Jul 08 2012

Geheimakte: Der Regierungsbunker

 

Am Samstag waren wir beim Geocache Event „Geheimakte – Der Regierungsbunker III“ in Ahrweiler. Auf Empfehlung meines Kollegen „Quann“ meldeten wir uns vor einigen Wochen an. Nun war war endlich soweit und pünktlich zum Ferienbeginn ging es Richtung Ahrweiler. Hatte man die üblichen Stau´s befürchtet, gab es nur Fahrzeuge mit Wohnanhänger aus den Niederlanden auf der A61. Pünktlich um 10 Uhr waren wir vor Ort wo die erste Führungsgruppe startete. Zuerst trugen wir uns aber noch in dem Event Logbuch ein, nicht das wir das später noch vergessen. Es gab wie üblich bei solchen Geocache-Events jedemenge Trackables und Coins zu discovern. Bevor es dann zur eigentlichen Bunker Führung ging wurde noch von dem Orgateam ein Gruppenfoto gemacht. Mit dem Bunker-Guide Wolfgang Müller ging es dann, bei 12 Grad Innentemperatur, in den Regierungsbunker hinein.

 

Teilweise bis 110m tief lag der Regierungsbunker unter Felsen, der bis 1997 die offizielle Bezeichnung „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB)“ inne hatte. Von den ehemals 17,3 km langen Bunker sind nur noch 203m übriggeblieben. Der Bunker erstreckte sich von Ahrweiler über Marienthal bis nach Dernau. Die Bunkeranlage wurde Anfang der 1960er Jahre unter strengster Geheinhaltung gebaut, unter Federführung des damaigen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Er sollte den Verfassungsorganen Schutz bieten bei einem möglichen atomaren Angriff in Zeiten des Kalten Krieges. Zu diesem Zwecke suchte man sich den im 20. Jahrhundert „vergessenen“ Eisenbahntunnel heraus, der als Grundlage des Weiterbaus dienen sollte. Unter dem Dem Decknamen „Rosengarten“ (der Legende nach widmete man diesem Namen Bundeskanzler Adenauer der gerne Rosenzucht betrieb) wurde die Anlage geschaffen bis zu ihrer Fertigstellung 1972. Alle zwei Jahre wurden die NATO Übung Wintex abgehalten, wo man fast einen Monat lang den Ernstfall probte. Dazu wurden Regierungsmitglieder und der Bundeskanzler üB quasi als Laienschauspieler eingesetzt. Prominentester Bundeskanzler üB war der damalige Bundestagsabgeordnete Björn Engholm, der den Bundeskanzler im Bunker spielte. 1997 beschloss die damalige Bundesregierung den Regierungsbunker aufzugeben. Nachdem die Anlage nicht an dem Mann gebracht werden konnte, wurde diese mit Bundesmitteln zurückgebaut. Erst als man sich darüber im klaren wurde das man einen Teil für die Nachwelt erhalten sollte, war es fast schon zu spät. Entkernt und Besenrein wurde der Bunker übergeben, und 2008 zum Museum Dokumentation Regierungsbunker umfunktioniert. Übrigbelieben ist nur noch der vordere Teil der Bunkeranlage, die Tunnelröhre wurde rückgebaut und bildet nun das Ende. Das Musuem ist immer noch in den Händen des Bundes, der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ der Nutzer.

 

Beeindruckend sind die rollenden MAN Tore, die in knapp 15 Sekunden die Haupteingänge der Bunkeranlage verschlossen. Diese bestanden aus 250kg Stahlbeton und wurden schon an ihren Standort gebracht als die Bunkeranlage noch garnicht stand. Der Bunker wurde demnach um diese Tore herum gebaut. In dem Regierungsbunker fehlte es an nichts, denn bis zu 3.000 Personen (Regierungsmitglieder, Verfassungsorgane, Militär und Zivilisten) sollten im Ernstfall den Bunker beherbergen für mindestens 30 Tage. So sollte die Regierungsfähigkeit aufrecht erhalten werden. Die Schlafräume waren karg aber funktional ausgerüstet, der jeweilge Bundeskanzler und Bundespräsident waren in der kompfortablen Lage jeweils einen separaten Raum zu benutzen. Es gab eine eigene Feuerwehr, eine Küche und sogar einen Friseur. Neben der Krankenstation gab es auch einen Zahnarzt, wo der Bohrer noch mit Fussantrieb betrieben wurde. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) unterhielt bis 1997 ein eigens Sendestudio in dem Bunker, wo man im Falle eines Falles live die Ansprache der Regierung an die Bevölkerung übertragen konnte. In knapp 1.5 Stunden bekommt man die verschiedenen Zimmer und Tunnels der 203m langen Anlage zu sehen, und bekommt je nach Bunker-Guide hautnah mit wie es damals sich hier so zugetragen hat. Vor allem unser Bunker-Guide Wolfgang Müller, er selbst hat im Bunker gearbeitet, hat die eine und andere Anektode auf Lager die diesen Besuch recht kurzweilig erschienen ließ. Beeindruckend an der ganzen Führung war die Schließung des großen MAN-Tores (als Klingelton hier runterladbar – Downloadlink!) und die rückgebaute Tunnelröhre am Ende des Bunkers. Ein Besuch lohnt sich allemal, ich kann es nur wärmstens Empfehlen.

 

Bildergallerie zu unserer Führung:

 

Interessante Links:
Kleine Dokumentation des Regierungsbunker

Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland

WIkipedia Artikel zum Regierungsbunker

Dokumentationsstätte Regierungsbunker