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Nov 16 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia – Neustart in der Regionalliga mit Insolvenz

 

Unsere Alemannia ist Insolvent. Dies stellte Rechtsanwalt Michael Mönig bei der einberufenen Pressekonferenz der Alemannia heute Morgen um 11 Uhr nüchtern fest. Das war gestern bereits im Alemannia Forum und auf Facebook hitzig diskutiert worden. Das es diesmal wieder eine Rettung in letzter Minute geben würde, diese Wahrscheinlichkeit lag nahe bei Null. Und die nackten Zahlen die man der breiten Öffentlichkeit offerierte ließen nun auch keinen anderen Schluss zu. Aktuell fehlen der Alemannia 4,5 Mio Euro. Jeder Monat mehr der ins Land streicht würde die Finanzmisere höher schnellen lassen. Am Saisonende würde man dann bei etwa 10 Mio Euro Verbindlichkeiten liegen. Nun war also der Zeitpunkt gekommen die Reißleine zu ziehen, und zwar sofort. Wenn man den Verein nicht ganz untergehen lassen wollte ist die geordnete Insolvenz die einzige Option die man hat, was gleichbedeutend den Abstieg in die Regionalliga bedeutet zur kommenden Saison 2013/2014. Rechtsanwalt Michael Mönig stellte der Alemannia und ihren Verantwortlichen ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Trotz der Abstiege habe man weiterhin mit dem neuen Stadion auf großem Fuße gelebt. Mit einem Personalbestand von 157 Beschäftigten und laufenden Kosten die man sich so gönnte schob man den Schuldenberg immer weiter vor sich her. Dem muss nun ein Ende gesetzt werden. Während die Alemannia Aufsichtsrat Mitglieder Helmut Kutsch, Christoph Terbrack und Michael Nobis schweigend lauschten, saß der Vorsitzende Dr. Meino Heyen mit blassen Gesicht neben den Leuten die nun der Alemannia erklärten wie der Hase zukünftig zu laufen hat. „Ziel muss es sein, die Alemannia im Jahr ihres 112. Bestehens vor der Zwangsliquidation zu bewahren“, so Mönig.

 

Alemannia Präsident und Aufsichtsrat Chef Meino Heyen

Schon bevor die Pressekonferenz startete wurden Handzettel verteilt an die Pressevertreter. Dort konnte man lesen das Alemannia einen Neustart in der Regionalliga 2012/2013 beschreiten würde. Schon hier zeigte dich der Dilitantismus der Alemannia in den letzten Monaten und Jahre. Natürlich startet die Alemannia erst zur neuen Saison 2013/2014 eine Etage tiefer. Allerdings könnte man es ja auch so interpretieren das man ab sofort wie ein Regionalligist wirtschaften und denken muss. Denn die riesigen Ausgaben müssen unverzüglich minimiert werden, wobei man bei dem aktuellen Kader sofort anfangen will. Am kommenden Freitag wird man unverzüglich beim Amtsgericht Aachen den Insolvenzantrag stellen, mit der Option diesen erst zum 30.06.2013 zu eröffnen.  Ziel muss es nun sein das Alemannia die aktuelle Saison zuende bestreiten kann, um nach dem letzten Spieltag die Insolvenz zu eröffnen.  Die Mannschaft, kurz bevor sie sich auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Stuttgart aufmachte, wurde am frühen Morgen von der Insolvenz unterrichtet. Schweigsam nahm man dies zur Kenntnis. Denn die Spieler werden sich nun Gedanken um einen neuen Verein machen müssen, da sie ab sofort „frei“ sind. Bereits im Winter will sich Alemannia von den großen Gehaltsgrößen trennen, Spieler wie Albert Streit, Aiden Demai, Sascha Rösler und Christian Weber werden den Verein verlassen. Mit einem Rumpfteam, das mit U23 und U19 Spielern aufgefüllt wird, sollen die restlichen Spiele in der dritten Liga absolviert werden auch wenn es nur noch um die goldene Ananas gehen wird. Auch die Beschäftigen rund um den Tivoli werden sich neue Jobs suchen müssen. Ein Personalbestand von 157 Beschäftigen sei zuviel für eine Drittliga Mannschaft und noch mehr für eine Regionalliga Mannschaft. Es muss nun an alles und jedes gedreht werden um den Verein am Leben zu erhalten. Ohne externe Hilfe wird dies natürlich nicht gehen, Vorgespräche mit potenziellen Sponsoren und Gönnern sind bereits erfolgt. Diese geben die Hoffnung das man die aktuelle Saison zuende spielen kann und dann einen Neustart in der Regionalliga wagen kann. Das bedingt die Insolvenz am Ende der Saison womit man die Schulden auf einem Schlag los wäre, mit dem Preis des Abstieges. Denn das sehen die DFB Statuten so vor.

 

Der Plan von Rechtsanwalt Michael Mönig klingt vielversprechend, es hätte auch wegen des direkten Liquiditätsengpasses auch eine sofortige Insolvenz erfolgen können der den Verein und die GmbH sofort liquidiert hätte. „Wir wollen den Traditionsverein retten und haben das Ziel, den Verein über ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung zu sanieren. Wir werden nun einen vorläufigen Gläubigerausschuss einsetzen, den Insolvenzantrag vorbereiten und in der kommenden Woche beim zuständigen Amtsgericht in Aachen einreichen“ so Mönig. Während draussen vor dem Haupteingang rund 100 Alemannia Fans ihre Wut Luft machten und die Pressekonferenz stürmen wollten, musste die neuen Maßnahmen erstmal verdaut werden. Wie konnte es soweit kommen? Noch im Juni diesen Jahres wurde die Stadionumfinanzierung bewerkstelligt im Schulterschluss mit der Stadt Aachen und dem Hauptsponsor Aachen Münchener Versicherung. Jeweils 19 Mio Euro flossen in eine neu gegründete Gesellschaft, Alemannia musste 8 Mio Euro aus eigenen Mitteln hinzuführen. Alle Zahlen und Fakten kamen auf dem Tisch, die Alemannia sollte nun auf Jahre in ruhigen Gewässern fahren können. Doch bereits im Oktober musste man seitens Alemannia einräumen das mehr als 2 Mio Euro im aktuellen Etat fehlen. Die Stadt fühlte sich getäuscht, der Verein war geschockt. Wo war das Geld geblieben und wieviel Geld fehlt genau? Alemannia Geschäftsführer Frithjof Kraemer schien mit Zahlen zu hantieren die es nicht gab, Gelder wurden von links nach rechts geschoben um aktuelle Forderungen bedienbar zu machen, Gelder für die kommende Saison wurden bereits in wenigen Wochen aufgebraucht. Die Schlinge zog sich immer weiter zu, bis auch Aufsichtsrat Chef Meino Heyen seinen Lieblingsschüler entlassen musste. Monatelang hatte er seinen Glückslosen Geschäftsführer in den Finanzen die heilige Hand zukommen lassen. Sein Spruch „Fritjof Kraemer hat für jedes Problem sofort eine Lösung parat“ sorgte nicht nur bei den Fans und Sponsoren für heftiges Kopfschütteln. Auch die Stadt Aachen ließ sich lieber von Meino Heyen persönlich überzeugen als von seinem Geschäftsführer. Nun musste man heute bei der Stadt Aachen festellen das hinter der Insolvenz schon eine menge kriminelle Energie stecken müsste. So formulierte es jedenfalls Aachens Oberbürgermeister Marcel Phillip. Auch Alemannias sportlicher Geschäftsführer Uwe Scher fühlte sich getäuscht anhand der Zahlen, aber er sieht vielleicht in dem „Reset“ auch eine Chance. Einhergehend mit der Insolvenz nahm auch die Staatsanwaltschaft Aachen ihre Ermittlungen auf in Sachen Insolvenzverschleppung und anderen Straftaten.  Das ist nunmal so die Regel bei einer Insolvenz. Auch beim Deutschen Fussball Bund sieht man die Entwicklung am Tivoli mit Besorgnis entgegen. „Es ist der klare Wunsch, Lösungen zu finden, damit der Spielbetrieb von Alemannia Aachen in der 3. Liga aufrecht erhalten wird“ so der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott.

 

Was bleibt uns Fans? Nach der Wut, Enttäuschung und Trauer musste man das alles erstmal sacken lassen. Dennoch bleiben viele Fragen offen zurück. Wir werden den bitteren Gang mitgehen, den der Plan von Monig klingt vielversprechend. Man kann sich neu Aufstellen und der Verein hat eine reelle Chance irgendwann wieder dort hin zurückzukehren wo man sich gerne selbst sieht. Und das Schuldenfrei. Allerdings geht ein Neuanfang nur wenn auch neue Leute das Zepter in der Hand nehmen und vom Fach sind. Bedauerlich das der gegenwärtige Aufsichtsrat selbst keine Verfehlungen zugeben will und zurücktritt. Im Gegenteil, man will weitermachen. Das ist angesichts der jahrelangen Fehlplanungen und Entwicklungen nicht tragbar. So schwingt das endgültige Aus auch weiterhin über Alemannia. Denn wenn der Ligabetrieb nicht bis Saisonende aufrecht erhalten werden kann, dann verschwindet Alemannia endgültig von der Fussballkarte Deutschlands. Und diese Gefahr ist nach wie vor real. Der sofortige Abstieg in die unterste Spielklasse und Annullierung der bisherigen Spielwertungen wären die Folge. Es ist kaum vorstellbar was aus einem gut situierten Verein geworden ist. Nach den Glanzzeiten von 2004-2007 (DFB Pokalendspiel Teilnahme, UEFA Cup Teilnahme, Bundesliga Aufstieg) steht man nun vor einem Scherbenhaufen. Der leidgeprüfte Alemannia Fan wird auch das überleben, und irgendwie werden wir die Saison noch zuende bekommen. Die Spiele bis zum Saisonende werden zwar reine Testspiele sein, mit zusammengewürfelte Teams aus der U23 und U19, aber ein Vorteil hätte das ganze dennoch. Die zukünftige Regionalliga Mannschaft könnte sich einspielen und daraus einen nicht unerheblichen Vorteil ziehen wenn der Start in der Regionalliga erfolgt. Ob dann aber noch der Trainer René´van Eck heissen wird bleibt fraglich. Er nahm die heutige Entwicklung mit Humor. „Wir haben doch den besten Job, wir brauchen nur Fussball spielen. Es gibt schlimmeres„. Wie schlimm es sein wird werden wir morgen erleben wenn die Alemannia beim VfB Stuttgart II antritt. Zum Freundschaftsspiel.

 

Danke an Klaus für die zur Verfügung gestellten Fotos!

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  1. Netzschau 3.0 « Stahlwerk

    […] wieder eine Rettung in letzter Minute geben würde, diese Wahrscheinlichkeit lag nahe bei Null. weiterlesen Wer gerne noch mehr solcher Meldungen lesen will ist genau hier […]

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