Mai 06 2013

Kraemer vs Alemannia vs Kraemer – Mission Justizia

KraemerAm Aachener Landgericht kam es Freitag zur mit Spannung erwarteten ersten Sitzung. Frithjof Kraemer, Ex–Geschäftsführer,  klagte gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Alemannia Aachen auf Wiedereinstellung. Am 31. Oktober 2012 wurde er vom damaligen Aufsichtsratvorsitzenden Dr. Meino Heyen fristlos entlassen, als der Verein vor dem finanziellen Ende stand. Noch da war Frithjof Kraemer überzeugt das er sich keiner Schuld bewusst war. Noch im Sommer hatte er verkündet „das ich meinen Nachfolger ein bestelltes Feld hinterlasse“. Das bestellte Feld sollte sich abrupt als Sumpf erweisen, in dem mehrere Leichen und Geldschiebereien zum Vorschein traten.
 

Sie müssen sich schämen!

 
Wer wusste was, wann genau, und von wem, und wer wurde informiert und wer nicht oder nur unzureichend? Fragen über Fragen, mit denen sich das Gericht in den nächsten Monaten auseinandersetzen darf. Alemannias Rechtsbeistand Dr. Johannes Delheid trat sodann den Angriff auf Kraemer an, besser als es die Spieler auf dem grünen Rasen zu vermochten. „Sie haben den Verein vor die Wand gefahren. Entweder waren Sie unfähig oder unredlich„, so Rechtsbeistand Delheid Richtung Frithjof Kraemer. Der sagte zuvor „das man sich damals beim Tivoli Neubau schlicht übernommen habe, und dann die sportliche Misere noch dazukam. Dafür kann man mich aber nicht verantwortlich machen„.

 

Meino_Heyen_copy-300x225Unglaubliches kam heraus während der Verhandlung, man hatte ja eh schon mit dem „schlimmsten“ gerechnet. Das Gelder bereits verplant wurden ehe sie überhaupt eingenommen waren, das wurde dem Fan schon medial mitgeteilt. Das Sponsorengelder abgezwackt wurden, die eigentlich erst zur neuen Saison geplant gewesen sind, einerlei. Das Rechnungen einfach nicht bezahlt wurden, ein probates Mittel. Aber wie tief die Finanzjongliererei doch noch sein kann offenbarte sich vor Gericht. Ein Vorwurf seitens Kraemer ging Richtung Erik Meijer, dem damaligen Geschäftsführer Sport. Dieser hätte neben dem Abstieg in die Drittklassigkeit auch den Sportetat um schlappe 580.000 Euro überzogen. Dabei machte uns Kraemer bei der letztjährigen Jahreshauptversammlung am 29.03.2012 noch glaubhaft, das der Sportetat noch mal um 750.000 Euro erhöht wurde. Eher kamen die 580.000 also nochmal oben „drauf“. Dann muss man sich tatsächlich Fragen wie das an den Gremien vorbeigehen konnte.

 

Der Verein ist jetzt finanziell gut aufgestellt, dass ich ihn mit ruhigem Gewissen an meinen Nachfolger übergeben kann (Frithjof Kraemer Sommer 2012)

 

Alemannia_Wappen_small1Zur Sprache kamen auch zwei Darlehen von 350.000 Euro und 360.000 Euro, die ein Unternehmer aus Übach Palenberg und Alemannia Aufsichtsratvorsitzer Meino Heyen zur Verfügung stellten. Frithjof Kraemer war der Meinung das er nur dem Vorsitzenden gegenüber meldeverpflichtet ist („Ich muss davon ausgehen, dass er die Informationen weiterreicht„). Das sah Rechtsbeistand Delheid aber ganz anders „Es gibt eine Unterrichtungspflicht gegenüber dem Gremium, nicht gegenüber einzelnen Personen. Das ist die Verantwortung des Geschäftsführers„. Auch wurde dem damaligen Praktikanten ein Darlehen in Höhe von 40.000 Euro gewährt, und noch am selben Tag erlassen. Auch hier befand Kraemer keine Verletzung seines Tuns. Auch nicht das der Aufsichtsrat hierüber nicht informiert wurde. Unser Ex-geschäftsführer tat es als alte Angelegenheit ab, das er wieder einmal für den nicht mehr anwesenden Geschäftsführer Sport die Versprechungen erfüllen musste. Die Summe sei die vereinbarte Vergütung für monatelange Arbeit gewesen. Auch hier entgegnete Alemannia Rechtsbeistand Delheid „das schon dieses Vergehen der Steuer- und Beitragshinterziehung ein Kündigungsgrund gewesen wäre„.

 

Wenn Sie falsche Angaben gegenüber dem DFB gemacht haben, kann Sie keiner mehr retten

 

weinen_copyrightFakt ist und war, das bis Ende November ein Defizit von nahezu 4,1 Millionen Euro aufgelaufen war. Das Gericht muss nun das ganze Zahlenwerk sondieren und herausfinden ob nicht sogar eine Insolvenzverschleppung in Betracht kommt. Denn ein entscheidender Punkt für das Gericht ist Kraemers Auskunftverhalten gegenüber dem DFB. Diesem wurde noch im September 2012 von Kraemer mitgeteilt dass das Betriebsergebnis mit 531.000 Euro über Plan liegt. Mittlerweile weiß man das zu diesem Zeitpunkt das Betriebsergebnis bereits ein Minus von 770.000 Euro auswies! Ebenso hatte unser „cleverer“ Geschäftsführer 2 Millionen Euro (zur Sicherung der Fananleihe auf einem Treuhandkonto der Stadt Aachen) als liquide Mittel Richtung DFB gemeldet. Auch beim Personalauwand wurde mal eben aus 755.000 Euro schnell 1.3 Millionen Euro „errechnet“. Sollten diese Verfehlungen Frithjof Kraemer nachgewiesen werden, dann könnte sich die Schlinge um seinen Hals enorm zuziehen. Wenn Sie falsche Angaben gegenüber dem DFB gemacht haben, kann Sie keiner mehr retten„, so Richter Bender.

 

Bei der Staatsanwaltschaft Köln laufen bereits nach zwei Strafanzeigen (eine davon ist die Stadt Aachen) die Ermittlungen. Auch Alemannia wird sich an an seinem ehemaligen Geschäftsführer schadlos halten und kündigt eine Klage auf Schadenersatz in Millionenhöhe an. Unheil  könnte auch noch auf Ex-Alemannia Aufsichtsrat Vorsitzender und Präsident Meino Heyen und Ex-Geschäftsführer Sport Erik Meijer zukommen. Sollten sich belastbare Anhaltspunkte für Verfehlungen ergeben werde man auch hier juristisch tätig.
 
Das Verfahren wird am 17. Mai fortgesetzt