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Jan 19 2013

Kartoffelkaefer

Alemannia vor dem Rettungsspiel gegen den FC Bayern

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Am Sonntag ist es soweit. Nur einen Tag, nachdem Rekordmeister FC Bayern München seine Bundesliga Rückrunden Begegnung gegen die SpVgg Greuther Fürth absolviert hat, reisen die Bayern zum Tivoli. Diesmal geht es nicht um Tore, Punkte, Meisterschaft sondern um die Rettung der Alemannia. Dem FC Bayern schlägt meistens Hass, Neid und Schadenfreude entgegen wenn sie in den deutschen Stadien antreten. Nicht nur weil sie so erfolgreich sind, nein sie sind auch Arrogant und Selbstherrlich dazu. In allererster Frontlinie steht da natürlich Uli Hoeness, jahrelanger Manager des Vereins der den Klub zu dem geführt hat was er heute ist. Trotzdem, ist ein Verein in der Republik in Not ruft man gerne nach dem FC Bayern und seinen Stars. Denn wenn die Bayern kommen ist ein volles Haus plus TV Live Spiel meist nur noch Formsache. Mag die Abneigung auch noch so tief sein, wenn einem keiner mehr hilft….der Uli macht das schon. Da wird meist schnell entschieden und die Stars reisen an zum Freundschaftsspiel, und das ganz ohne finanzielle Entlohnung. Da ist der Hoeness Uli spätestens der am meist geschätzte Mann der es möglich macht. Auch als die Alemannia anfragte im November 2012, nach Verkündung der Planinsolvenz, war man seitens des FC Bayern nicht abgeneigt einem Traditionsverein zu helfen. Allerdings gibt Uli Hoeness auch zu bedenken das der FC Bayern nicht jedem Verein helfen kann, denn neben Alemannia taumeln auch Vereine wie VfL Osnabrück und der MSV Duisburg am finanziellen Abgrund. Dennoch, was waren das Pokalschlachten auf dem (alten) Tivoli als man den großen FC Bayern dreimal wegfegen konnte. 2:1 (2004) und 4:2 (2006) im DFB Pokal, 1:0 in der Bundesliga (2006). Da haben wir die Bayern ausgelacht und gejubelt als hätten wir die Champions League geholt. Nun, diese Erinnerungen sind weit weg und die aktuellen Probleme des Vereins emens groß. Um die Saison in der 3. Bundesliga zuende zuspielen benötigt man 1,5 Mio Euro. Allein durch das Rettungsspiel gegen den FC Bayern wird man um die 600.000 Euro an Einnahmen verbuchen können. Da kann man nur ganz tief den Hut ziehen und dem FC Bayern zurufen „Danke, Danke“.

 

IMG_1453Für das Spiel am Sonntag haben sich die Alemannia und die Fans etwas ausgedacht. Das Spiel soll natürlich dazu genutzt werden das Geld eingenommen wird, viel Geld. Im Umlauf des Stadions werden Alemannia Sparschweine stehen wo man spenden kann, es wird Rettungs-Button geben zum Stückpreis von 3 Euro plus einem Los. Das Los beschert einem (im Gewinnfall) dann im nächsten Heimspiel gegen den FC Saarbrücken die Nutzung der Loge mit bis zu 11 Freunden. Wenn das mal nichts ist! Zudem wird es ein neues Rettungs-TShirt geben mit dem Spruch „tradionsretter“, einen Schal und eine Mütze. Alemannia hat ebenfalls zwei Telefonnummern (Festnetzt und SMS) schalten lassen wo man bequem mit einem Anruf spenden kann und somit zur Rettung der Alemannia beiträgt.

Pro Anruf bei der Nummer 0900 3 200 206 aus dem deutschen Festnetz (Mobilfunk gesperrt) werden bei der nächsten Telefonrechnung automatisch 5 Euro abgebucht, die der Alemannia zu Gute kommen. Alternativ kann auch eine SMS mit dem Text „AAC“ an die 31000 gesendet werden. Hierbei wird die Alemannia mit 4,99 Euro pro SMS unterstützt, in diesem Fall erfolgt die Abrechnung über das Mobilfunkguthaben buw. über die Mobilfunkrechnung.

 

DSC_2972Am Sonntag wird die Kölner Firma „GSE Protect“ den Orderdienst stellen, vielleicht auch eine Lösung für die restlichen Spiele der Rückrunde am Tivoli. Nachdem unser Hauptsponsor „Geller“ letzte Woche seinen Rückzug angekündigt hat, und den Orderdienst damit ebenfalls eingestellt hat, war kurz vor dem Spiel gegen den FC Bayern Not am Mann. Denn ohne qualifizierten Orderdienst hätte das Spiel nicht stattfinden können. Nun hat man eine Lösung gefunden, auch wenn sich der neue Orderdienst noch eingewöhnen muss am Sonntag. Es könnte also beim EInlass etwas länger dauern als üblich. Rechtzeitige Anreise ist anzuraten. Da mit dem Hauptsponsor Geller auch der Trikotpartner verloren ging konnte man für das Rettungsspiel nun einen Sponsor für das Spiel finden. Die Martello Immobilienmanagement GmbH & Co. KG, ein Mitglied der Hammer Gruppe aus Aachen, wird das Alemannia Trikot am Sonntag zieren. Ex-Alemannia Präsidiumsmitglied und geschäftsführender Gesellschafter der Hammer Gruppe Tim Hammer sagte: „Die Hammer Gruppe ist seid vielen Jahren Partner von Alemannia Aachen. Wir unterstützen den Verein auch in schweren Zeiten, und das Bayern Spiel ist natürlich ein Highlight“ so Tim Hammer. Ebenso wird die Hammer Gruppe umfangreich präsent sein auf der LED Bandenwerbung.

 

Alemannia hat zu dem Rettungsspiel gegen den FC Bayern München eine eBay Aktion eröffnet. So konnte man sich einen Platz auf der Alemannia Bank sichern und zwei Plätze für den EInlauf mit den Mannschaften sichern, inklusive Anstoss. Die Aktion ging gestern zuende und Alemannia konnte sich über 3.135 Euro freuen.

 

dauerkarteFür die Besitzer einer Dauerkarte läuft die Verlängerungsfrist langsam aber sicher ab. Bis Mittwoch 23. Januar 2013 kann man seine Dauerkarte gegen eine freiwillige Gebühr wieder freischalten lassen. Nach Ablauf der Frist verlieren die Dauerkarten ihre Gültigkeit. Mit einhergegehen der Insolvenz mussten auch alle Dauerkarten ungültig geschaltet werden. Als dies dann geschah war der Aufschrei unter den Fans riesengroß. Alemannia fand aber einen gangbaren Lösungsweg das die Fans ihre Dauerkarte wieder freischalten lassen konnten, wenn sie die Höhe des Betrages selbst bestimmen können. Rund die Hälfte der ehemaligen 8.500 Dauerkartenbesitzer haben davon gebrauch gemacht. Ich finde das ein bisschen wenig, so um die 80% hätte ich mir da schon erhofft. Aber noch ist ja Zeit bis zum 23. Januar…also Arsch hoch und auf zum Tivoli…verlängern!

 

Im letzten Testspiel gegen Bayer Leverkusen II konnte die Alemannia am Mittwoch einen klaren 3:0 Sieg verbuchen. Nachdem ein Tag zuvor der Winter über Aachen hereinbrach mussten fleissige Helfer zuerst den Kunstrasen vom Schnee befreien. Neben den verletzten Ex-Alemannen Mirko Casper verfolgte auch ein potenzieller Neuzugang das Geschehen auf dem Kunstrasen. Tom Moosmayer wird seinen Vertrag beim Regionalligisten Wuppertaler SV auflösen und zur Alemannia zurückkehren. Dort spielte er bereits in der U23 von 2003 – 2007. Der 33-jährige defensive Mittelfeldspieler freut sich über die neue Aufgabe bei seinem ehemaligen Klub,auch wenn der zur Zeit in schweren Zeiten schwebt. „Es wäre super, wenn ich nochmal hier in Aachen Fußball spielen könnte“ so Moosmayer. Durch Tore von Murakami und zweimal Freddy Borg sicherte sich Alemannia auf schwerem Geläuf auch den dritten Sieg in Folge.

 

AmateurBank-smallAm Donnerstag wurde das Viertelfinale des FVM Mittelrhein Pokals (Bitburger Pokal) ausgelost. Nachdem Alemannia am Sonntag bei Viktoria Köln mit 5:2 n.E. gewann muss man nun zum Mittelrheinligisten Germania Windeck reisen. Der Pokalsieger von 2010 hatte das Vergnügen im DFB Pokal der ersten Hauptrunde den Rekordmeister FC Bayern begrüssen zu dürfen. Und dort will die Alemannia wieder hin, in den DFB Pokal der Einnahmen verspricht. Die Pokalrunde findet am 9. Februar statt, aber das Spiel gegen Germania Windeck wird verlegt werden müssen. Da Alemannia eine Tag vorher gegen den Karlsruher SC spielt steht der entgültige Pokaltermin noch aus. Die anderen Paarungen im Pokal ergaben:

 

FC Wegberg Beeck – VfL Rheinbach
Spfr.Düren – Fortuna Köln
TuS Homburg-Bröltal – FC Hennef 05

 

Robert Leipertz bleibt

Robert Leipertz bleibt

Am Freitag gab es die Entscheidung, wer bleibt und wer geht? Alemannia Sportdirektor Uwe Scherr hatte den Spielern seit letzter Woche ein neues Angebot gemacht. Im Zuge der Insolvenz und der Aufrechterhaltung des Spielbetriebes muss gespart werden an teueren Spielern. Albert Streit entschied sich bereits vergangene Woche den neuen Alemannia Weg nicht mitzugehen, und wechselte zum Regionalligisten Viktoria Köln. Am Freitag gab dann auch Fabian Baumgärtel bekannt das er den Verein verlassen wird. Baumgärtel war von der SpVgg Greuther Fürth ausgeliehen und lief 20x im schwarzgelben Trikot auf und schoss ein Tor. Für welchen Verein der 23-jährige künftig seine Schuhe schnüren wird ist nicht bekannt. Auch Kristoffer Andersen, der zu Saisonbeginn vom FSV Frankfurt an den Tivoli wechselte wird den Verein verlassen. Im großen Ganzen bleibt die Mannschaft aber nahezu erhalten, auch wenn die Transferperiode noch bis Ende Januar offen ist. Hatte man die Befürchtung das man mit einer U23/U19 die Rückrunde bestreiten müsste sieht die Sache nun garnicht mal so schlecht aus. Zwei weitere Spieler haben allerdings noch keine verbindliche Zusage gegeben, Marcel Heller und Kai Schwertfeger. Auch Seyi Olajengbesi hat sich noch nicht entschieden, er hat eine Fristverlängerung bis Dienstag erhalten da er gerade mit einem potenziellen Verein verhandelt. Klare Ansage gibt es seitens Alemannia. „Ab nächster Woche werden nur noch Profis für Alemannia auflaufen, die erhebliche Gehaltseinbußen akzeptiert haben“ so Coach René van Eck. „Wer nicht mitzieht und die Gehaltseinbußen akzeptiert, erhält die fristlose Kündigung„. sagte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning. Allerdings  gab es von ihm auch Lob „Es gibt eine unglaubliche Bereitschaft der Spieler, sich der Situation zu stellen. Das hatten wir so nicht erwartet“. Und weil es so schön gab es noch einen Grund sich zu freuen. Der von Redbull Leipzig umworbende Robert Leipertz unterschrieb ebenfalls einen reduzierten neuen Kontrakt am Tivoli. Sportdirektor Uwe Scherr sagte: „Wir sind sehr zufrieden, dass Robert bei uns bleibt“.

 

Fanschals

Zu guter letzt gibt es noch einen Aufruf der Alemannia Fan-IG. Nachdem die ACU (Aachen Ultras) medienwirksam ihren Abschied vom Tivoli verkündet hat, und seitdem alle Alemannia Fans rechtsradikal in Augen vieler Medien sind, will man diesem nun entschieden entgegentreten. Zwanzig Minuten nach dem Abpfiff treffen sich alle Alemannia Fanklubs und Fans auf der Gegentribüne (Block O3/O4) um zusammen ein großes Foto zu machen. Auf dem Foto werden sich die Fans mit Spruchbändern, Schals und Fahnen positionieren unter dem Motto: Gewaltfrei. Demokratisch. Alemannia-fanatisch. Wir sind die 99%

 

ERKLÄRUNG DER FANS, FAN-CLUBS, MITGLIEDER, MANNSCHAFTEN, ANGESTELLTEN UND VERANTWORTLICHEN VON ALEMANNIA AACHEN (Entwurf)

Gewaltfrei. Demokratisch. Alemannia-fanatisch. Wir sind die 99 %.

In den letzten Wochen und Monaten ist ein Bild der Alemannia und ihrer Fans entstanden, das uns allen und dem Verein schadet. Dieses Bild – die Aachener Fanszene sei ein Sammelbecken für gewaltbereite Rechtsradikale – ist falsch, und es belastet die weit überwiegende Mehrheit der Alemannen völlig zu Unrecht. Es ist schade, dass in der Berichterstattung der letzten Zeit die 99 %, die die breite Mehrheit der Alemannenfamilie bilden, so wenig zur Kenntnis genommen wurden.

Wir sind diese 99 %. Wir sind die Fanclubs, Fans, Mitglieder, Mannschaften, Angestellten und Verantwortlichen eines Vereins, der durch seine lange Geschichte und seine besondere Grenzlage ein Zeichen für das Zusammenleben ganz unterschiedlicher Denkweisen, Kulturen und Menschen war und ist. Genauso wie für diesen Charakter unseres Vereins stehen wir für ihn selbst ein – in schweren Zeiten wie im Erfolg.

Es gibt Einzelne, die in dieser großen Gemeinschaft untertauchen, und die ihre Kontakte zu den Fans nutzen, um ihre menschenverachtenden politischen Parolen offen oder versteckt unters Volk zu bringen. Das ist nicht zu leugnen, und es ist beschämend für die Alemannia und uns alle.

Wir – Verein, Fans und alle Unterzeichner – werden das nicht dulden. Wir verachten Gewalt, Rechtsextremismus und politische Agitation. Die Werte einer demokratischen Gesellschaft sind das Fundament unserer Gemeinschaft und unseres Vereins. Wer sie nicht achtet, hat in der Alemannenfamilie nichts verloren – dafür treten wir ein.

Zusammen wollen wir unseren Verein, unsere Liebe, nach vorn bringen – gewaltfrei, demokratisch und Alemannia-fanatisch. Wir sind die 99 %.