Mrz 17 2013

Gekämpft, gehofft, zu hoch verloren – Wenn die Punkte weniger werden

Auswärtsspiel_Bus

 

Als krasser Außenseiter fuhr man zu den Heimstarken Preussen aus Münster, die zuhause in dieser Saison noch nicht verloren hatten. Alemannia Sportmanager Uwe Scherr schickte schonmal voraus „das man eigentlich keine Chance hat“ aber „abschlachten lassen wir uns nicht“. Naja, nüchtern betrachtet hat die Alemannia doch einen netten Tritt im HIntern bekommen. Dabei war die Niederlage so unnötig und hätte eigentlich eine andere Schlagzeile bedurft: „Alemannia schockt Münster und nimmt drei Punkte mit“. Ja so hätte es lauten können bis zur 37. Minute im Preussenstadion. Denn bis dahin waren unsere schwarzgelben (erstaunerlicherweise) Chef im Ring und glänzten mit hochkarätigen Chancen (und deren auslassen).
 

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Gab sein Debüt in der Startelf, Sven Schaffrath

Alemannia Coach René van Eck musste wieder „zaubern“ mit dem Kader und der Startelf. Die Abwehr, die immer noch ein Notnagel ist, musste wieder umgestellt werden. Diesmal sollte U23 Spieler Jan-Frederick Göhsl zu seinem Startdebüt kommen. Unser Coach wollte die „Heidenheim-Taktik“ anwenden gegen die starken Münsteraner. Keinen echten Stürmer (traf sich gut denn echte Abwehrspieler haben wir ja auch nicht mehr), dafür zwei „Zehner“ und zwei „Sechser“ die die gegnerische Abwehr verwirren sollten. Doch kurz vor dem Anpfiff verwarf man dererlei Überlegungen, die Mannschaft zeigte im Training das sie damit überhaupt nicht zurechtkam. So kam statt Jan-Frederick Göhsl U23 Co-Trainer Sven Schaffrath in der Innenverteidigung zum Einsatz, und vorne operierten im Dreier-Verbund Marcel Heller, Timmy Thiele und Oguzhan Kefkir. Hinter ihnen sollte Dario Schumacher den offensiven Part im Mittelfeld geben.
 
Nachdem Norikazu Murakami (am langen Pfosten knapp vorbeiköpfend), Oguzhan Kefkir (den einzigen Münsteraner auf der Torlinie anschoss), Sasa Strujic (20m Schuss der knapp am Pfosten vorbeizischte) und Timmy Thiele (freiststehend den Ball nicht ins Tor unterbrachte) nicht die Führung herausschossen, waren die Münsteraner schwer beeindruckt. Man wartete auf das fällige Alemannia Tor und doch kam wieder alles ganz anders. Die besagte 37. Minute traf ein und Oguzhan Kefkir leistete sich, nachdem er zuvor die gelbe Karte gesehen hatte, wiederum ein unnötiges Foul so das dem Schiedsrichter keine Wahl blieb und Kefkir mit gelbrot vom Platz stellte. Nun musste man sich in Unterzahl etwas einfallen lassen. Das dachten sich fünf Minuten später auch die Preussen, die die Gunst der Stunde sofort ausnutzen und aus dem Nichts mit 1:0 in Führung gingen. Kurz vor der Halbzeit wäre ihnen fast das 2:0 geglückt, aber Mark Flekken verhinderte schlimmeres mit seiner Parade.
 
Hätte besser ein Foul weniger gemacht - Oguzhan Kefkir

Hätte besser ein Foul weniger gemacht – Oguzhan Kefkir

In der zweiten Halbzeit zeigten die schwarzgelben auch in Unterzahl das mal besser spielen konnte, sogar mit einem Mann weniger auf dem Feld. Doch wiederum nutzte man die Chance nicht als Sascha Marquet freistehend neben das Tor schoss. Im Gegenzug zeigte Münster wie ein Aufstiegsanwärter Tore erzielt und dabei auch das nötige Glück zwingt. Flanke in den Aachener Strafraum, und Unglückswurm Sasa Strujic verlängerte den Ball ins eigene Tor zum 2:0. Da wussten die Preussen bei wem sie sich zu bedanken hatten! Und trotzdem gab die Alemannia nicht auf, weiter ging es nach vorne und das Spiel wogte nun hin und her. Timmy Thiele besorgte dann das 2:1 und traf endlich wieder nach einer gefühlten Ewigkeit (zuletzt in der Hinrunde gegen Borussia Dortmund II). Kurzzeitig witterte man Morgenluft und Thiele hatte das 2:2 auf dem Fuss. Doch in der 78. Minute fiel das 3:1 und damit war die Moral fast gebrochen im schwarzgelben Trikot. Nun schlichen sich die individuellen Fehler und Unaufmerksamkeiten ein die Münster gnadenlos ausnutzte und das Ergebnis auf 4:1 schraubte.
 
Schade Alemannia, wie so oft war mehr drin in der Punkteverlosung. Aber das Team spielt am Limit und der Kampfgeist samt Moral bleiben dennoch auf hohen Niveau. Wenn man unten steht fehlt das nötige Glück, den Riecher genau dann zuzuschlagen wenn der Gegner es am wenigstens erwartet. Zudem tat das Unterzahlspiel ihr übriges, wer weiß wie man mit 11 Alemannen reagiert hätte. Unschön benahmen sich auch wieder einige „Fans“. Die einen warfen Gegenstände aus dem Block und zündeten Bengalos, die anderen versuchten im gegnerischen Block mal „guten Tag“ zu sagen. Die Polizei verhinderte schlimmeres, dennoch gab es Verletzte und Festnahmen. Ärger gab es auch am Donnerstag aus Richtung DFB. Nachdem man zweimal um Punkteabzüge herumkam wegen der Insolvenz, und somit das „erschleichen“ der 3.Liga Lizenz, werden der Alemannia wegen den Verfehlungen am Saisonende 2 Punkte abgezogen. Rechnet man diese bereits jetzt aus der Tabelle heraus befindet man sich als Tabellenvorletzter auf einem Abstiegsplatz mit 2 Punkte Rückstand. Alemannia prüft dagegen Einspuch zu legen.
 
Unser Coach sieht das ganze pragmatischer, so wie immer eigentlich. Wenn auch er irgendwann den Mut und den Glauben verliert, dann mache ich mir echt Sorgen um meinen Verein! Aber so nicht! 

Ich beschäftige mich nur mit den Dingen, die ich beeinflussen kann. Früher hat Alemannia 1. Liga und Uefa-Cup gespielt, aber das ist nicht die Gegenwart. Ich habe früher auch gegen Romario und Marco van Basten gespielt. Da kann ich mir heute nichts mehr für kaufen. (René van Eck)