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Mrz 31 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia im freien Fall Richtung Abstieg

Alemannia sagt langsam aber sicher adieda zur zweiten Liga. Mit einer weiteren Niederlage gegen Dynamo Dresden (0:1) ist man nun ganz unten angekommen. Hilfllos, planlos und kopflos trat man gegen einen Gegner an, bei dem man eigentlich den Bock umstossen wollte gegen den Abstieg. „Alle gemeinsam für den Klassenerhalt“ lautet das Schlagwort, bis auf die Mannschaft selbst setzten das alle um. Dank verbilligten Tickets kamen 18.500 Zuschauer zum Tivoli, vor dem Spiel machten die Anhänger einen tollen Support. Ja es war fast wie in den guten alten Zeiten. Jeder wusste um was es ging, der letzte Strohhalm sollte ein Sieg gegen Dynamo Dresden sein. Da diese nun auch gerade nicht die stärksten sind, und zumal schon im gesicherten Mittelfeld rangieren, waren die Voraussetzungen nicht schlecht. Ein kleines Trainingslager in Genk unter der Woche sollte den letzten Schliff und die nötige Motivation geben. Allerdings als man die Aufstellung sah vor dem Spiel, musste man sich fragen was sich Herr Funkel da wieder ausgedacht hat, in seiner guten Absicht. Benny Auer als einzige Sturmspitze, Anouar Hadouir dahinter sollte die kreativen Ideen bringen. Ich hätte es doch etwas offensiver erwartet in Anbetracht der Situation.

  

  

Die erste Halbzeit ist schnell zusammengefasst. Alemannia begann schwung- und druckvoll, allerdings nur bis hinter der Mittellinie, dann war schon wieder Schluss. Was sicher wirkte waren meist die Rückpässe, nach vorne vertändelte man den Ball. Die Idee das man über die Aussen angreift wurde zaghaft gezeigt, meist versuchte man es doch irgendwie durch die Mitte wo man sich dann an dem dicht gestaffelten Dynamo verfing. Seltene Ausflüge über die Aussenspieler brachten kaum was ein, deren Flanken in den Strafraum war eine Beleidigung für den Ball. Teilweise hatte man 67% Ballbesitzt und machte nichts draus. Weil auch Dynamo wenig machen wollte und nur zaghaft sich rantastete an dem Alemannia Tor, plätscherte das Spiel so vor sich hin. Eine richtige Torchance war nicht auszumachen. Die Ideenlosigkeit war auch gleichzeitig das offen zur Schau stellen der wochenlangen Harmlosigkeit. Sobald der Sechszehnmeter Raum in Sichtweite kam waren die Alemannen Ganzkörperblockiert. Hatte jemand mal eine „kreative“ Idee verstanden es die Mitspieler nicht und der Ball trudelte ins Niemandsland. Was am meisten nervte war aber die gemütsruhe der Alemannen, deren Körperhaltung und Sprache entsprachen dem eines 4:0 Zwischenstandes. Dem ein oder anderen könnte man schon leichte Aroganz vorwerfen, wenn sich dieser den Ball vorlegte und stehenblieb. Um was zu tun? Am besten wieder hintenherum…soll doch der andere was mit dem Ball machen. Man war froh als der Schiedsrichter endlich zur Pause pfiff.

 

Nach der dürftigen ersten Halbzeit hätte man nun ein Feuerwerk erwartet. Hey Alemannen, es geht um alles! Wo zeigt sich das Trainingslager im Spiel? Es ward nicht gesehen an dem Abend. Nach 55 Minuten gelang der erste halbwegs brauchbare Schuss auf das gegnerische Tor durch Anouar Hadouir. Auch wenn der Schuss zu harmlos war, es war die beste Aktion von dem Niederländer der mehr durch Lustlosigkeit glänzte. Dynamo Dresden kam nach rund einer Viertelstunde mal raus über die eigene Hälfte, dank alemannischer Hilflosigkeit, und dribbelte sich bis zum Tor vor. Dedic mit einem Schussversuch den unser zweitligatauglicher Boy Waterman noch gerade so abwehren konnte (wenn auch dummerweise genau zum Gegner). Aber wie das bei uns in der Abwehr ja immer so ist, man guckt zu und läßt den Gegner alle Optionen offen den Nachschuss zu verwerten. Trojan flankt den Ball wieder vor das Tor wo Dedic sträflich ungedeckt ins Tor köpft zum 0:1. Überraschenderweise reagiert unser Coach sofort und bläst zur Offensive. Sergiu Radu und Marco Stiepermann kommen ins Spiel, und tatsächlich…für ganze drei Minuten erzeugt Alemannia Druck und zwingt Dynamo zu fehlern. Da wäre fast der Ausgleich gefallen, aber unser Stürmer Benny Auer schafft es tatsächlich den Ball milimeter neben dem Pfosten zu setzen. Nun wurden auch die leichtesten Pässe schwer und ziellos irrte man nun Richtung Dynamo Tor ohne Plan im Kopf. Da die Dynamo Abwehr nun auch nicht zu besten der Liga gehört war es schon Lächerlich das man diese kaum mal in Verlegenheit bringen konnte. Ein einziger Patzer verschaffte Sergiu Radu den nötigen Raum um aus 6m den Ball in die Südtribüne zu schiessen, statt in das Tor! Hach was waren das damals noch Zeiten als man die Brechstange rausholte und alles auf einer Karte setzte. Vorbei die Zeiten wenn man heute sieht das man sich sogar bei einem läppischen Einwurf noch die Zeit nimmt das ein anderer besser einwerfen kann. Ohne jegliche weitere Torgefahr lief die Uhr ab für unsere Alemannia. Man war bemüht, aber selbst das Bemühen reicht nicht mehr aus um das Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Die Spieler wirken ratlos, der Trainer sieht ein gutes Spiel, und der Sportdirektor hat entdeckt dass das Vertrauen in seinem Trainer schwindet.

 

Schon nach dem Spiel gegen Union Berlin hab ich die Hoffnung aufgegeben das diese Mannschaft noch die Fähigkeit besitzt den Klassenerhalt irgendwie zu schaffen. Mit der Niederlage gegen den FSV Frankfurt und der Niederlage gegen Dynamo Dresden wurde dies bestätigt. Selbst ein Trainingslager hat nicht den Ansatz eines positiven Effekts hervorgerufen. Die Stimmen nach dem Spiel, besonders die von Mirko Casper, sagen viel aus. Man ist ratlos. Der Trainerwechsel von Jungtrainer Peter Hyballa zum Trainerfuchs Friedhelm Funkel verpuffte wirkungslos. Die Mannschaft scheint untrainierbar zu sein uns ressistent gegen jegliche Maßnahmen die eigene Motivation voranzustellen. Gestandene Spieler mit langjährigen Bundesligaerfahrungen sind derart desolat das man fast Mitleid mit ihnen kriegen muss. Wenn dann noch selbst die Gästespieler von der bedrohten Existenz der Alemannia reden, kann man dies eigentlich nur noch wortlos zur Kenntnis nehmen. So weit ist es schon gekommen. Unsere Kicker sind bestimmt alles gute Einzelspieler, als Mannschaft aber völlig inkompatibel. Nun kann man ergründen woher die Miesere kommt und das Begründen mit der These das die Abgänge von Zoltan Stieber und Marco Höger plus Tolgay Arslan nicht kompentsiert werden konnten. Es ist zu einfach es an drei Spieler festzumachen, aber irgendwo hängt der Funke der Wahrheit offensichtlich doch daran. Wann haben wir diese Saison ein exellentes Flügelspiel gesehen? Wann haben wir mal eine Ecke gesehen die Gefahr für die gegnerische Abwehr brachte? Wann waren Freistösse, direkt oder indirekt gefährlich? Mit ganz wenigen Außnahmen sind wir eigentlich das Paradebeispiel für Harmlosigkeit. Lange profierte man davon das es noch fünf Mannschaften gab die schlechter waren. Das hat sich aber mittlerweile gewandelt. Während die Konkurrenz Woche um Woche wichtige Punkte einfährt schauen wir trostlos hinterher. Nun hat auch noch Hansa Rostock, den man ja schon abgeschrieben hat, einen wichtigen Dreier bei 1860 München geholt und rückt bis auf zwei Punkte an uns heran. Sollte am Sonntag tatsächlich der KSC gegen Union Berlin gewinnen rutscht man ab auf Platz 17. Und schon eine Woche später könnte dann tatsächlich der letzte Platz winken. Von den angestrebten Relegationsplatz sollte man sich auch besser nicht den Klassenerhalt erhoffen. Man stelle sich vor unsere desolate Mannschaft spielt gegen einen hochmotivierten Aufstiegskandidaten aus der 3. Liga. Ich mags mir nicht vorstellen. Sportdirektor Erik Meijer berichtete auf der Alemannia Jahreshauptversammlung das die Situation einigen Spielern am Arsch vorbeigeht. Friedhelm Funkel kann oder will das nicht bestätigen. Ja was denn nun? Der Alemannia Aufsichtsrat diskutierte Freitag und Samstag ohne Ergebnis wie es nun weitergeht. Weiter die Daumen drücken und hoffen dass das Wunder noch passiert? Oder doch nochmal den Trainer wechseln? Man munkelt das U23 Coach Ralf Aussem kommende Woche in Ingolstadt auf der Trainerbank sitzen wird. Neben ihn könnte dann entweder Erik Meijer himself oder U19 Coach Rainer Plaßhenrich sitzen. Die Frage ist ja immer was nun die richtige Lösung ist. Die Lösung mit Ralf Aussem könnte ich mir gut vorstellen, er kennt den Verein und die Spieler und kann selbst seine U23 Schützlinge einsetzen. Diese sind im Gegensatz zu den Profis erfolgreich in der NRW Liga. Ein Neuaufbau könnte genau mit ihm erfolgen in der 3. Liga, gepaart mit motivierten U23 Spielern kann man wenigstens die Hoffnung haben das diese sich zerreißen werden auf dem Feld. Das muss man dem ein oder anderen Profi mittlerweile absprechen. Das schlimme dabei ist das man fast die Lust verliert sich diese Mannschaft weiter anzugucken. Ein Abstieg, so schlimm er auch werden wird, hätte wenigstens einen Vorteil. Alle die an diesem Übel ihren Beitrag dazubeigetragen haben sind dann auch weg. Es könnte ein Neuaufbau erfolgen, der allerdings wieder Jahre dauern würde ehe er Früchte trägt. Werner Fuchs würde sich im Grab umdrehen wenn er sehen könnte was aus seinem Traum geworden ist. Noch schlimmer ist ob es eine Alemannia überhaupt mehrere Jahre in einer 3. Liga geben kann. Ein direkter Wiederaufstieg wird es nicht geben, Arminia Bielefeld und RW Oberhausen zeigen wie es auch in der 3. Liga zur Sache geht. Die Situation ist trostlos und festgefahren. Ich traue der Mannschaft nichts mehr zu. Um aber wenigstens den letzten Funken Glauben, der ganz tief im Herzen steckt, erweckt zu werden erhoffe ich mir spätestens am Montag eine Signalwirkung seitens Trainerwechsel. Es muss was passieren, schlimmer als jetzt kann es sowieso nicht mehr werden. Denn bald reichen auch keine verbillgten Tickes mehr aus um die Laufkundschaft zum Tivoli zu bewegen.

 

Aus meiner Sicht würde der Mannschaft ein weiterer Trainerwechsel nicht helfen
(Alemannia Coach Friedhelm Funkel)