«

»

Okt 31 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia trennt sich von Geschäftsführer Frithjof Kraemer

 

Wir bedanken uns bei Frithjof Kraemer für seine Arbeit in den letzten Jahren und wünschen ihm alles Gute für seine weitere Zukunft“ (Dr. Meino Heyen, Präsident und Aufsichtsratvorsitzender der Alemannia)

 

Von seinen Aufgaben entbunden – Alemannia Geschäftsführer Frithjof Kraemer

Heute Mittag auf der einberufenen Alemannia Pressekonferenz wurde verkündet das man Geschäftsführer Frithjof Kraemer mit sofortiger Wirkung abberufen habe. Sportdirektor Uwe Scherr wird den Part des alleinigen Geschäftsführers kommissarisch übernehmen, bis eine Nachfolgeregelung gefunden wird. Im Rahmen dieser Pressekonferenz, wo die Alemannia Verantwortlichen Stellung beziehen wollten zur abgewendeten Insolvenz der GmbH, wurden weitere Einzelheiten genannt wie es um die Alemannia nun bestellt ist in der finanziellen Lage. Das gute zuerst, die Insolvenz des Vereins konnte vermieden werden.Zumindest  vorerst! Woher das „frische“ Geld allerdings kommt bleibt weiterhin im dunkeln, mutmaßlich wurde es aus persönlichen Geldmitteln aufgebracht. Aufsichtsrat Mitglied Helmut Kutsch sagte das die betreffende Person nicht genannt werden wollte. Belassen wir es dabei. Trotz das man sich nun Luft verschafft hat wird die mögliche Insolvenz weiterhin über den Verein schweben, das wollte keiner der Verantwortlichen ausschließen. Aber man werde nun an einem Sanierungsplan arbeiten der den Verein wieder auf „gesunde“ Füße stellt. In den kommenden Tagen werden nun die Unterlagen gesichtet, durch einen eigens einberufenen Expertenteam. Erst wenn man alle Zahlen kennt würde man diese öffentlich benennen, spekulieren wollte man zum jetzigen Zeitpunkt nicht. So bleiben die 3,9 Millionen Euro im Raum stehen die man in den letzten Tagen in der Zeitung lesen konnte. Das fehlende Geld liegt zum einen aus der Vorsaison in der zweiten Liga begründet, aber auch in der aktuellen Saison wurde ein hoher Fehlbetrag ausgewiesen.

 

Nun wird man Einsparungen vornehmen müssen die Weh tun werden. Lieb gewonnener Luxus aus der zweiten Liga wird man kappen müssen, das werden einige in den nächsten Tagen zu spüren bekommen. „Katastrophal“ sei die jetzige Lage mit der man nicht gerechnet hat. Dabei muss der Aufsichtsrat um Meino Heyen und seine Mitglieder sich selber an die eigene Nase packen, da man die Kontrollfunktion offensichtlich nicht wahr genommen hat. Auch der Verwaltungsrat muss sich dieser Nachlässigkeit auf ihren Fahnen schreiben. Wenn man Zahlen anfordert und diese nicht bekommt kann man nicht einfach die Hände im Schoß legen und den Geschäftsführer einen lieben guten Mann sein lassen. Dieser liebe gute Mann musste seinen Posten heute räumen, auch wenn dies längst überfällig war. Alemannia Präsident und Aufsichtsrat Boss Meino Heyen hat lange genug seine schützende Hand über ihn gehalten. Nun war er angesichts der negativen Zahlen nicht mehr haltbar und tragbar. Wie auch, wenn der Verantwortliche  in Sachen Finanzen sich nicht erklären kann wohin die „Kohle“ abgewandert ist. Seine Zahlen die er unlängst präsentierte schienen nur auf geschönten Papier existent zu sein. Ein bestelltes Feld wollte er seinen Nachfolger zum Saisonende hinterlassen, dieser darf sich erstmal mit total verbrannter Erde befassen. Ein Nachfolger soll so schnell wie möglich gefunden werden, am besten wird es aber ein guter Nachfolger der Experte auf seinem Feld ist. Aber welcher Experte tut sich so einen Job freiwillig an? Die kommenden Tage und Wochen werden es beweisen.

 

Am 15. Januar 2007 trat Frithjof Kraemer die Nachfolge von Bernd Maas am Tivoli an. Die Herausforderung reizten ihn und das konnte er gleich unter Beweis stellen. Der Tivoli Neubau stand als seine größte Herausforderung an, in deren Folgezeit er schwer dran zu arbeiten hatte. Gelder flossen in Steine und Boden, immer im guten Glauben das die Stadt oder wer auch immer diese Vorleistung begleichen würde. Am Ende blieb man selbst drauf sitzen, und Projekte wie eine Geschäftsstelle, Trainingsparcour und ein Amateurstadion blieben in der Schublade stecken. Mit dem Abstiegen bis hin zur dritten Liga wurde das Finanzloch immer größer, maßgeblich aber brachen die Stadionfinanzen der Alemannia fast das Genick. Mit 6,5 Mio pro Jahr wollte man als mittelmäßiger Zweitligist den eigenen Bau stemmen. Die Fans mahnten damals schon den Husarenritt an, die Vereinsobrigen hingegen fanden das Konzept Steine statt Beine die bessere Lösung. Über Bürgschaften von der Stadt Aachen konnte man sich immer kurzfristig Luft verschaffen. Bis zum diesjährigen Mai, wo alle Zahlen auf dem Tisch kamen bei der Stadt und die Umfinanzierung der Stadionfinanzen eingetütet wurde. Alemannia sollte nun genug Luft haben um in der dritten Liga zu überleben. Die Belastungen gingen zurück, der Dauerkartenverkauf schoss angesichts der Euphoriewelle in die Höhe. Das ausverkaufte Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach und den höchsten Zuschauerschnitt in der dritten Liga sollten eigentlich beruhigend sein. Doch alles kam anders, die bitteren Wahrheiten brachen dann auch Frithjof Kraemer das Genick. Schon lange bei den Fans und einigen Sponsoren zur „Personona non granda“ verkommen kündigte er am 22. September seinen Rückzug an. Aufsichtsrat Boss Heyen hingegen bewegte ihn zum Verbleib bis Saisonende, so das man gemeinsam den Verein verlassen und übergeben würde. Nun kam alles ganz anders und Kraemer musste früher gehen. Ob er nun gefeuert oder beurlaubt ist wollte niemand abschließend klären aufgrund arbeitsrechtlicher Schritte. Seine letzten Worten waren, ehe er den Tivoli verließ, ein knappes Tschö.