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Aug 29 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia würgt sich zum 1:1 gegen den Tabellenletzten

Zum erstenmal in dieser Saison gab es beim Schlußpfiff ein Pfeiffkonzert von den Fans. Wieder einmal hatte man sich viel vorgenommen, und der Tabellenletzte aus Erfurt kam da wie gelegen die schwache Leistung aus Karlsruhe zu revidieren. Doch leider spielte man 88 Minuten den selben Stiefel runter wie in Karlsruhe. Der Tabellenletzte aus Erfurt machte während der 90 Minuten sogar den besseren Eindruck in ihrer Spielanlage, während unsere schwarzgelben den Faden früh verloren und nicht mehr wiederfanden. Man könnte auch sagen das man sich 88 Minuten vor eigener Kulisse einen Grottenkick geliefert hat , wo immerhin noch 13.500 Fans zugegen waren. Den spielerischen Faden hat man wohl schon an den ersten drei Spieltagen angefangen zu verlieren, denn ab da wurde es um Woche und Woche schlimmer und graupenhafter. Kaum Bewegung in den einzelnen Mannschaftteilen, fehlendes Stellungsspiel, keine durchdachte Spieleröffnung, im Mittelfeld ideenlos, vor dem Tor einfallslos. Ganz auf die Defensive Taktik getrimmt kommt kaum noch ein Spielfluss zustande mit dem man dem Gegner noch überraschen könnte. Am Ende konnte mühte man sich zu einem 1:1 gegen den tapferen Tabelenletzten Rot Weiß Erfurt, und hätte kurz vor Schluss gar noch die Möglichkeit zum Sieg gehabt. Da hatte der eingewechselte Marcel Heller mal einen Glanzauftritt und dribbelte sich durch drei Erfurter in den Strafraum. Alleine vor Gästekeeper Rickert jedoch scheiterte er mit seinem Torschuss. Ein Höhepunkt kurz vor dem Abpfiff. Wäre dieser reingegangen hätte man ja noch von einer kaltschnäuzigen Mannschaft sprechen können, auch wenn es im Grunde genommen blanker Hohn gewesen wäre.

 

Man soll ja immer erstmal über die Ereignisse schlafen ehe man zu den Tasten greift. Das ist auch gut so, hätte ich gestern diesen Bericht verfasst wäre er in einer Ansammlung aus Ärger, Frustation und rundumschlagende Kritik gemündet. Nach dem mehr dürftigen Autritt in Karlsruhe wollte man nun vor eigener Kulisse zeigen was man kann. Wiederum kam die Warnung vor dem Tabellenletzten, die Coach Ralf Aussem wohl gebetsmühlenartig heruntersang wie schon im letzten Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff wurde insbesondere bemängelt, ebenso die kaum vorhandenen kreirten Torchancen. Das sollten die Lehren aus Karlsruhe sein wo man sich mit sehr viel Glück einen Punkt ergaunerte. Nun fing man gegen RW Erfurt ebenfalls verhalten an, der Tabellenletzte entledigte sich seinem Trainer am Samstag und kam mit ganz kleinen Selbstvertrauen nach Aachen. Kaum mehr größer war dies bei unseren schwarzgelben zu beobachten, das Spiel erstmal ganz in Ruhe angehen. Schon die ersten Nadelstiche des Gastes brachten die Abwehr in Verlegenheit. Man schaute genüsslich zu wie der Gegner den Ball an den Aachener Strafraum führte, ehe man letztendlich doch energischer eingriff. „Safety first“ lautet wohl immer noch die Parole der Alemannia Abwehr, inklusive mit der Einbindung von Keeper Tim Krumpen. Der Ball wurde gut verwaltet in der Abwehr, die Quer- und Seitenpässen sahen gut aus. Aber sobald der Ball ins Mittelfeld hineinguckte war es schon vorbei. Wohin mit dem Ball? Kaum ein Spieler lief in den freien Räumen, oder startete mal Richtung Strafraum. Selbst Albert Streit fand es konsequenter den Ball nach hinten oder zur Seite zu verlagern. So waren gefährliche Angriffe mangelware, das Flügelspiel schon frühzeitig in ihrem Aufbau neutralisiert. Und Erfurt? Die standen hinten drin, aber nutzen die freien Räume besser aus. So kamen sie manchmal bin in Strafraumnähe, aber außer Fernschüsse traute man sich noch nicht zu. Nach gut einer Viertelstunde änderte sich das aber. Unsere Abwehr ließ dem Gegner allen Platz der Welt, schaute zu wie der Ball von dem einem zum anderen Spieler gespielt wurde. Und dann stand er da allein, der Erfurter Spieler Morabit. Kurz geschaut wo der Torwart ist, trocken abgezogen aus 17m, vom Innenpfosten kullerte der Ball über die Linie zum 0:1. Tataa. Ja, da waren sie dann wieder die typischen Probleme der Alemannia. Wieder ein Gegentor, wieder eine Situation wo man zulange dem Gegner Respekt zollte am Ball.  Dachte man nun es war das „Hallo-Wach“ Erlebnis, der sollte sich wundern. Das mühesame Spiel aus der Abwehr heraus verlagerte sich ins Mittelfeld wo auch diese keine gescheiten Anspielstationen finden konnte. Wie auch? Wenn man sich kaum bewegt freut das den Gegner, und wenn man sich bewegt, dann zum falschen Zeitpunkt weil der Pass dann irgendwo ins niergendwo landete. Da war Sascha Rösler allerdings schon nicht mehr auf dem Feld, verletzungsbedingt wurde er durch Freddy Borg ersetzt. Jener Borg der eigentlich schon in der Startelf erwartet wurde. Das Rösler fehlte machte sich nicht bemerkbar, außer beim Einlauf wurde er nicht gesehen. Zumindest hat er keine Gelbe Karte kassiert, was ja auch schonmal positiv ist. Freddy Borg zeigte sich direkt präsent, den Ball im Erfurter Strafraum legte er weiter auf Florian Müller der nach langer Zeit nicht groß fackelte und zum 1:1 ausglich. Also spätestens jetzt würde Alemannia den Hebel umlegen und dem Tabellenletzten zeigen wer hier der Herr im Haus ist. Eine Kefkir Flanke verpasst Freddy Borg nur knapp, es war seine vorletzte gute Aktion in einem ansonsten für ihn enttäuschenden Auftritt. Kurios und zum Tor des Monats mutiert wäre fast das Tor mit dem Hinterteil, und zwar jenem von Freddy Borg als Gästekeeper Rickert einen Ball nicht schnappen konnte und der Klärungsversuch vom Hinterteil Borgs Richtung Tor kullerte. Schade, das wäre was gewesen. Das wars dann aber schon wieder, und das Ballgeschiebe durch die langatmige Abwehr über das Mittelfeld erreichte weder einen Mitspieler noch sorgte er für Gefahr.

 

Die Kabinenpredigt von Ralf Aussem schien kein Gehör zu finden. Mit jeder weiteren Minute sank das spielerische Niveau noch weiter nach unten und nach einer Stunde kam im Fussballsprachschatz schon das Wort „Graupenfussball“ vielen über die Lippen. Schnelles Spiel nach vorne erwartet man weiterhin sehnsüchtig, aber es kam einfach nichts. Die Außenverteidiger rückten kaum mal auf, Albert Streit tummelte sich weiterhin irgendwo im Mittelfeld herum, die Anspielstationen auf Freddy Borg hatten die selbe Bedeutung wie den Fehlpass in den Füssen eines Erfurters. Weder seinen bulligen Körper, noch ein Kopfballzweikamp, und noch weniger den einfachen Stopp des Balles gelang Freddy Borg. Hätte unser Coach ihn wieder ausgewechselt, es wäre für ihn eine Erlösung gewesen. Dagegen wurde der Tabellenletzte immer mutiger und frecher, schnelle Bälle in die Spitze stellten für Mario Erb und Seyi Olajengbesi jedesmal neue Herausforderungen dar. Der Gast zeigte wie man es zu spielen hatte, und Alemannia schaute dem Gezeigten erstaunt zu. Irgendwann hatte unser Coach ein einsehen und die Flügelspieler sollten neu besetzt werden. Kefkir ging und Sascha Marquet kam und passte sich dem schwachen Niveau seiner Mitspieler sofort an. Fehlpass hier, Fehlpass da. Auch er hatte keinen guten Tag erwischt. Die Minuten veronnen zusehends und der Funke im Spiel wartete immer auf einer Zündung. Als Marcel Heller eingewechselt wurde, die letzte Option von Ralf Aussem, war dann auch schon die letzte Hoffnung das er irgendetwas kreatives zustande brachte. Zuerst versuchte er sich an einem 18m Fernschuss, der ging vorbei. Dann aber ging doch etwas so wie ein Ruck durch die Mannschaft. Freddy Borg hatte fast im Angriff wieder den Ball vertändelt, doch diesmal setzte er nach und spitzelte den Ball zu Marcel Heller der nun freie Fahrt hatte. Ein schnelles Dribbling durch drei Abwehrspieler und er stand alleine vor Gästekeeper Rickert. Der mitgelaufene Timmy Thiele ruderte freistehend mit den Armen doch Heller entschloss es selbst zu machen. Leider schoss er den Ball nicht ins Tor sondern den Torwart an, so das die sehr gute Chance erstarb. Einmal Blut geleckt mobiliserte man nun alle Kräfte und schon ging es rund in der Erfurter Abwehr, wieder kam Marcel Heller über die rechte Seite alleine durch und flankte in den Strafraum. Doch weder Freddy Borg noch der am langen Pfosten stehende Sascha Marquet konnten den Ball ins Tor befördern. Viel zu spät wachte Alemannia auf, die letzten beiden Minuten konnten die vorherigen 88 Minuten nicht entschädigen. Mit einem Pfeiffkonzert wurden die Spieler verabschiedet.

 

Man erinnerte sich unvermeidlich an die letzte Saison, als man ähnliche grauenhafte Spiele auf dem Tivoli bestaunen durfte. Wie schon in Karlsruhe passte diesmal wenig bis garnichts zusammen im Alemannia Spiel. Das probagierte schnelle Umschalten war nicht ansatzweise zu sehen, weil die Spieler auch selbst keinerlei Anstalten machten sich in freien Räumen zu bewegen. Ein Albert Streit wurde seine Rolle als Leader wieder nicht gerecht, aber ebenso war auch kein anderer da der mal die Ärmel hochkrempelte und die Verantwortung übernahm. Das Mittelfeld scheint nun auch das Problem zu haben das mal selten in die Verlegenheit kommt ein schnelles Umschalten einzuleiten. Meist geht es quer oder nach hinten statt nach vorne. Optisch könnte man meinen der Gegner hätte zwei Mann mehr auf dem Platz. Wo ist sie hin die Leichtigkeit und das offensive Spiel? Irgendwo ging es verloren zwischen dem 4 und 5 Spieltag. Als neutraler Beobachter, und jener saß vor mir eine Reihe drunter, hätte meinen können das der Tabellenletzte auf dem Tabellenvorletzten getroffen ist. Wobei der Tabellenletzte dabei noch eine anständigere Figur gemachrt hat. Mutlos und ohne Ideen, zudem noch schläfrig über dem Platz trabenden Alemannen zeigen das die Baustellen im Team noch groß genug sind. Albert Streit liefert nun eine Klasse Leistung, aber mit ihm fällt und steht das Spiel. Kein anderer krempelt mal die Arme hoch wenn es nicht läuft sondern ergibt sich im Kollektiv seinem Schicksal. Das sie es viel besser können haben sie schließlich gezeigt in Bielefeld, gegen Burghausen und Dortmund II. Zumindest sind die Spieler einsichtig und wissen welchen Stiefel sie da wieder abgeliefert haben, aber es besteht Redebedarf. Kapitän Albert Streit nimmt kein Blatt vor dem Mund und sagt das ein Mittelfeldplatz nicht sein Anspruch ist, und auch nicht der Anspruch des Vereins sein kann. Aber er sagt auch das sich jeder an die eigene Nase fassen müsse und seine eigene Leistung hinterfragen müsse. Wenn er für dieses Spiel Geld bezahlt hätte als Zuschauer, er hätte noch lauter gepfiffen. Das sagt schon viel aus. Timo Brauer hatte die Lösung schneller parat, man müsse das nächste Spiel einfach gewinnen. Ja, wenn es denn so einfach wäre in der momentanen Situation. Die Vorschusslorbeeren sind nahezu aufgebraucht, die Euphorie rund um den Tivoli wird geradewegs so schnell verspielt wie sie aufgekeimt ist. Hoffentlich findet Ralf Aussem langsam mal die deuterlicheren Worte, und auch Sportdirektor Uwe Scherr kann diesem Treiben nicht allzu lange zusehen. Die 3. Liga ist kein weiches Brot, aber auch nicht so hart das man die Mindestanforderung an Tugenden nicht an dem Tag zu legen braucht. Langsam muss man zeigen das man zu mehr fähig ist als ein paar Minuten den Tabellenletzten in Schach zu halten.