Apr 26 2012

Alemannia am Abgrund – Sonntag einen Schritt weiter?

Langsam gehen die Lichter aus über dem Tivoli. Man hatte sich soviel vorgenommen gegen die Aufstiegskandidaten aus Mainhatten. Doch am Ende stand es 0:3 und Frankfurt feierte auf dem Tivoli seinen Aufstieg. Nebenbei wurde das halbe Stadion auseinander genommen. Sitzschalen flogen und wurden ausgetreten, Werbebanden ramponiert und das Tor auseinander genommen. Selbst der Rasen bekam stellenweise eine Glattrasur, während die Hundertschaft der Polizei tatenlos zusah wie Frankfurter Fans ihre Aufstiegsfeier interpretierten. Tatenlos war man allerdings nicht in der Südkurve bei den Heimfans, dort packte man die harten Mitteln der Staatsmacht aus. Leidtragende waren unbeteiligte wie Frauen, Kinder und Fans die einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Pfefferspray wurde vornehmlich dort eingesetzt während auf der anderen Seite die Polizei hilf- und tatenlos zusah wie die Gästefans randalierten. Von der Südtribüne aus gelangten dann doch welche in den N-Block und versuchten hierüber in den Gästebereich reinzukommen. Was folgte waren einerseits prügelnde Fans und andererseits die flüchtenden Fans in den Oberrang. Ausnahmesituation, die der Ordnungsdienst nur schwerlich im Griff bekam und die Polizei es belanglos erschien einzuschreiten. So wurden aus einem bitteren Abend ein rabenschwarzer Abend der auch noch durch Feuerwerk (der Öcher Bend nahm unweit seinen Abschied) gekrönt wurde.

 

Das hatte man sich alles anders vorgestellt vor dem Spiel. Der Rahmen stimmte, knapp 5.000 Frankfurter Fans und 23.000 Öcher machten zusammen 28.000 Zuschauern, die einen würdigen Rahmen beim Montag Abend Live Spiel bot. Für beide Teams ging es um viel, für Alemannia aber noch um ganz ganz viel mehr. Zumindest in der ersten Hälfte gestalteten unsere schwarzgelben das Spiel offen, und die größte Chance hatte wohl David Odonkor. Der Teufel weiß was ihm geritten hat, als er fast freistehend eine glänzende Torschusschance hatte. Doch statt draufzuhauen packte er den Hackentrick aus auf einem vermeindlichen Mitspieler der nicht ansatzweise in der Nähe stand. Und wie die alte Fussballweißheit so ist wurde sie auch hier Gesetz. Einen Frankfurter Eckball konnte Boy Waterman nicht festhalten, Idrissou sagte Danke und schoss kurz vor der Pause zum 0:1 ein. Was für ein Nackenschlag! Voller Motivation kehrten die Alemannen aus der Pause zurück, Albert Streit vertändelte den Ball, Kim Falkenberg verlor wieder Idrissou aus den Augen und dieser schoss in der 48. Minuten das 0:2. Der Anfang vom Ende unserer Alemannia. Während der Gästeblock rockte und den Abgesang auf die zweite Liga anstimmte, lagen bei uns nun die 5 Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16 schwer im Fuß. Es lief nicht mehr viel zusammenen, die Offensivbemühungen erstickten am 16m Raum. Marco Stiepermann spielte lange Zeit den Alleinunterhalter, keine Flanken von Außen kamen zustande. David Odonkor und Alper Uludag zog es immer wieder wie einen Magneten nach Innen wo die Räume zugestellt waren. Frankfurt spielte es nun läßig runter und wartete einfach auf Kontorchancen die sich nun regelmäßig ergaben. Auch die eingewechselten Benny Auer und Sergiu Radu brachten keine Besserung im Angriffspiel für die schwarzgelben. Zu allem Unglück passte dann auch das 0:3, das Seyi Olajengbesi unglücklich ins eigene Tor beförderte. Wenn es dumm läuft, dann aber richtig. Der Abpfiff war für die Mannschaft eine Erlösung und gleichzeitig die Erkenntnis das der direkte Abstieg unmittelbar bevorsteht. Rein rechnerisch könnte man mit einem Sieg im Topspiel gegen den KSC und einen Sieg in München den Relegationsplatz 16 noch erreichen. Aber wer glaubt ernsthaft das Eintracht Frankfurt im letzten Spiel noch alles geben wird in Karlsruhe? Genauso wenig wie der andere Aufsteiger Greuther Fürth, der seine letzte Ehrenrunde in der zweiten Liga ausgerechnet bei Hansa Rostock absolviert? Wenn man im Londoner Wettbüro gutes Geld darauf setzt, man könnte reich werden. Aber an diese letzte Hoffnung kann man sich realistisch nicht klammern. Nach 32. Spieltagen auf Platz 18 mit gerademal 4 Siegen und 15 Niederlagen spricht eine eindeutige Sprache. Man hat den Klassennachweis der zweiten Liga nicht erfüllt.

 

Die Szenerie die sich allerdings nach dem Schlußpfiff abspielte war erschreckend. Jubelnde Frankfurter Fans feierten ihren Aufstieg, und das am liebsten auf dem Rasen. Der Ordnungsdienst wedelte schon mit der weißen Fahne, die Hundertschaft der Polizei kam viel zu spät aus den Füßen als die ersten schon die Barriere überwanden. Ein Sperrgürtel sollte die Frankfurter im Zaum halten, ein zweiter sollte auslaufwillige Fans aufhalten. Der dritte Sperrgürtel formierte sich in der Heimkurve, um schwarzgelbe Fans abzuhalten einen Fuß auf dem Rasen zu setzen. Der erste der es versuchte wurde mittels Pfefferspray und körperlicher Übermacht direkt gestellt. Soviel Einsatz hätte man sich auf der anderen Seite gewünscht als die Sitzschalen und Werbebanden durch die gegend flogen. Doch die Polizei schaute hilf- und tatenlos zu. Im Gegenteil, je mehr Frankfurter auf dem Rasen kamen desto stärker wich man zurück und öffnete schließlich den Sperrgürtel. Da hieß es freie Fahrt für Frankfurter die unbehelligt bis weit in die Hälfte zur Südtribüne gelangen. Nun fing man sie ab, zumindest tat man so als ob. Während sich unsere Gäste ausgelassen am Tor samt Netz ausließen, den Rasen rausrissen und provozierend umherzogen, zeigte die Polizei auf der Südtribüne das man auch härtere Sachen auftischen kann. Fans hinter dem Zaun wurden mit Pfefferspray eingenebelt so das viele unbeteiligte eine saftige Abfuhr abbekamen. Die Fanseele kochte langsam über und man wählte den Weg unter den Tribünen um den Frankfurtern näherzukommen. Im N-Block angekommen unterstützte man die bereits sich im Scharmützel befindlichen Fans und prügelte munter drauf los. Die Ordner versuchten zumindest die Frankfurter und Alemannen zu trennen, was nur teilweise gelang. Eine Szenerie entwickelte sich die man in dieser Form lange nicht erlebt hat.

 

Verängstige Frauen und Kinder flüchteten in den Oberrängen da ein rauskommen aus dem Stadion unmöglich war. Draussen auf dem Vorplatz maschierten weitere Polizisten auf und riegelten das Stadion ab um die Jagdszenen auf der Krefelder Straße Einhalt zu gebieten. So saß man zumindest auf der Hauptribüne fest und musste sich die Randale anschauen die von beiden Fanlagern ausuferten. Irgendwann ergriff man dann doch die Flucht aus dem Stadion als sich die Möglichkeit bot. Lange hab ich solche verstörte Blicke nicht mehr gesehen, Angst in den Augen von Fans die solch eine Randale noch nie erlebt hatten. Hier muss man den Vorwurf ganz klar dem Einsatzleiter der Polizei richten, denn das Konzept oder was auch immer man sich ausgedacht hat, ging voll in die Hose. Zu lange sah man Tatenlos zu und demonstrierte zuerst Härte an denjenigen die eh hinter einem Zaun standen und nicht daran dachten den Rasen zu betreten. Versagt auf der ganzen Linie hat auch die spätere Berichterstattung. Da wurde die Randale erst verniedlicht und der Aufruf gestartet wo denn der Elfmeterpunkt verschwunden ist! Auch die Polizei befand den Einsatz abschließend als Erfolg, selbst die Alemannia wertete den Polizeieinsatz als Erfolg. Da kann man nur den Kopf schütteln und läßt einen fassungslos zurück. Die Summe der Zerstörung bezifferte Alemannia auf 75.000 Euro, was der Frankfurter Vorstand schon am Abend versprach zu übernehmen. Wie großzügig!

 

Erik Meijer - Trennung zum Saisonende

Zwei Spieltage vor Schluss steht unsere Alemannia mit anderthalb Beinen in der dritten Bundesliga. Bei fünf Punkten Rückstand ist man nicht nur auf Hilfe der Konkurrenz angewiesen, man muss auch selbst die letzten beiden Spiele gewinnen. Vornehmlich das entscheidene Spiel am Sonntag gegen den Karlsruher SC. Schon hier könnte der Würfel gefallen sein wenn alles andere als ein Sieg herauskommt. 4 Siege, 13 Unendschieden, 15 Niederlagen. Wie in aller Welt soll man den Glauben haben das man zwei Spiele in Folge noch gewinnen könnte, wenn man 4 Siege in 32 Spielen zustande gebracht hat? Zumindest scheint sich auch der Alemannia Vorstand nun dazu genötigt sehen die Planungen für die 3. Liga voranzutreiben. Denn niemand besitzt einen Vertrag für die 3. Liga aus dem Kader, solch einen Absturz hat man wohl selbst im Winter nicht einkalkulieren wollen. Abgerechnet wird zum Schluß, die Fans in den Foren ziehen schon ihre eigenen Konsequenzen. Bei Alemannia zog man diese schon jetzt. Die Wege von Alemannia und Sportdirektor Erik Meijer werden sich trennen. In einem Männergespräch kam man zu diesem Schluß das nun wirklich Schluß ist. Erik Meijer hat viel für die Alemannia geleistet, als Spieler und als Marketing Vertreiber in Sachen Neuer Tivoli. Aber als Geschäftsführer Sport blieb er diesen Nachweis schuldig, zu schlecht waren die Transfers und Methodik um den Verein nach vorne zu bringen. Platz 9 wurde ausgerufen, nach sieben Niederlagen war die erste Trainerentlassung unter seiner Regie perfekt. Das Konzept auf die Jugend zu bauen wanderte in die Mülltonne, stattdessen kam Trainerdino Funkel der es eher mit den älteren Spielern hat. Sah man ein Silberstreif am Horizont, als man den FC St. Pauli auf dem Tivoli zum Rückrundenbeginn niederrang, kehrte sehr schnell wieder Ernüchterung ein als die Ergebnisse ausblieben. Das letzte Mittel Trainerentlassung erfolgte wohl zu spät, Ralf Aussem wurde neuer Coach aber ohne Zauberstab. Zumindest kehrte mit ihm die Euphorie zurück das man es doch noch schaffen könnte. Aber was monatelang nicht funktionierte im Spiel kann auch ein Ralf Aussem nicht in wenigen Wochen geradebiegen. Enttäuschend ist aber auch das gerade die älteren Spieler versagten und nicht in der Lage waren zu führen. Die ganze Aufarbeitung der Misere wird noch Wochen in Anspruch nehmen. Alemannia wird komplett von vorne anfangen müssen, ausgestattet mit einem Drittliga Etat in der oberen Hälfte. Wie gut das dann auf Anhieb funktioniert muss sich noch beweisen. Mahnendes Beispiel ist Arminia Bielefeld, die fast durchgereicht wurden nach ihrem Zweitligaabstieg 2010/2011. Schwere Wochen werden auf alle zukommen, es werden viele Tränen fließen wenn das unvermeindliche eintritt. Ich hätte es mir nicht ertäumen lassen, das ich nochmal einen Abstieg aus der zweiten Liga mitmache nach 1989. Nach der tollen Zeit des Wiederaufstiegs 1999, dem erreichen des DFB Pokal Endspiels in Berlin 2004, die UEFA Cup Spiele 2005, der Aufstieg in die Bundesliga 2006. Ab da erfolgte der schleichende Niedergang, der nun seinen Höhepunkt im Abstieg aus der zweiten Liga münden wird. Der Tivoli Neubau tat sein übriges mit einem wahnwitzigen Finanzkozept was dem Verein den Hals zuschnürte. Auch hier hofft man noch auf Konsequenzen, die schon viel zu lange aufgeschoben wurden. Sonntag gibt es den Matchball gegen den KSC und die Frage ob danach Gewißheit besteht, oder doch noch die allerletzte Hoffnung aufkeimt beim finalen Saisonabschluß beim TSV 1860 München.