«

»

Apr 15 2013

Kartoffelkaefer

Alemannia vor dem sportlichen Ende – Die Hoffnung stirbt zuletzt

DSC_0597

Am Freitagabend erlebte man als leidgeprüfter Alemannia Fan das Sahnehäubchen auf dem Tivoli. Nach guten Spiel und einer sichergelaubten 3:1 Führung bis zur 76. Minute, gab man diese innerhalb von sechs Minuten aus der Hand und verlor 3:4 gegen den bis dato in 15 Spielen sieglosen FC Hansa Rostock. Am Ende konnten es weder die glücklichen Rostocker noch die ungläubig staunenden Alemannen fassen was sich da in der Schlussviertelstunde abgespielt hat. Ein wichtiges Spiel für Alemannia im Kampf um den Klassenerhalt wurde somit verloren, und der Glaube an die sportliche Rettung rückt immer weiter in die Ferne.

 

DSC_0886

Am bedauerndswerten dürfte wohl zweifach Torschütze Oguzhan Kefkir sein, der wohl bis dato sein bestes Spiel im Alemannia Trikot absolviert haben dürfte. Mit zwei sehenswerten Freistoßtoren (die man gefühlt seit 3 Jahren nicht mehr gesehen hat) brachte er unsere scharzgelben auf die – vermeindliche- Siegerstraße. Die Mannschaft insgesamt zeigte das sie die „Botschaft“ von Insolvenz-Geschäftsführer Michael Mönig verstanden hatte, und legte die tugenden Kampf, Laufbereitschaft und Bissigkeit, in die Waagschale. Umso unverständlicher das man das Spiel aus der Hand gab und nach dem Gegentreffer zum 3:2 komplett auseinander fiel.

Dabei sah zu Anfang alles gut aus. Coach René van Eck würfelte die Aufstellung wieder durch, und Norikazu Murakami befand sich diesmal im Sturm wieder. Wenn er noch ins Tor wechselt hat er bei Alemannia nahezu alle Positionen durchgespielt. Die Innenverteidung bekleideten wie zuletzt in Darmstadt Sven Schaffrath und Mario Erb. Das Spiel gestaltete von beiden Seiten recht flott, wobei Alemannia den Gegner frühzeitig attackierte und so zu Ballverlusten zwang. Daraus konnte man dennoch kein Kapital schlagen, denn im Sturmzentrum fanden sich selten Murakami oder Thiele die die einfliegenden Bälle hätten verwerten können.

DSC_0705

Rostock probierte es mit Schüssen aus der Distanz, die mitunter schon gefährlich waren. Für eine Mannschaft die 15 Spiele sieglos war, zeigte sie sich erstaunlich selbstbewusst auch wenn ihr leichte Fehler unterliefen. Nach 22 Minuten nahm sich Michael Blum ein Herz und hämmerte den Ball aus fast 30m auf das Aachener Tor. Mark Flekken´s banger Blick rechte nicht aus, der Ball sprang vom Innenpfosten über die Linie zum 0:1. So wie die Hanseaten sich freuten, so depremiert schauten die schwarzgelben. Doch im direkten Gegenzug konnte man zurückschlagen, eine weite Flanke von Sascha Herröder fand den Kopf von Timmy Tiele, und der Ball flog in einer komischen drehenden Bogenlampe hinweg über Hansa Keeper Kevin Müller ins Tor zum 1:1.

DSC_0630

Da sah der neue Keeper im Tor nicht gut aus, allerdings hätte bei dem „krummen Ding“ von Thiele´s Kopf jeder Keeper dumm ausgesehen. Der Tivoli mit seinen 9.300 Zuschauern war supporttechnisch wieder da, weiter gings. Rostock zeigte sich geschockt und Alemannia übernahm nun das Zepter und erarbeitete sich Chancen durch Timmy Thiele und Timo Brauer. Aber erst ein ruhender Ball sollte kurz vor der Halbzeit zum Erfolg führen. Ein Freistoß aus halbrechter Position zirkelte Oguzhan Kefkir in den linken Winkel zum 2:1 (45.) Der Pausentee schmeckte diesmal besonders gut.

In der zweiten Hälfte machte zunächst die untergehende Hansa Kogge etwas Druck, Alemannia beschränkte sich darauf hinten stabil zu stehen. Das dies nichts gutes verheissen würde bekam man in Form eines Warnschusses. Einmal passte die Abwehr nicht gut genug auf und Michael Blum zimmerte den Ball aus 12m gegen den linken Pfosten. Das schien ein Weckruf gewesen zu sein, Alemannia wurde merklich aktiver in der Gästehälfte. Nach rund einer Stunde gab es wieder vor dem Rostocker Strafraum einen Freistoß für die schwarzgelben. Wieder trat Kefkir an und zirkelte den Ball, diesmal rechts, in den Winkel zur 3:1 (62.). Der Tivoli glich nun einen Tollhaus, und viele (auch ich selbst) gingen nun von einem entspannten Sieg aus. Rostock schien wie ein bereits geschlagener Boxer zu taumeln.

Wer konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen dass das Spiel eine tragische Wendung nehmen würde? Alemannia schaltete erst mal runter und nun verunsicherte Rostocker stocherten sich durch die Aachen-Hälfte. Nichts sah gefährlich aus, aber man merkte das es grummelte unter einigen Fans. Nur ein Gegentor und man durfte sich wieder bis zum Ende durchzitterten, erzählte man sich hinter der geschlossen Hand. Was dann allerdings geschah, dafür konnte man keine logische Erklärung finden. Die schwarzgelbe Abwehr überließ der kielholende Kogge zu viel Platz, man setzte dem Gegenspieler nicht mehr entschlossen nach. Die Folge, ein aufgesetzter Schuss von Weilandt „flutschte“ neben Mark Flekken ins Tor zum 3:2 (76.)

DSC_0874

Brrr…doch wieder zittern..so dachte man. Aber nun sollte es erst richtig losgehen. Auf der anderen Seite stand Oguzhan Kefkir frei und verzog den möglichen Siegtreffer zum 4:2. Mein Gott, hätte es nicht ein Freistoß sein können! Dafür schien die Alemannia Abwehr nun von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Hansa tankte sich durch viele Abwehrbeine durch bis zur Grundlinie, Ball zurück in die Strafraummitte und Plat nutzte den ganz freien Raum und vollendete zum 3:3 (79.). Boah…da musste man mal erst auf der Tribüne schlucken! Aus drei wichtigen Punkten war nun einer übriggeblieben. Alemannia fiel nun komplett auseinander, Rostock wollte mehr und zeigte es. Die Belohnung bekommt der Tüchtige, Rostock rannte sich im Strafraum fest, wieder war genug Platz da und ein abgefälschter Schuss fand den Weg ins Tor zum 3:4 durch Smetana (83.).

DSC_0620

Alemannia probierte es nochmal, aber die Kräfte und die Motivation reichte nun nicht mehr aus um ein „Wunder“ zu vollbringen. Das hatte Rostock geschafft die, bereits klinisch tot, nochmal aufsprangen und nach 15 sieglosen Spielen sich beeindruckend zurückmeldeten. Mit ihren Fans feierten sie ausgelassen in der Kurve, während die niedergechlagenen Alemannen sich von den Fans trösten lassen mussten. Ein gute Ausgangsbasis wurde wieder leichtfertig vergeben, und nur noch die größten Optimisten glauben an das „Wunder“ Klassenerhalt. Dabei lügt die Tabelle wieder mal nicht, wer ganze 0,81 Punkte im Schnitt holt und mittlereile 53 Gegentore kassiert hat, für den zeigt der Weg nach unten. Bereits am Dienstag könnte der Rückstand von 5 Punkten zum rettenden Ufer, wenn man zum Nachholspiel in Erfurt antritt, verfestigt haben. Für diesen Fall scheint dann eine vorgezogene Insolvenzeröffnung nicht mehr ganz ausgeschlossen zu sein. Es bleibt die vage Hoffnung das es doch noch funktioniert, aber nun darf man sich absolut keinen Punktverlust mehr leisten.

Das Alemannia Lazarett bleibt bis Saisonende zusammen. Aimen Demai, Thomas Stehle und Sascha Rösler werden nicht mehr in den Kader zurückkehren in dieser Saison. Abgesehen von den schweren Verletzungen bekommen sie durch die Genossenschaft deutlich mehr Geld, als das was Alemannia bezahlen könnte. So ist es eine „Win Win“ Situation für beide Seiten, auch wenn man das natürlich nicht offen zugeben wird.