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Sep 05 2012

Kartoffelkaefer

Klare Worte von Uwe Scherr beim IG-Fan Treff

Alemannia Sportdirektor Uwe Scherr stellte sich den Fragen

Alemannia Sportdirektor Uwe Scherr war gestern Abend Gastgeber bei der Alemannia Fan IG. Einen Tag nachdem er die sportliche Leitung um Trainer Ralf Aussem, Michael Burlet und Hans Spilmann beurlaubt hatte, stellte er sich den Fans mit Rede und Antwort. Themen gab es reichlich zu diskutieren wie die aktuelle sportliche Situation, die Perspektive der Mannschaft und die Grabenkämpfe innerhalb und außerhalb der Alemannia. Pünktlich um 19 Uhr kam er an im Werner-Fuchs-Haus der schon proppevoll war. Knapp 100 Alemannia Fans waren zugegen, zuviel für das Werner-Fuchs-Haus. Aufgrund des guten Wetters verlagerte Uwe Scherr das ganze nach draussen, damit auch wirklich jeder an der Diskussionsrunde teilhaben konnte. Zuerst wurde unser Sportdirektor kritisch empfangen, zu frisch waren die zurückliegenden Ereignisse des Montags. Uwe Scherr machte in seiner Eröffnungsrede schnell klar das er hierher gekommen ist um die brennenden Fragen zu beantworten, und man könnte ihm auch alles um die Ohren werfen. Damit das ganze dann doch in einem gewissen Rahmen blieb, moderierte Alemannia IG Fan Vorstand „Didi“ Lübbers die Diskussionrunde.

 

Auch Ex-Alemannia Präsdient Horst Heinrichs war anwesend

Die ersten brennenden Fragen waren natürlich die Gründe der Entlassung des Trainer Teams, und Uwe Scherr ging schon hier „in die Vollen“. Das er mit der sportlichen Entwicklung unzufrieden sei war ein Punkt. Ein anderer Punkt, der wesentlich gravierender war, das es innerhalb des Trainer Teams nicht mehr gestimmt hat. Konkret wollte er dazu nichts weiter sagen erstmal, denn Internas würde er nicht ausplaudern wollen. Trotzdem war nun das allgemeine Interesse geweckt und die Nachfragen zahlreich. Wieso musste der Torwart Trainer gehen, der ja in Sachen Taktik und Fitness nicht Verantwortlich ist bei den Spielern und sich rein um die Torhüter kümmert. Uwe Scherr´s Anwort: „Das war der gefährlichste“. Um dann weiter auszuführen das der Torwart Trainer nicht alle Torhüter gleich behandelt hat. Und dies konnte man nicht länger akzeptieren. Über Ralf Aussem wollte Uwe Scherr auch kein böses Wort verlieren, aber von der sportlichen Seite her hat es nicht mehr gepasst. Und für die sportliche Seite wäre er (Uwe Scherr) verantwortlich. 10 Punkte aus 8 Spielen war eindeutig zu wenig, und drei Spiele wurden nur mit viel Glück in ein Unendschieden oder Sieg gedreht. Würde man diese Punkte noch abziehen wäre man Vorletzter in der Tabelle. Weiter führte Uwe Scherr aus das es nicht sein Anspruch ist, und der Anspruch Alemannias, das man sich mit Vereinen wie Wacker Burghausen, RW Erfurt und Dortmund II messen muss. In den vergangenen acht Spielen war nur der Karlsruher SC als Top Verein der Gegner, und auch dort sah man nicht gut aus. Die Spielweise die der KSC zeigte war genau das was Uwe Scherr bei der Alemannia sehen wollte. Und in den letzten Wochen hat sich die Mannschaft immer weiter zurückentwickelt, genau ins Gegenteil dessen was man eigentlich erwartet hat. Er verstand es übrigens gut auf die Fragen gezielt zu Antworten und brachte mit Rückfragen die Argumentationskette zum schweigen. Als ein Fan fragte wieso der Trainer gehen muss wenn die Mannschaft nicht die Leistung auf dem Platz bringt fragte er zurück: „Bist du zufrieden mit den bisherigen Spielen und der gezeigten Leistung? Wieso richten wir uns nach dem Gegner statt unsere eigenen Stärken hervorzuheben? Warum spielt ein Freddy Borg mehr im Mittelfeld als vorne im Strafraum, wo er dazu da ist Tore zu erzielen?“. Auf diesen Fragen gab es keine schlüssige Antwort die das widerlegen konnte. Auch fragte Uwe Scherr in die Runde ob beim DFB-Pokalspiel irgend jemand geglaubt hätte das wir in den 90 Minuten das Spiel gewinnen würden. Wenn man so defensiv spielt kann man das Spiel nicht gewinnen. Um eine Pokalsensation zu erreichen hätte man mindestens 100% bringen müssen, und alles in die Offensive investieren müssen. So aber war für Uwe Scherr schon früh klar das man gegen Gladbach nicht weiterkommen würde. Alle diese kleinen Bausteine waren mit der Grund der Entlassung, da der Anspruch von Alemannia ein anderer sein müsste. Vereine wie Wacker Burghausen oder RW Erfurt, die teilweise sogar besser waren als Alemannia im eigenen Stadion, müsse man in den ersten 15 Minuten so beackern das die wüssten was Sache ist. Und am besten würde man diese auch aus dem Stadion schiessen. Stattdessen zeigten mittlerweile gestandende Zweitligaspieler mit Erstliga Erfahrung das sie nicht mehr in der Lage sind einen 10m Pass zu spielen. Die Mannschaft ist durch die ständigen Rückstände und nachlaufens der Tore total verunsichert. Er führe viele Einzelgespräche mit den Spielern, deren Qualitäten weiter im Verborgenen bleiben. So konnte es nicht weitergehen.
Puh, das war eine ganze Menge. Und als normaler Fan hat man nichts von alldem mitbekommen wie es hinter den Kulissen gelaufen ist. Uwe Schwerr sagte noch das man immer wieder Hinweise gegeben hat, auch im Training. Aber diese blieben ungehört und nun war es Zeit zu handeln.

 

Alemannia Chef Scout Hermann Grümmer lauschte ebenfalls den Worten

Weiter ging es um die angeschnitten Themen Fan-Randale und die Kämpfe innerhalb der Gremien. Auch hier sah Uwe Scherr die Alarmglocken schrillen. Bei soviel Unruhe im Verein ist es nur eine Frage der Zeit wann die Alemannia vollendends gegen die Wand gefahren wird. Er würde dies bei den Leuten immer monieren und ist für die direkte Ansprache und offenen Worte. Das ist einerseits sehr löblich, aber andererseits ist es ein gefährliches Spiel für ihn über seine direkten Vorgesetzten öffentlich zu reden. So monierte er das es bereits zahlreiche Kandidaten gibt die sich um die Nachfolge von Alemannia Präsident und Aufsichtsratvorsitzenden Meino Heyen scharren. Er befürchtet das dies mit fortschreitender Dauer zur einer Schlammschlacht entwickeln könnte. Und dies sei kein gutes Zeichen für einen Verein und bei allen sollten die Alarmglocken schrillen. Die persönlichen Eitelkeiten auf den Ebenen der Gremien sind nicht gut für den Verein. Zu der Fan Problematik bot er sich an als Vermittler, denn nur durch gemeinsames Reden könnte man etwas bewegen und die Fans wieder zusammen an einem Tisch bekommen. Leider ist eine Fangruppe dazu (noch) nicht bereit, aber dann müssten eben andere Wege beschritten werden. Auch mit der zuständigen Ansprechpartnerin Kristina Walther vom Fan Projekt Aachen gab es bislang noch keinen Kontakt. Aber darauf legt Uwe Schwerr auch keinen Wert, er will wenn es sein muss das ganze selbst in die Hand nehmen. Aber vordergründig bleibt das die Fangruppen sich selbst bereinigen müssen, für Rechtsradikallismus sei bei Alemannia kein Platz, da würde er keine Kompromisse machen. Er gab den Fans teilweise recht die davon sprachen das in der Presse alle über einen Kamm geschert würden, denn sowohl die eine wie auch die andere Seite der Fangruppen hat sich nicht gerade zum Wohle des Vereins verhalten (um es mal so auszudrücken). Während die einen bestraft würden könnten die anderen im Schutze des Vereins weiterhin agieren. Aber auch wenn Uwe Scherr dazu Verständnis hatte, er ist sicherlich der falsche Mann dafür und das ganze außerhalb seiner Kompetenz. Aber er werde sein nötiges tun um wieder Ruhe reinzubekommen.

 

Nun ging es weiter mit der Nachfolge von Ralf Aussem und wer denn der geeigneteste Kandidat sein würde. Uwe Scherr berichtete das er 150 Bewerbungen auf dem Tisch liegen hätte, unter anderem auch von Wolfgang Wolff (ebenfalls Montag bei Hansa Rostock entlassen). Diese Bewerbung kam allerdings per Email und er wüsste nicht ob das auch von Beratern so lanciert würde. Eine Hoffnung machte er ihm jedenfalls nicht. Das war zu erwarten bei seiner Vergangenheit, denn als damaliger Nürnberg Trainer trug er mit dazu bei das es das erste Geisterspiel in der Bundesliga gab. Auch der seit drei Tagen in Aachen einquartierte Lothar Matthäus sei keine Option, er wäre halt eben zufällig gerade da. Ein Fan sprach sich für Stefan Emmerling aus, der vor einigen Jahren die Alemannia U23 trainierte und zuletzt bei RW Erfurt entlassen wurde, und erwähnte das dieser das Alemannia Umfeld bestens kennen würde. Uwe Scherr reagierte mit zwinkernden Auge und sagte das er dies anhand von drei SMS bereits wüsste. Aber er sucht einen Trainer der zeigt das er auf dem Platz einen Plan hat, es solle ein erfahrener Trainer sein der die Ligen kennt und die Vorstellungen von Uwe Scherr umsetzt. Im Anschluss an dem Fan Treff hätte er bereits einen telefonischen Kontakt zu einem potenziellen Kandidaten. Um wen es sich handelt wollte er natürlich nicht sagen. Auch hat er sich bei verschiedenen etablierten Trainern informiert was sie von jener Person, die er im Auge hat, halten würde. Einen Jürgen Klopp oder Tuchel würde man jedenfalls nicht bekommen zur Zeit. Da Uwe Scherr einen Trainerlizenz besitzt war natürlich das Gemunkel groß, und irgendwann ließ ein Fan sich dann hinreissen und fragte ihn direkt warum nicht er selbst das Traineramt übernehmen würde. Dann könnte er seine Vorstellung direkt in die Tat umsetzen. Uwe Scherr lachte verschmitzt, diese Frage hatte er wohl erwartet. Aber er sagte das er als Sportmanager eingestellt worden sei und dies auch bleiben will. Aber sollte sich kein Trainer finden, das er aber direkt ausschloss da der Name Alemannia immer noch Hoch im Kurs sei in der Branche, würde er es notgedrungen machen. Aber diese Option schloss er aus, wenn auch nicht kategorisch. Der neue Trainer, wer immer es sein möge, muss erfolgreich sein. Alemannia hat zuviel Potenzial um es in der dritten Liga zu verschwenden, und dazu sein Einigkeit auf allen Ebenen nötig. Denn die Vergangenheit hätte bewiesen das nur diese Vereine auch den sportlichen Erfolg gehabt hätten.
Fast zweieinhalb Stunden dauerte die Diskussion, die für manch einen nun einiges im anderen Licht erscheinen ließ. Jedenfalls für diejenigen, die nicht so nah dran sind, war es erschreckend zu hören was im Trainerteam und in unseren Gremien so los ist. Uwe Scherr muss man Respekt zollen das er sich nur einen Tag nach der Entlassung den Fans „stellte“, auch wenn dies schon länger geplant war. Aber er hätte aufgrund der Ereignisse diesen Termin auch absagen können. Uwe Scherr ist wirklich ein Manager des Kalbers „Schmadtke“, der kein Blatt vor dem Mund nimmt und aneckt. Dabei ist seine offene Art in meinen Augen gefährlich, jedenfalls wenn es um die Vorgesetzten geht. Aber er hat dabei nur einen Blick im Auge, den Erfolg für Alemannia. Man kann nur hoffen das der Appell der Einigkeit auch auf allen Ebenen ankommt und Verstanden wird. Denn einiges war er so erzählte geht über die Maßen unseres Klömpchensklub hinaus. Uwe Scherr hat übrigens am Schluss nochmal betont das er gerne mit allen Leuten diskutiert die Fragen haben. Wenn man sich bei ihm meldet wird er einen Termin finden. So ging dann ein informativer Abend zu Ende, und ein kleines großes Lob gebührt auch der Alemannia Fan IG, die diese Veranstaltung unterstützte und souverän moderierte. Es lohnt sich dort mal öfters hinzugehen. Nun warten wir ab wer denn unser neuer Trainer werden wird. Und hoffentlich wird die Euphorie dann wieder neu geweckt.

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