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Nov 19 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia – Insovenzverschleppung, Testspielniederlage und eine brisante Email

Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt nun gegen die Verantwortlichen der Alemannia Aachen GmbH wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Brisant ist dies aufgrund einer eMail von Ex-Aufsichtsrat Mitglied Horst Rambau aus dem April 2012. Schon dort mahnte er die Zahlen an, auf denen die Alemannia sich in sicheren Gewässern glaubte. Laut seiner Berechnungen würde man mit den Planungen Schiffbruch erleiden, da Ex-Alemannia Geschäftsführer Frithjof Kraemer schon damals mit einem Verlust von knapp 1,8 Mio Euro rechnete. Horst Rambau rechnete mit knapp 2,8 Mio Minus für die kommende Dritteliga Saison. Zusammen kommt man nun auf jene 4,5 Mio Euro die der Alemannia derzeit fehlen und den Gang zum Insovenzrichter bedeuten. Somit werden einige Aufsichtsrat Mitglieder unbequemen Fragen beantworten müssen, und sich auch rechtfertigen müssen ob sie ihrer Kontrollfunktion nachgekommen sind. Aufsichtsrat Vorsitzender Meino Heyen, an dem die eMail adressiert war, rückt nun ins besondere Licht der Staatsanwaltschaft. Aber auch die Stadt Aachen wusste von der brisanten eMail Rambaus. Aachen Oberbürgermeister bestätigte das man die eMail kenne, das die Zahlen stimmen aber die Berechnungsgrundlage eine andere war. Zudem hat man sich darauf verlassen das der Alemannia Etat für die dritte Liga, durch den DFB per Lizenz erteilt, verlässlich war. Das dieser erst garnicht angewendet wurde wäre nun an dem jetzigen Dilemma erkennbar. Hat die Stadt Aachen also auch nicht richtig hingesehen? Oder hat man sich auf dem eigenen Wirtschaftsprüfer verlassen? Kannte dieser auch die eMail? Sehr viele Fragen die noch zu beantworten sind.

 

Strafanzeige gegen Alemannia Präsident und Aufsichtsrat Vorsitzender Meino Heyen

Währendessen muss nun auch der Rechtsanwalt und Restrukturierungsbeauftrage Michael König einsehen das „sein“ Plan gefährdet ist mit der Planinsolvenz. Die Sponsoren und Gönner, die Alemannia den Rest der Drittliga Saison überlebensfähig halten sollen, sind momentan „not amused“ auf dem jetzigen Aufsichtsrat. Wie soll der jetzige Aufsichtsrat auch Geldgeber finden, wenn man bislang so versagt hat und den Verein in seiner größten Krise stürzte? Welcher Sponsor schließt mit denen irgendwelchen Verträge und gibt Geld? Ein neuer Vorstand der Vertrauen geniesst könnte wahrscheinlich eher etwas bewirken und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen mit einem guten Plan. Die Zeit ist knapp, denn jeder Tag der sinnlos verrinnt bringt Alemannia näher an der kompletten Zerschlagung und dem damit verbundenen endgültigen Ende. Auch die Vereine der dritten Liga machen sich um die Insolvenz der Alemannia ihre Gedanken. Man spricht von Wettbewerbsverzerrung wenn Alemannia nach der Winterpause mit einer besseren U23 antreten wird. Da die Rückrunde bereits am 01.12 startet, werden Arminia Bielefeld, Wacker Burghausen, Borussia Dortmund II und der 1. FC Saarbrücken noch gegen die „alte“ Besetzung der Alemannia Mannschaft antreten müssen. Ob das aber Aufgrund der bisherigen Spielweise unserer schwarzgelben wirklich ein Nachteil sein wird? Eine neue Mannschaft bestehend aus der U23/U19 wird wahrscheinlich motivierter in die Restspiele der Saison gehen. Trotzdem ist es eine berechtige Frage der Klubs, die der DFB in irgendeiner Weise lösen muss. Hintergrund ist das im Winter wohl die komplette Mannschaft der Profis sich neue Klubs suchen wird. Durch die bevorstehende Insolvenz wird Alemannia schon jetzt wie ein Regionalligist planen und wirtschaften müssen. Da wird man sich die jetzigen Spieler mit ihren Verträgen nicht mehr leisten können. Auch ist davon auszugehen das nach der Winterpause der Trainer nicht mehr René van Eck heissen wird sondern Hans-Peter Schubert, der Coach der jetzigen U23 Mannschaft. Auch Geschäftsführer Uwe Scherr wird nicht zu halten sein aus Kostengründen. Viele Baustellen an der Alemannia Front sind noch offen und müssen baldigst geklärt werden. Das wird nicht nur für die anderen Vereine in der Drittenliga eine Umstellung bedeuten sondern auch für die Alemannia Fans.

 

Sportdirektor Uwe Scherr

Nur einen Tag nach der Bekanntgabe der geplanten Insolvenz reisten die Alemannia Kicker zum Auswärtsspiel nach Stuttgart. Gegen die Zweitvertretung des Bundesligisten sollten trotz der Ereignisse wichtige Punkte eingefahren werden, auch wenn diese im Angesicht des sicheren Abstiegs in der Regionalliga bedeutungslos sind. Alemannia spielte eigentlich wie immer, man erarbeitete sich Chancen und geriet doch wieder im Rückstand. Ein Elfmeter Tor sorgte für die Führung des VfB II die Kai Schwertfeger mit einem Sonntagsschuss aber egalisierte. In der zweiten Halbzeit passierte dann das was man in den letzten Wochen und Monaten immer wieder bei unserer Mannschaft beobachtet. Trotz guter Chancen leistete man sich einen Fauxpas in der Abwehr und verlor das Spiel schließlich mit 2:1. Das die Niederlage nur einen statistischen Wert hat interessierte keinen wirklich hinterher. Aber zeigte wieder einmal das Dilemma der Mannschaft, die einfach nicht den letzten Biss findet. So gesehen ist es vielleicht wirklich nicht schlecht wenn nach der Winterpause eine „andere“ Alemannia auf dem Platz steht und die Motivation sucht die restlichen Gegner zu ärgern. Zudem ist es eine gute Vorbereitung für die neue Saison, man kann sich einspielen. In Zeiten wie diesen muss man schließlich das beste rausholen, auch wenn man es nach Tagen immer noch nicht so recht glauben mag was mit unserer Alemannia geschehen ist. Abseits des Sports wird in den kommenden Tagen eh interessanter sein wie man das gesunkene Schiff Alemannia wieder auf Kurs bringen will, und welche Leute dafür einstehen werden. Der Neubeginn wird hart und steinig, der Weg dorthin noch viel mehr.

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