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Mai 07 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia – Abstieg – Stunde Null

 

Verläßt man sich auf andere, ist man verlassen und abgestiegen

 
Nun ist das eingetreten was man befürchten musste. Trotz eines 2:1 Auswärtssieges bei 1860 München reichte es am Ende nicht zum Relegationssplatz 16, da Aufsteiger Eintracht Frankfurt keine Lust mehr in Karlsruhe hatte. Unser direkter Konkurrent um den begehrten Platz 16 siegte gegen maue Frankfurter Würstchen 1:0. Damit war am Sonntag um 15:15 Uhr der Abstieg in die Dritteliga besiegelt. Nach dem Wiederaufstieg in die zweite Liga 1999, dem Bundesliga Aufstieg 2006, Bundesliga Abstieg 2007 folgt nun der absolute Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte. Drittklassigkeit, ohne Trainer, ohne Sportdirektor, ohne Mannschaft. Ein Schwerbenhaufen mit ungewisser Zukunft. Mit noch weniger Einnahmen und noch weniger Geld aus TV Einnahmen, ohne Hauptsponsor und einem Bundesliga tauglichen Stadion am Bein hat man nun eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. Statt St. Pauli, 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern begrüßt man in der kommenden Spielzeit 1. FC Heidemheim, VfB Stuttgart II und SV Babelsberg. Interimscoach Ralf Aussem konnte in den letzten 5 Wochen nicht mehr die Verfehlungen aus 28 Spielen geradebiegen. Alemannia am Boden, und nun?

 

Wir kommen wieder – das verspreche ich Ihnen! (Alemannia Coach Ralf Aussem)

 

Über 4.000 Alemannia Fans fanden den Weg nach München zur Allianz Arena. Die letzte Hoffnung, der letzte kleine umklammerte Strohhalm sollte gezogen werden. Das unmögliche Mögliche gemacht werden. Noch nie konnte unsere Alemannia bei 1860 München gewinnen, die Voraussetzungen waren also denkbar schlecht. Für 1860 München ging es im letzten Heimspiel um nichts mehr, trotzdem wollte man der Alemannia den Sieg nicht einfach schenken. Interimscoach Rolf Aussem konnte wieder auf Albert Streit zurückgreifen, nach seiner Gelbsperre, und so rotierte Kapitän Benny Auer wieder aus dem Kader. Und Alemannia machte das was man versprochen hatte, David Odonkor spielte den Ball in den Strafraum, die 60er Abwehr klärte nicht konsequent, und Albert Streit staubte den Ball ab zum 0:1. Riesenjubel überall, ob in der Allianz Arena bei den mitgereisten Fans und den daheimgebliebenen vor dem TV und Live Ticker. Aber schon kurz danach der Schock, denn auch der KSC ging gegen die Eintracht aus Frankurt in Führung. Wenig später glich 1860 sogar noch aus, Aigler traf zum 1:1. Doch unsere schwarzgelben ließen sich nicht schocken und Alper Uludag markierte mit der Marke Traumtor das 1:2, vom linken Strafraumeck zimmerte er den Ball ins rechte Eck. Ein Wechselbad der Gefühle und der lauerende Blick nach Karlsruhe spannten die Nerven zum Bersten. Bis zur Halbzeit taten sich beide Teams nicht mehr viel, es sollte auch erstmal genügen.

 

Nach der Pause drückten die 60er nochmal auf das Tempo und erarbeiteten sich Chancen zum Ausgleich. Unsere schwarzgelben hielten aber dagegen und versuchten sich ebenfalls mit schnellen Spiel nach vorne. Teilweise ging es hin und her, aber mit fortdauer des Spiels gingen die Augen und Ohren eher nach Karlsruhe. Dort passierte wenig und die besseren Chancen besaßen die Karlsruher. Je näher die 90 Minute heranrückte desto öfter wurde der Reload Button auf dem heimischen Rechner gedrückt. Am Ende stand der Abpfiff in beiden Stadien, und die Gewißheit das die tolle Jagd nun beendet ist für unsere Alemannia. Die Spieler sanken zu Boden und Tränen flossen nicht nur auf dem Rasen. Unser jeliebte Alemannia geht nun den bitteren Gang in die dritte Liga. Enttäuschung machte sich breit aber auch der Wille das man schon nach vorne blickte. So sagte Interimscoach Ralf Aussem direkt nach dem Spiel in die Mikrofone: „Wir kommen wieder, das versprech ich ihnen„.

 

Enttäuschung, Wut,Trauer. So wird es vielen ergangen sein die im Herzen schwarzgelb tragen. Für die, die es sowieso schon seit langem wussten, konnten sich dagegen drauf einstellen. Nun kann man die ganze Litternei aufzählen warum, weshalb und wieso es so kommen musste wie es nun gekommen ist. In erster Linie sind die Spieler auf dem Rasen verantwortlich, die sich zulange etwas vorgemacht haben. Mir klingeln immer noch die Öhrchen wenn ich sie sagen hörte „Wir sind besser als es die Tabelle aussagt“. Diesem Irrtum lief man von Spieltag zu Spieltag hinterher. Nach dem Raufwurf von Peter Hyballa wurde gleichzeitig auch das Konzept „Auf Gedeih und Vererb“ entsorgt. Mit Friedhelm Funkel wollte man den passenden und erfahrensten Trainer verpflichten der uns aus der Misere herausholt. Zu viele Unendschieden, zu viele Gegentore in den letzten Minuten ließ den blutleeren Auftritt der Mannschaft vernebeln. Bis auch Friedhelm Funkel vor die Tür gesetzt wurde. Nach den Niederlagen gegen Paderborn und Union Berlin stellte man sich innerlich auf einen Kampflosen Abstieg ein. Doch Ralf Aussem schaffte es der Mannschaft neues Leben einzuhauchen, und somit auch die Hoffnung bis zur letzten gespielten Minute in München. Dies war auch gleichzeitg der letzte Arbeitstag von Sportdirektor Erik Meijer, der den mitgereisten Fans noch die Eintrittskarten bezahlte. Auch er blieb nicht schuldlos an dem Niedergang, verkorkste Transfers die teilweise im Winter wieder ins Schaufenster gestellt wurden, eine 100% Umkehr von der Phillosophie des Jugendwahns. Keine glückliche Hand in allen Bereich, und sein Mund eilte ihm manchmal zu sehr hinaus. Die größte Kritik war wohl an sein Segeltörn in der Karibik gerichtet, als Alemannia gegen Paderborn die Grätsche machte. Am Ende blieb die Erkenntnis das der beste Alemanne seit Jahren auf dem falschen Posten gehievt wurde. Irgendwann, wenn wieder Gras über die Seuchensaison gewachsen ist, wird er sicherlich wiederkommen in einer anderen Funktion. Die eigentliche Wurzel des Übels lag und liegt wohl in der Umfinanzierung durch den Tivoli Neubau. Das Bundesligataugliche Prachtstadion verschlang zu viel für einen kleinen Zweitligisten. Über ein Jahr versuchte man vergeblich die finanzielle Last zu mindern. Zu spät wurde eine EInigung mit der Stadt getroffen, die die Last von knapp 5 Mio auf 2 Mio senkt. Damit hatte man wieder Handlungsspielraum, mit dem man aber wiedermal erstmal nichts anfangen kann bedingt durch Abstieg. Aachens Oberbürgermeister machte jedenfalls Mut, das neue Konzept der Umfinanzierung war auch auf eine mögliche dritte Liga ausgerichtet. Allerdings dürfte jedem klar sein das man sich einen mehrjährigen Aufenthalt in der dritten Liga nicht leisten kann.

 

Was macht der Öcher wenn er am Boden liegt? Er richtet den Block nach vorne. Schnelle Entscheidungen müssen nun her, Spielerverträge die nun null und nichtig sind müssen zumindest teilweise verlängert werden. Den ersten Schritt voran machte Albert Streit. Er steht für einen Neuaufbau zur Verfügung, wenn Alemannia ihn will. Auf Geld kommt es ihm nicht mehr an, das hatte er mit 18 Jahren bereits genug verdient. Auch er sieht die Mitschuld bei sich selbst und will nun den festgefahren Karren wieder aus dem Dreck ziehen. David Odonkor denkt zumindest über eine weitere Tätigkeit nach während Thomas Stehle bereits sein bleiben ankündigte. Die Mannschaft wird ein neuen Gesicht bekommen, zum Glück! Ich weine keinem eine Träne nach der nicht mehr das schwarzgelbe Trikot tragen will. Andererseits wäre es ihre gemeinsame Pflicht diesen „Unfall“ wieder zu korrigieren! Bereits am Montagabend gab es die erste Entscheidung, Ralf Aussem wird und bleibt neuer Alemannia Trainer. Sein Konzept überzeugte, das man in den letzten Wochen sehen konnte. Vielleicht bleibt der ein oder andere Spieler aufgrund dessen doch noch. Auch wenn man offiziell nicht den direkten Wiederaufstieg ausrufen will, man wird es im geheimen doch tun. Was bleibt Alemannia auch übrig? Man muss schnell zurück in Liga 2, denn ein Überleben in der dritten Liga ist nur von kurzer Dauer möglich. Deshalb rennt die Zeit jetzt langsam davon, die Kaderplanung obliegt erstmal Ralf Aussem bis ein neuer Sportdirektor gefunden ist. Für ihn ist es ganz bitter, nicht nur der Abstieg mit der Profimannschaft sondern auch der dadurch bedingte Nichtaufstieg seiner U23 in die Regionalliga. Die kommenden Wochen werden spannend bleiben, wie sich die neue Alemannia zusammensetzen wird. Und dann gehts es mit neuem Motto weiter: