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Sep 26 2012

Kartoffelkaefer

Cleverness siegt über Gutgläubigkeit – Alemannia nun ganz unten

Es hätte eigentlich nur einen Sieger geben können am Dienstagabend. Die seit sechs Spielen sieglosen Alemannen gegen die Überflieger aus Preußen Münster. Diese kamen mit breiter Brust zum Tivoli, nachdem man im Nachbarschaftsduell Tabellenführer Arminia Bielefeld mit glatt 4:0 nach Hause schickte. Währenddessen holperte sich Alemannia in Babelsberg zu einer weiteren Niederlage. Die Voraussetzungen waren klar, aber die neu zusammengewürfelte Alemannia zeigte Biss und hielt die Preußen in der Halbzeit in Schach. Nichts zusehen von dem Tabellenzweiten, wo man sich Fragen musste wie diese noch am Wochenende einen so glatten Sieg landen konnte gegen Bielefeld. Aber trotz Führung reichten zwei Situationen aus, mit gütiger Mithilfe des Schiedsrichters, um am Ende mit leeren Händen dazustehen. Zuerst patzte Keeper Tim Krumpen, der den vor dem Tor gezogenen Ball am langen Pfosten nur hinterher sah statt einzugreifen, dann entschied der Schiedsrichter nach einem klaren Foulspiel an Florian Müller auf Weiterspielen und Münster sagte jubelnd Danke zum 1:2. Am Ende wurde es hektisch, Thomas Stehle wurde vom Gästekeeper umgeboxt im Strafraum, die Pfeife (des Schiedsrichters) schwieg. Nun war es kein Fußball Leckerbissen von beiden Seiten, aber im Gegensatz zu den bisherigen Auftritten der Alemannia war schon mal eine gravierende Verbesserung zu sehen. Ohne den gesperrten Kapitän Albert Streit übernahmen tatsächlich andere Spieler die Verantwortung auf dem Feld. Besonders Christian Weber, Oguzhan Kefkir und Timo Brauer fielen ins Auge.

 

Alemannia Coach René van Eck musste aufgrund der Langzeitverletzten Spieler Aimen Demai, Sascha Rösler und Timmy Thiele auch kurzfristig auf Kristoffer Andersen (Adduktorenprobleme) verzichten neben den gesperrten Spielern Albert Streit und Marcel Heller. Die neu taktisch eingestellte Mannschaft machte auch gleich einen guten Eindruck und beackerte die Preußen frühzeitig. Vor allem Oguzhan Kefkir, der nach seiner Verbannung in die U23 wieder in der Startelf stand, scheint seine Lektion gelernt zu haben. Obwohl das Spiel größtenteils auf mäßigem Niveau stattfand war von den favorisierten Münsteranern nicht viel zu sehen. Sie hatten enorme Probleme im Spielaufbau, und Bälle nach vorne waren leichte Beute für die Alemannia Abwehr. Das neue Mittelfeld um Timo Brauer, der auf die Albert Streit Position spielte, forcierte die Angriffe Richtung Preußen Tor. Vorne im Sturm zeigte Denis Pozder warum er momentan der bessere agile Stürmer ist, stark bei den Kopfbällen im Kampf um den Ball, sichere Ballmitnahme und den Mut auch mal einfach draufzuhalten auf das Tor. Seine erste Szene war schon im Strafraum mit einem Drehschuss, der knapp am langen Pfosten vorbei ging. Weitere gute Gelegenheiten wurden erarbeitet, aber die 100% Torchance blieb aus. Trotzdem wusste Alemannia zu gefallen mit ihrem Pressing, aus dem die Preußen erst nach 20 Minuten kurzzeitig herauskamen. Wie das so ist, fühlt man sich zu sicher bekommt der Gegner auch gleich die gute Gelegenheit, doch Preußen´s Nazarov schoss erst vorbei und konnte kurz danach gerade noch von Mario Erb gestoppt werden. Mit einem 0:0 ging es in die Pause.

 

Nach dem Seitenwechsel machte die Alemannia weiter, so wie sie aufgehört hat. Mit Druckvollen Nachsetzen brachte man die Münsteraner immer wieder in Verlegenheit im Spielaufbau. Ein eigentlich ungefährlicher Ball, der Abwehrspieler verließ sich auf dem Keeper und umgekehrt, sollte die ersehnte Führung bringen. Nachdem beide Preußen sich nicht einig waren spitzelte Oguzhan Kefkir den Ball zu Denis Pozder der aus 16m das leere Tor traf zum 1:0. Nun wollte man nachlegen aber die Preußen schalteten nun einen Gang höher und zeigten warum sie zu recht ganz weit oben stehen. Trotzdem probierten sie es erst mit untauglichen Mitteln ehe der Schiedsrichter, der in Folge immer schlechter wurde, einen verwunderlichen Freistoß zugunsten des Gastes gab. Das hatte Folgen, denn der nah am Tor gezogene Ball wurde nicht geklärt, unser Keeper blieb auf der Linie kleben. Am langen Pfosten stand dann auch Preußen´s Tayler zu frei und köpfte aus spitzem Winkel vorbei an Tim Krumpen zum 1:1. Da war er wieder, der schwere Patzer. Alemannia ließ aber den Kopf nicht hängen, weiter suchte man sein Heil in der Vorwärtsbewegung. Das taten nun auch die Münsteraner die nun besser im Spiel waren. Die nächste Chance wäre fast das 1:2 gewesen, die Querlatte rettete Alemannia zum Glück. Wieder war die Defensive zu weit weg vom Gegner, man ließ nun dem Gast mehr Raum. Als die schwarzgelben wieder das Heft in der Hand nehmen wollten kam Schiedsrichter Martin Thomsen ins Spiel. Nachdem er mehr als kleinkariert gegen beide Seiten gepfiffen hatte, blieb nun die Pfeife (des Schiedsrichters) stumm. Florian Müller wollte an der Torauslinie den Ball absichern als er rüde von hinten umgerempelt wurde. Ein Foul, dachten wohl die meisten auf dem Platz und auf der Tribüne. Die Preußen erfassten die Situation schneller, ein Pass vor dem Tor und Taylor sagte wieder Danke während die Alemannen sich fassungslos anschauten. Münster hatte das Spiel gedreht, und Alemannia stand wieder mal mit der Eselsmütze und leeren Händen da. Dennoch kämpften sie weiter und wollten zumindest das 2:2, in den letzten Minuten ging es auf beiden Seiten hoch her. Während die Münsteraner Spieler über kurz oder lang am Boden den Heldentod starben, und direkt wieder auf die Füße waren bei ausbleibenden Pfiff, versuchten unsere schwarzgelben die kleine Brechstange auszupacken. Thomas Stehle wurde im Eifer des Strafraumgefechts auch vom Keeper um geboxt, ein Elfmeterpfiff blieb aber auch hier versagt. Die Minuten rannen langsam aber sich weg, und es sollte für die letzte Minute noch Freddy Borg, neben Seyi Olajengbesi, als Brecher im Sturm gebracht werden. Doch leider war wieder irgendwas mit dem Schweissband nicht in Ordnung, so das er verspätet auf dem Platz konnte. Gebracht hat es nichts mehr, am Ende jubelten die Preußen über die Tabellenführung, und Alemannia konnte nur den aufmunternden Beifall entgegennehmen.

 

Unterm Strich steht man nun nicht nur in der Tabelle, trotz enormen Aufwandes kam wieder kein Ertrag aus. Passend dazu das es nun zum Aufsteiger Chemnitzer FC geht, die erst ein Heimspiel verloren haben. Hoffentlich zeigen die Alemannen genauso viel Biss, dann sollten endlich mal die 3 Punkte eingesackt werden. Ob dann auch Neuzugang Norikazu Murakami mit von der Partie sein wird? Der 30-jährige unterschrieb einen Vertrag bis Saisonende und kann sowohl im offensiven Mittelfeld wie auch auf dem linken Flügel zum Einsatz kommen. Nebenbei trainieren aktuell zwei Gastspieler auf dem Tivoli, die sich für einen Platz im Sturm bewerben. Henrich Bencik (32 Jahre), zuletzt beim VfL Osnabrück und Cecilio Lopes (34 Jahre), für Heerenveen, Volendam, Sparta Rotterdam und dem FC Zwolle unterwegs, haben nun bis zum Wochenende Zeit ihre Bewerbung abzugeben. Letzterer kommt mit einer Empfehlung von 90 Toren in den beiden ersten niederländischen Ligen. Sicherlich sind die Spieler keine Zukunftspieler für die Alemannia, aber aktuell in dieser Saison können sie mehr als helfen dass vorne wieder Tore generiert werden. Hoffentlich beweist Sportdirektor Uwe Scherr mit diesen Spielern ein bisschen mehr glückliches Händchen.

 

Alemannia Aachen:
Krumpen, Baumgärtel, Schwertfeger, Erb, Stehle, Olajengbesi, Brauer, Kefkir, Müller, Weber, Pozder (89. Borg)
 
 Tore:
1:0 Pozder (48.), 1:1 Taylor (65.), 1:2 Taylor (84.)
 
 Zuschauer: 12.206