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Mai 12 2013

Kartoffelkaefer

Würdiger Abschied am Tivoli – 4:2 Heimsieg

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Es war eigentlich kein Tag zum Feiern. Der Abstieg in die Regionalliga ist seit letzter Woche besiegelt, der 14. Todestag von „Mister Alemannia“ Werner Fuchs und die Bekanntgabe das Coach René van Eck die Alemannia am Ende der Saison verlässt. Trotzdem kamen noch einmal 8.892 Zuschauer zum Tivoli, um das letzte Heimspiel in der 3. Bundesliga zu besuchen. Wer weiß für wie lange? Viele ungeklärte Fragen werden offen bleiben. Wen sehen wir in der neuen Saison wieder von der Mannschaft? Wer wird neuer Trainer werden? Wird die Insolvenz den Verein weiter hemmen im Neuaufbau?
 
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OLYMPUS DIGITAL CAMERABevor das letzte Heimspiel in der 3. Bundesliga angepfiffen wurde,  gab es einen von der Fan IG iniziierten Trauermarsch anläßlich des 14. Todestages von Ex-Alemannia und Aufstiegscoach Werner Fuchs. Vom Friedhof Berensberg maschierten die Fans hinunter zum Tivoli, zuvor wurde in einer Stillen Andacht an „Mr. Alemannia“ gedacht. Vor 14 Jahren brach der damalige Aufstiegscoach Werner Fuchs beim Waldlauf mit seiner Mannschaft zusammen und verstarb. Und das wenige Tage vor dem entscheidenen Aufstiegsspiel bei der SpVgg Erkenschwick. Dorthin machten sich 8.000 Aachener Fans auf mit Trauerflor. Als Stephan Lämmermann das entscheidene 0:2 erzielte und zur riesengroßen Werner Fuchs rannte am Zaun und diese umarmte, gab es kein halten mehr. Der Aufstieg in die zweite Liga war perfekt, und dennoch war es für uns die damals dabei gewesen sind der grausamste Aufstieg den man sich vorstellen kann.
Vor dem Anstoss des Spiels wurden noch einige Einspieler an der Tivoli Videowand gezeigt, die an das Geschehene von damals erinnerten. Da musste man schon ein wenig schlucken.
 
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Pünktlich zum Anpfiff war die Kulisse da und feuerte die schwarzgelben an. Es ist bei uns sowieso immer ein wenig anders, welche Fans kommen unter den seit Oktober 2012 gegebenen Umständen zum Tivoli und feiern ihre Mannschaft und Trainer? Trotz Skandale, wir können auch würdig und mit erhobenen Hauptes absteigen. Wie das geht wurde 90 Minuten demonstriert. Der „kleine“ VfB aus Stuttgart hatte heute nur als Sparingspartner zur Verfügung zu stehen, für die Mannschaft von Trainer Jürgen Kramny ging es um nichts mehr. Der Gästeblock blieb zwar verwaist, dennoch reisten knapp 30 Stuttgarter Fans mit zum Tivoli und mischten sich auf der Doc-Morris-Tribüne unter´s Volk. Im letzten Heimspiel wollte sich die Mannschaft würdig verabschieden, und auch René van Eck forderte einen Sieg zum Abschluss.

 

René van Eck hatte wieder eine unruhige Nacht wo er seine Aufstellung nochmal „anpasste“. So stand im Tor wieder U23 Keeper Kevin Rauhut (der zum SF Siegen wechseln wird) und in der Abwehr Marvin Ajani. Wahrscheinlich letztmalig liefen des weiteren Robert Wilschrey, Sascha Herröder, und Sasa Strujic in der Abwehr, Kristoffer Andersen, Sascha Marquet Robert Leipertz im Mittelfeld, und im Sturm Timmy Thiele, Norikazu Murakami und Oguzhan Kefkir für die schwarzgelben auf. Alemannia maschierte Richtung VfB Tor und hätte bereits nach 7 Minuten in Führung gehen müssen, doch der Schuss von Norikazu Murakami war zu harmlos und wurde auf der Torlinie geklärt. Zwei Minuten später scheiterte Norikazu Murakami per Kopf, als der Ball nur knapp über die Querlatte strich. Alemannia spielte völlig befreit auf, der große Druck war nun weg. Aber auch die kleinen Schwaben versteckten sich nicht. Manuel Janzer scheiterte an Keeper Rauhut, der den Ball an die Querlatte beförderte, und der durchgebrochene Pascal Breier verzog freistehend.
 
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Die Bemühungen von unseren schwarzgelben wurden nach 28 Minuten belohnt, als Oguzhan Kefkir eine Flanke an den kurzen Pfosten brachte und Robert Leipertz aus 4m den Ball ins Tor beförderte zum 1:0. Alemannia machte direkt weiter und drückte auf das 2:0, doch Timmy Thiele mit einem Fernschuss und der frei vor dem Tor auftauchende Kristoffer Andersen vergaben. Nach dem Seitenwechsel änderte sich nicht viel an der optischen Überlegenheit der Alemannia. Timmy Thiele versuchte sich mit einem herrlichen Lupfer auf das lange Eck, doch VfB Keeper Vlachomidos reagierte blitzschnell und lenkte den Ball über die Querlatte. In der 58. Minute kam dann der große Auftritt von Norikazu Murakami. Nachdem Robert Leipertz den Ball durch die VfB Abwehr durchsteckte, war unser Japaner allein vor VfB Keeper Vlachomidos. Die Nerven der Fans waren bereits zum bersten gespannt als Murakami anfing den Keeper zu umfummeln und immer noch nicht abschloss. Selbst als die VfB Abwehr wieder um ihn herum in Position ging behielt er die Nerven und schloss eiskalt ab zum 2:0 (58.). Der Jubel auf den Rängen war grenzenlos, aber man wusste auch das wir jederzeit noch drei Gegentore kassieren könnten.
 
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Nur sieben Minuten später sollte es soweit sein. Der eingewechselte Marko Maletic scheiterte zuerst an Keeper Rauhut, dann aber wurde er prima in Szene gesetzt und allein vor dem Tor hämmerte er den Ball in den rechten Winkel zum 2:1 (65.). Für Keeper Kevin Rauhut war danach Schluss, nachdem er sich nach einem Zusammenprall leicht verletzte kam für ihn Mark Flekken ins Tor. Der war wohl noch nicht richtig warm als er gegen Manuel Janzer im Luftkampf „zu spät“ kam, und der Kopfball vor die Füsse von Pascal Breier landete. Dieser schoss den Ball über die Linie zum 2:2 (75.) und war erst irritiert ehe er jubelte mit den mitgereisten 30 Stuttgarter Fans. Wiedermal hatten uns schwarzgelben eine Führung verspielt. Aber heute ließ man sich die Feierstimmung nicht vermiesen. Postwendend markierte Oguzhan Kefkir das 3:2 als er im Strafraum sich durchsetzte und Keeper Vlachomidos den Ball durch die Beine spielte (76.). Was für ein Jubel auf den Rängen, als wäre es das Tor zur Glücksseeligkeit gewesen. Die Schwaben waren nun geschockt, und Robert Leipertz hätte mit seinem Sololauf den Deckel drauflegen können. Doch seine Fummelei endete an der Hand des bereits umkurvten VfB Keepers Vlachomidos.
 
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Eine Minute vor Spielende war Robert Leipertz dann doch erfolgreich mit seinem Doppelpack und gleichzeitigen fünften Saisontor. Sasa Strujic flankte in den Strafraum, am langen Pfosten stand Leipertz frei und drückte den Ball ins Netz zum 4:2 (89.). Nun war der Heimsieg perfekt und es gab eine emotionale Ehrenrunde der Mannschaft und von Trainer René van Eck. Diese mündete an der Südkurve mit der obligatorischen Humba, angeleitet von René van Eck (der zuvor aber von seinen Spielern instruiert wurde wie man das denn macht 🙂
 

 
 
Das war´s dann also mit dem Profi Fussball in Aachen. Eigentlich unglaublich was mit dem Verein innerhalb von 13 Jahren passiert ist. Nach dem Abstieg letztes Jahr aus der 2. Liga hätte wohl niemand damit gerechnet das wir direkt durchgereicht werden in dei Regionalliga. Auch wenn die Umstände der Insolvenz eine besondere ist, hat es wirklich so enden müssen? In der Zuschauertabelle lag unsere Alemannia bis zum vorletzten Spieltag ganz vorne. Dann aber überholte uns der KSC ganz knapp aufgrund seiner 27.000 Zuschauer beim Aufstiegsspiel gegen Hansa Rostock. Wären wir da wo der KSC sich befindet, da darf man nicht drüber nachdenken. So scheisse 1999 der Aufstieg in die 2. Bundesliga war (mit dem Tod unseres Coaches), so freudestrahlend war nun der Abstieg. Keine Ahnung warum und wieso das nur immer bei uns und unserer Alemannia so geht. Hatte man vor Wochen schon mit dem Klub abgeschlossen, so emontional sprang man auf von seinem Sitz als Kefkir das 3:2 erzielte. Das Herz ist und bleibt schwarzgelb. Egal wo und egal in welcher Liga, niemals wird ein anderer Verein dort Platz finden! Alemannia…bis in den Tod! Während die Mannschaft und Trainer sich feiern ließen sprachen Sportmanager Uwe Scherr und Insolvenzverwalter Mönnig alleine auf der Trainerbank. Was sie sich wohl erzählt haben?

 

Bilder zum Spiel

Spielbericht Alemannia Aachen

Spielbericht VfB Stuttgart II

Nachlese Aachener Zeitung Online