzüge. So musste Keeper Mark Flekken mehrmals retten was zu retten ist. Pech hatte dann Robert Leipertz, als er alleine durchbrach und zuerst gegen Fortuna Keeper Poggenborg scheiterte, und den Nachschuss aus spitzen Winkel an den Pfosten setzte. Später wollte er es zu gut machen, und spielte den Ball so schlecht ab auf dem freien Denis Pozder das dieser den Ball im Rücken bekam. Doch wie heisst es so schön? Der fleissige wird belohnt. Nach einer Ecke konnte die Fortuna Abwehr, die nun merklich müder wurde, nicht klären und Timo Brauer schlenzte zum 1:1 ein (78.)

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Jubel beim schwarzgelben Anhang war riesengroß, und man war sich sicher das nun die Weichen auf Sieg gestellt waren. Köln taumelte nun und die Kräfte schwanden zusehends. Eine mögliche Verlängerung würden sie nicht „überleben“. Alemannia probierte es und setzte zum Lucky-Punch an. Doch die Kölner Konter blieben weiterhin stets gefährlich, so konnten sie bequem den dreifachen Doppelpass auf dem rechten Flügel spielen. Alemannia bekam hinten den Ball nicht geklärt, eine weite Flanke in den Aachener Strafraum erreichte Fink der einfach draufhielt auf das Tor. Timo Brauer fälschte den Ball unglücklich ab, Keeper Mark Flekken war bereits unterwegs ins andere Eck, und so stand es 1:2 (82,) Alemannia probierte nochmal alles, aber die beste Chance vergab Denis Pozder aus spitzen Winkel. Auf der anderen Seite schaffte es Köln selbst nicht das leere Tor zu treffen, als Keeper Flekken im Sturmzentrum stand. Für Mark Flekken endete der Abend schmerzhaft, als er bei einem Rettungsversuch von einem Kölner Spieler am Kopf getroffen wurde aber bis zum Ende durchhielt.

 

 

Fortuna Köln FVM Pokalsieger 2013

Fortuna Köln FVM Pokalsieger 2013

Der Schlusspfiff und der Kölner Jubel nahmen dann Chaoten aus dem Aachener Block zum Anlass den Platz zu stürmen. Nach einigen wenigen Minuten hatte die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas die Lage schnell im Griff. Trotzdem flüchteten die Fortuna Spieler in die Kabine, und auf Seiten Alemannia´s mussten einige Spieler auch was vom Tränengas abbekommen haben. Die Verantwortlichen des FVM „rettenden“ den Pokal, ehe die Kölner ihren Pokalsieg doch noch feiern konnten. Vor genau 9 Jahren am 29.05. 2004 spielte Alemannia im DFB Pokalfinale gegen Werder Bremen (2:3) und läutete damit eine einzigartige Erfolgsgeschichte ein. 9 Jahre später liegt der Verein in Trümmern und findet sich in der Regionalliga West wieder, mit einer unsicheren Zukunft. Der Wunschtrainer vom Gegner wird nun doch nicht kommen, so das man seitens Alemannia wieder von vorne anfängt mit der Suche. Die Mannschaft wird nun zerfallen, aber einige werden auch kommende Saison das schwarzgelbe Trikot tragen.

 

Wenn man kein Glück hat, hat man kein Glück (Alemannia Spieler Kristoffer Andersen)

 

Jeder geht jetzt seinen Weg. Und ich gehe nicht fröhlich (Alemannia Coach René van Eck)

Norikazu Murakami kann sich vorstellen weiterhin für Alemannia zu spielen, auch wenn er aus dem asiatischen Raum deutlich bessere Angebote hat. Und vielleicht haben wir bald einen zweiten Japaner in schwarzgelb, denn Gastspieler Masato Yoshihara empfiehlt sich gerade für einen Vertrag. Robert Leipertz stellte derweil auf seiner Facebook Seite klar, das er weder mit Hoffenheim II verhandelt noch irgendwo unterschrieben hat. Am Wochenende sollen weitere Personalentscheidungen fallen, so der sportliche Leiter Uww Scherr. Achja, am Ende konnte Alemannia, oder besser gesagt ein Alemannia Fan, doch noch was gewinnen. In der Halbzeitpause gewann der Alemannia Fan beim Bitburger Fass schießen, und das empfanden einige doch lukrativer als den kleinen Pokal 😉

 

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA