Okt 29 2012

Alemannia – Alles wird gut?! Finanziell gerettet? – Sportlich unten!

 

Das eigentliche Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden war nebensächlich geworden. Das Thema Insolvenz kreiste seit Tagen in Aachen und um den Tivoli herum. Die Zahlen von 2,4 Millionen Euro die fehlen addierte sich im laufe der Woche hoch bis 4,1 Millionen. Die eingereichten Unterlagen, die bis zum Freitag der Stadt Aachen vorgelegt sein mussten, belegten zumindest das eine Summe von 1,5 Millionen fehlen ohne jeden Nachweis. Diesen Betrag konnte sich selbst unser Geschäftsführer Frithjof Kraemer nicht erklären. Sein Vertrauen ist nun auf Null gesunken, bei den Fans und Sponsoren schon lange unten durch und auch bei der Stadt Aachen in Sachen Umfinanzierung sprach man lieber „über“ statt mit ihm“. Nun drohte bei den aktuellen Zahlenlage am Montag die Insolenz, denn Alemannia verfügt über keine finanziellen Mittel mehr. Sollte sich bis dahin nichts auftun würde das Spiel gegen Wehen Wiesbaden das letzte sein was man auf dem Tivoli zu sehen bekommen würde.

 

So ging man dann auch hin am Samstag Mittag, in dem Bewusstsein das man heute das letzte Spiel der Alemannia sieht. Auf dem Vorplatz vor dem Eingang zum Alemannia Fan Shop und Klömpschenklub war schon das erste Protestbanner aufgezogen. Im Stadionumlauf war an jeder Ecke genau dieses „letzte Spiel“ das Hauptthema an den Kiosken und Tischen. Man traf sich nochmal mit alten Freunden und verabredete sich schon „nach der Alemannia Ära“, damit diese Kontakte nicht auseinanderfielen. Im Stadion selber hört man dann aber von Stadionsprecher Robert Moonen „alles wird gut“. Auf der Anzeige Tafel wurden neue Statisken präsentiert, die man nun in jedem Heimspiel präsentiert bekommen sollte, ebenfalls wurde schon das kommende Heimspiel gegen den FC Halle angekündigt. Alles normal, alles routiniert wie immer. Dann betrat unser Aufsichtrat den grünen Rasen und neben dem ausrollen der Protesttransparente (u.a. Tschö Meino, Tschö Kraemer) ging ein lautes Pfeifkonzert los. Mit ernstem Gesicht standen sie da unten, die Aufsichtsräte Meino Heyen, Helmut Kutsch, Dr. Christoph Terbrack und Michael Nobis. Einer der „Hauptverantworltichen“ fehlte allerdings, Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Dieser soll bereits inoffziell von allen Aufgaben entbunden sein und nach Abschluss der Aufarbeitung offiziell verabschiedet werden. Aufsichtsrat Chef und Alemannia Präsident Meino Heyen verlas sogleich eine Erklärung: „Es wurden Fehler gemacht, schwerwiegende Fehler“. Es werde eine lückenlose Aufklärung geben, und personelle Konsequenzen würden zeitnah erfolgen. Frisches Geld sei da und heute wäre nicht das letzte Alemannia Heimspiel, so unser „Chef“. Für die Fans hat neben dem Versagen von dem Geschäftsführer Finanzen Frithjof Kraemer auch die anderen Mitglieder des Aufsichtsrates die Schuld. Anscheinend fand keinerlei Kontrolle statt, man lies sich stets abspeisen mit fehlenden Unterlagen oder bei der Benennung des Verwendungszweck für die Gelder. Aber man will „das meutende Volk“ zeitnah Informieren wie sich diese Fehlsumme zugetragen haben konnte. Es blieb aber erstaunlicherweise ruhig im Stadion, es flog zwar ein Böller auf dem Rasen aber sonst hörte man nur während des Spiels Protestrufe. Das hat der Tivoli schon ganz anders erlebt. Zur Halbzeit wanderte dann ein „wahrlicher Totengräber“ auf den Tribünen herum (N6). Passend zur allgemeinen Stimmung die man nicht richtig deuten konnte. Woher kam das „frische Geld“ und wie viel war es? Gerüchte rund um den Tivoli kolportierten das die Handelskette REWE sich die Namensrechte am Tivoli gesichert hätte. Nach Informationen von einem REWE Sprecher ist man nicht derjenige, der frisches Geld auf dem Tisch gelegt hat. Somit ist dieses Gerücht aus der Welt das man sich die Namensrechte gesichert hat.

 

 

Nach dem Spiel zogen die Fans dann direkt hinten das Stadion zur Geschäftsstelle. Dort empfing sie allerdings eine stattliche Anzahl der Polizei Hundertschaft. Aus Warnhinweisen (Platzstürmung, Stürmung der Geschäftstelle) wurden Extraeinheiten aus Köln und Wuppertal nach Aachen beordert zur Unterstützung einer möglichen Konfrontation. Das ganze hatte schon so etwas wie ein kleiner G8 Gipfel, Kampfausrüstung bei der Polizei nur die Schutzschilde fehlten. Vereinzelt kam es tatsächlich zur kleineren Handgreiflichkeiten im Gemenge, aber es blieb trotz der explosiven Stimmungslage erstaunlich „ruhig“. Allerdings machten die Fans lautstark auf sich Aufmerksam und forderten weitere Erklärungen von den Verantwortlichen. Nach einiger Zeit trauten sich dann Stadionsprecher Robert Moonen und Aufsichtsrat Mitglied Helmut Kutsch heraus und „stellten“ sich den Fans. Emotional wurde diskutiert und beschwichtigt, viele Fragen bekamen keine schlüssige Antwort. Die Aufklärung der fehlenden Gelder wäre oberste Priorität, aber noch wichtiger wäre es das aktuelle drohende Unheil abzuwenden. So verlief nach einer Stunde der Protest friedlich auseinander, beruhigt war man keineswegs um den fehlenden Antworten. Währendessen gab Alemannia Aufsichtsrat Chef Meino Heyen eine Presseerklärung:

Die letzten Stunden und Tage waren sehr nervenaufreibend. Allerdings muss ich festhalten, dass es hier bei der Alemannia seit meinem ersten Tag an aufregend und manchmal auch turbulent zugeht. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Finanzen ständig Thema am Tivoli sind. Wir waren am 1. Juni in einer wie wir dachten aussichtsreichen und komfortablen Situation: Die Refinanzierung lag hinter uns, und wir sind mit dem Glauben in die Saison gegangen, dass es auf dieser Basis funktionieren wird. Dass uns zum jetzigen Zeitpunkt erneut Geld fehlt, ist eine Katastrophe. Es wurden mit Sicherheit Fehler gemacht, das ist nicht von der Hand zu weisen. Wir werden diese Situation in Ruhe analysieren, die Gründe dafür schonungslos aufdecken und Konsequenzen daraus ziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Achja, Fussball gespielt wurde auch noch. Zumindest bemühten sich beide Mannschaften darum dies zu tun. Um es kurz zu machen, es war ein schöner Nachmittagskick unter den aktuellen Geschehnissen. Auf niedrigen spielerischen Niveau brachten beide Teams nicht viel zu stande, unser Torwart Michael Melke musste ganze einmal beherzt eingreifen. Marcel Heller hatte auf der anderen Seite die Chance zum 1:0, sein Schuss ging aber weit über statt ins das Tor. Respekt an die mitgereisten Wiesbadener Fans, die kurz vor dem Anpfiff ein Transparent hochhielten „Alemannia retten“. So etwas vom „Gegner“ ist balsam auf die geschundene Alemannia Seele in diesen Tagen. Auch in der zweiten Halbzeit passierte kaum was aufregendes. Alemannia schluderte mit ihren Chancen und ließ den Gegner immer schön bis in den eigenen Strafraum laufen ehe man dann doch beherzt Eingriff. Kapitän Albert Streit hatte da noch die größte Chance als er den Ball knapp am langen Pfosten vorbeizirkelte. Der Gast aus Wiesbaden wartete geduldig und wurde schließlich belohnt, als man wieder nur zuschaute und nicht beherzt in den Zweikampf ging. Satter Schuss ins lange Eck, und schon stand es 0:1 für Wehen Wiesbaden. Das Strickmuster der Gästeteams ist immer das gleiche, und es funktioniert jedesmal erfolgreich egal wie der Gegner heisst. Alemannia riss sich aber zusammen und kam zehm Minuten vor Spielende tatsächlich zum Ausgleich, im Gewühl reagierte Kai Schwertfeger am schnellsten und bugsierte den Ball am Keeper vorbei zum 1:1. Sein erster Saisontreffer im Alemannia Trikot. Nun wurde es tatsächlich etwas munterer auf dem Rasen, und in der Nachspielzeit hatte Alemannia die große Chance doch noch drei Punkte einzuheimsen. Aber am langen Pfosten kam Freddy Borg eine Fußlänge zu spät. Bitterer Nachgeschmack sind beiden schwerden Verletzungen von Thomas Stehle und Denis Pozder, die beide jeweils mit dem Gästekeeper zusammenstießen. Thomas Stehle hat einen Bruch in der Elle und wird bereits am heutigen Montag operiert. Denis Pozder zog sich eine Knieverletzung zu, heute wird sich rausstellen wie schwerwiegend diese ist. Jedenfalls werden beide einige Wochen fehlen und die Mannschaft zusätzlich schwächen. Keine gute Tage für die Alemannia die weiterhin auf Platz 14 dümpelt.