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Okt 23 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia sportlich unten, finanziell am Ende?

Der Fleiß des tüchtigen wird leider nicht immer belohnt. Dies mussten unsere schwarzgelben am Samstag in Rostock bitter feststellen. Trotz 80minütiger Unterzahl war man das bessere Team mit den besseren Chancen. Doch ein Fauxpas reichte aus um sich das Gegentor zu fangen. Diesmal patzte Keeper Michael Melka der einfach ein Schritt zu spät war. Die Hansa Kogge brachte nur selten kreatives zustande und konnte sich am Ende mehr als glücklich schätzen das Alemannia zu fahrlässig mit ihren Chancen umging. Selbst brauchte man nur eine einzige, und die nutzte man direkt aus. So siegte der erfolgreichere und nicht der tüchtige. Für Timmy Thiele indes war nach 10 Minuten die Partie bereits beendet. Nachdem er der Ball nicht „verarbeiten“ konnte langte er zu ordentlich hin im Nachsetzten. Schiedsrichter Graefe zeigte sofort rot, eine vielleicht zu harte Entscheidung in der Frühphase des Spiels. Alemannia Coach René van Eck jedenfalls wird seinen Jungprofi nun im Absitzen der Sperre zur U23 beordern. Schon seit längerem gefällt ihm die Einstellung Thiele´s nicht mehr, so das er ihm nun „verwarnt“ und ihm folgendes auf dem Weg mitgibt. „Wenn sich die Einstellung nicht langsam ändert wird er ewig ein Talent bleiben“. Bei Oguzhan Kefkir wirkten diese Worte vor einigen Wochen auch für Wunder, er hat seine Lektion gelernt. Nun muss Timmy dieses auch noch lernen.

 

Bei der Hansa Kogge gab es wieder mal nichts zu holen. Nachdem Kapitän Albert Streit erneut passen musste mit seiner Fersenverletzung, sollte Timmy Thiele den Part des 10er übernehmen. Hansa Rostock wollte nach seinem 0:3 Heimdebakel gegen den VfL Osnabrück im letzten Heimspiel vieles besser machen. Das taten sie auch 10 Minuten lang, forsche Angriffe und das reklamieren eines Elfmeters, nachdem Thomas Stehle im Strafraum etwas rustikal zu Werke ging. Doch der Elfmeterpfiff blieb aus. Alemannia hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz sortiert da bekam Timmy Thiele den Ball und konnte ihn nicht so ganz unter Kontrolle bringen. Nachdem er mit gestreckten Bein nachsetzte zeigte Schiri Graefe sofort die Rote Karte. Nun hieß es 80 Minuten lang in Unterzahl zu ackern, keine leichte Aufgabe für unsere schwarzgelben. Doch die Fußball Weisheit bewahrheitete sich wieder einmal das die Mannschaft in Unterzahl zur Höchstform aufläuft. Alemannia kam immer besser ins Spiel und erarbeitete sich Chancen die eigentlich in einer Führung umgemünzt werden musste. Die Hansa Kogge bekam dagegen nur noch selten etwas zustande, meist hielten lange Bälle nach vorne die Angriffsbemühungen hoch. Kurz vor der Halbzeit allerdings erlaubte man sich in den Reihen unserer schwarzgelben wieder einen Lapsus. Diesmal aber von unserem Keeper Michael Melka, der einen langen Ball nach vorne im Strafraum wegboxen wollte, und zu spät kam. Rostocks Smetana sagte „Danke“ und köpfte den Ball per Bogenlampe ins Tor zum 1:0. Da guckten unsere Alemannen wieder mal schön blöd aus der Wäsche.

 

In der zweiten Halbzeit stemmte man sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Doch die besten Chancen konnten weiterhin nicht genutzt werden. Hansa blieb sich treu und konnte mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit nichts anfangen. Lange Bälle nach vorne, hohe Bälle nach vorne, dieses stellte unsere Abwehr vor keiner großen Herausforderung. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit wann endlich das 1:1 fallen würde. Aber die Spielminuten verrinnen und die Chancen ebenfalls. Kurz vor Schluss sorgte der eingewechselte, und Ex-Rostocker Freddy Borg für das 1:1 per Kopf. Doch der Linienrichter entschied auf Abseits, was sehr fragwürdig war in Anbetracht gleicher Höhe. Doch das lamentieren nutzte nichts, nach 90 Minuten stand man wieder einmal mit leeren Händen da. Alemannia ist eben immer gut für einen Fauxpas hinten und totale Harmlosigkeit vorne. Es gibt nur selten jemanden der die Pille einfach mal in die Maschen drischt.

 

Unterdessen gerät nicht nur der sportliche Absturz in den Fokus. Auch die finanzielle Situation bei der Alemannia ist desaströs. Die Aachener Zeitung berichtete vor einigen Tagen dass ca. 800.000 Euro aus der Vorsaison aktuell fehlen. Begründet wurde dies von unserem Geschäftsführer Fritjof Kraemer, der sich nun schon monatelang der Kritik ausgesetzt sieht das man sich Zahlen einfach schönrechnet, mit den fehlenden TV Geldern aus der zweiten Liga. Daneben tat sich nun in dieser Saison ein neues „Loch“ auf von mehreren 100.000 Euro die aktuell fehlen. Heute konnte man in der Aachener Zeitung lesen dass sich der Schuldenstand auf akut 2 Mio Euro befindet! Bei der Stadt Aachen, die maßgeblich vor einem halben Jahr dazu beitrug das die Stadion Umfinanzierung gelang und Alemannia finanziell wieder auf halbwegs gesunde Beine gestellt wurde, ist das ein Schlag ins Gesicht. Dort ist man momentan „not amused“ über das neuerliche Finanzloch und fühlt sich ent- und getäuscht.

 

Damals sollten alle Fakten auf dem Tisch wie es um die Finanzlage der Alemannia bestellt war, damit man sie nun so aufstellen konnte das man mehrere Jahre Ruhe hat. Zuvor taumelte die Alemannia immer am Rande der Insolvenz mit ihrem millionenschweren Stadionneubau das so in dieser Form nicht finanzierbar war. Nur die wirklich gutgläubigsten Menschen glauben daran das diese „Fehleinnahmen“ aus den TV Geldern der vergangenen Saison nicht schon vorher wissentlich bekannt waren. In diesem Falle hätte ein Worst-Case ausgereicht um dieses mit zu berücksichtigen. Unlängst bemerkte unser Geschäftsführer für Finanzen Fritjof Kraemer, das er seinem Nachfolger im kommenden Jahr ein bestelltes Feld hinterlässt. Wenn man sich die aktuellen Zahlen anschaut muss das ein Schlag in jedes Gesicht sein das sich Alemannia Fan, Sponsor, und Gönner schimpft. Hier wurde anscheinend wieder getrickst, getäuscht und gelogen das sich die Finanzbalken biegen. Und unser Aufsichtsrat Vorsitzender Meino Heyen schaut dem Treiben tatenlos zu und hält noch Lobreden auf unser Finanzgenie. Da Alemannia immer noch im Rückstand mit Verbindlichkeiten ist wird die Frage sein wie lange unsere Alemannia noch Leben kann bzw. wer sie noch am Leben halten wird. Das Vertrauen der Stadt Aachen und einigen Sponsoren dürfte mittlerweile gegen Null tendieren. Die erste Maßnahme wäre das unser Finanzgenie samt Aufsichtsrat zurücktritt, und so den Weg frei macht für Leute die Alemannia wieder ins ruhige Fahrwasser bringen und Vertrauen erzeugen in ihrem Handeln. Alles andere wird keinen Sinn machen und unweigerlich zum Untergang der Alemannia führen. Der Geduldsfaden steht sportlich und finanziell kurz vor dem Zerreißen. Wenn man bedenkt mit welcher Euphorie die Alemannia gestartet ist nach dem Abstieg, mit 8500 verkauften Dauerkarten, einer Mannschaft die Lust auf mehr machte, einen Zuschauerzuspruch der in der dritten Liga seines gleichen sucht. Und wenn man bedenkt was in wenigen Monaten daraus geworden ist….ein Desaster auf allen Ebenen.