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Mrz 18 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia schafft sich selbst ab – Im Auge des Abstiegs

Das war´s dann wohl Alemannia. Nach dem 1:3 gegen Union Berlin hab ich den letzten Glauben verloren in der Mannschaft, die eigentlich garkeine Mannschaft mehr ist. Es sind noch 8 Spieltage zu absolvieren, eigentlich nur noch 6. Denn wenn man am 32. Spieltag nicht „gerettet“ ist, dann steigt man ab. Ausgehend davon das die potenziellen Absteiger dann bei den, bis dahin aufgestiegenen Teams antreten, werden dies sichere drei Punkte sein. Glaubt man nicht? Als Alemannia 2006 als Aufsteiger feststand haben wir auch nur noch im Trainingsanzug gespielt und die Punkte hergeschenkt, was interessierten uns Mannschaft die unten rum gurkten? Nun könnte es uns selber treffen. Aber soweit wird es vermutlich gar nicht kommen da der Ofen eh schon aus ist bis dahin. Am Freitag gegen Union Berlin hatte ich tatsächlich bis zur 41. Minute die Hoffnung das es drei Punkte werden. Sogar noch als mal mit einem Rückstand in die Halbzeit verschschwand. Doch 30 Sekunden nach Wiederanpfiff erstarb diese Hoffnung. Und das danach gezeigte Spiel unserer schwarzgelben ähnelte immer mehr dem eines taumelden Absteigers. Keine Ideen, keine Kreativität, kein Biss, kein Kopf hoch, keine Ärmel hochkrempeln. Man sah das sich Achenbach und Sibum auf dem Feld gegenseitig beschimpften, man sah das Demai und Odonkor ebenfalls nur gegenseitiges Kopfschütteln füreinander übrig hatten. Man sah wieder zuhauf Fehlpässe und den Tunnelblick der einzelnen Spieler. Alles Attribute die im Abstiegskampf verheerend sind. Zudem steht ein Trainer an der Seitenlinie der 10 Minuten bewegungslos dem Treiben seiner Mannen zuschaut. Respekt, ich wünschte mir auch diese äußerliche Gelassenheit! Warum und wie man wechselt erschließt sich mir sowieso nicht mehr seit Wochen, anscheinend hat es auch eine Order gegeben das wir nur noch zweimal auswechseln dürfen. Die Stimmen zum Spiel klingen auch immer mehr wie die Kapelle auf der Titanic. Es wird bis zum Schluß gespielt bzw. die Schönrechnerei („es sind ja noch 8 Spiele“) erzürnen mich von Woche zu Woche mehr! Kein Wunder, klingt doch alles danach wie 1989 als man aus der zweiten Liga abstieg. Da redeten die Spieler auch immer davon das man noch genug Spiele hat. Das Ende ist bekannt. Woher soll die Hoffnung oder der Glaube kommen das wir es doch noch irgendwie schaffen? FSV Frankfurt, FC Ingolstadt, MSV Duisburg, KSC lauten die Gegner. Wer glaubt ernsthaft das wir diese Spiele für uns entscheiden? Während Frankfurt und Ingolstadt punkten, schicken sich nun auch Duisburg und KSC an den Abstiegskampf ernst zu nehmen. Die einen haben Probleme im Sturm, die anderen in der Abwehr. Bei uns trifft alles zu.

 

Wenn man sieht wie und was wir für Gegentore kassieren, dann wird einem schlecht und es macht fassungslos. Da steht, notgedrungen, die erfahrenste Abwehr in unserer Reihen. Da glaubte man doch kaum das da eine Maus durchkommt. Und genau da kamen Chinedu Ede und Terodde durch und stachen zu. Besonders unsere „Axt“ Thomas Stehle ließ selbige zuhause und wurde nach Strich und Faden vernascht. Mirko Casper, anscheinend noch schwer beeindruckt aus dem letzten Spiel, irrte auch mehr rum als für Stabilität zu sorgen. Außgerechnet der Gästetorwart Glinker musste herhalten um nach 4 torlosen Spielen wieder ein Alemannia Tor zu bestaunen. Wie oft hat man sich gewünscht das mal so ein Eiertor für uns fällt. Nun war es soweit und hat doch nichts eingebracht. Da mühen sich unsere schwarzgelben 40 Minuten ab und schnüren den Gegner in die eigene Hälfte ein. Nur noch eine Frage der Zeit wann das Führungstor fällt. Und doch kam es wieder anders, Schlafmützigkeit und Naivität rollten den roten Teppich aus und luden zum Toreschießen ein. Union Berlin machte es der Alemannia wieder mal vor, abwarten auf die Gunst der Stunde und effektiv zuschlagen. Wenn es spielerisch nicht klappt dann muss man sich auf die Standards verlassen. Das war mal eine starke Tugend der Alemannia, ob Freistöße oder Eckbälle meistens war es ein Tor. Das haben wir nun aber schon lange nicht mehr gesehen. Man besitzt weder die Fähigkeit einen vernünftigen Eckball in den Strafraum des Gegners zu bringen, noch ist man in der Lage einen Freistoss direkt zu verwandeln. 12:3 Ecken in einem Spiel, Gefahr für den Gegner gleich Null. Man könnte auch den Ball direkt ins Aus spielen, es wäre kein Unterschied. Nach starken 45 Minuten ergab man sich 30 Sekunden später nach dem Wiederanpfiff vollendens. Timo Achenbach schaute Zoundi interessiert zu und begleitete ihn respektvoll solange bis er den Ball ins Tor zirkelte. Danach fielen unseren schwarzgelben auseinander und planlose Angriffe erfolgten. Selbst die Brechstange verkommt zu einem leicht knickbaren Stöckchen, da man diese erst garnicht herausholt. Am Ende des Spiels werden die wochenlang sich wiederholenden Phrasen in die Mikrofone gehaucht, und man solle doch bitteschön nicht so alles schwarz sehen. Am Freitag sah ich schwarz, schwarz für meine Alemannia das sie noch die nötige Kraft aufbietet um den drohenden Absturz in die dritte Liga (oder wo auch immer) abzuwenden. Während man die Spiele gegen die Konkurrenz als die Spiele aller Spiele ausruft, punktet die Konkurrenz bereits vorher da wo Alemannia mit Niederlagen von dannen zieht. Die Schlinge zieht sich unweigerlich zu, und ich hab den Eindruck das man noch mit dran zieht. Auch zwei Tage danach bin ich immer noch unglaublich frustiert, vor allem wenn man die Sonntagsergebnisse der anderen sieht. Und was kommt von Alemannia selber? Nichts, man hüllt sich in schweigen.

 

Wie konnte es soweit kommen? Schon die Vorbereitung auf die neue Saison ließ nichts gutes erahnen. Das wurde dann in den ersten Spielen auch bestätigt. Die Spieler Arslan, Stieb und Höger konnten nicht kompensiert werden. Dazu herrschte in der Offensive eine nie gekannte Torflaute. Der Jugendstil von Peter Hyballa wurde bald zwangsbeendet, das Motto auf Gedeih und Verderb verschwand in den Container. Nach gerade mal einem Jahr wurde das Konzept samt Trainer ad acta gelegt. Nun sollte es der erfahrenste Trainerfuchs richten, den man überhaupt bekommen kann. Friedhelm Funkel mit einem Erfahrungsschatz von mehr als 1000 Spielen als Trainer und Spieler sollte mit den ureigenen Methoden das Alemannia Schiff wieder flott kriegen. Es brauchte mehrere Anläufe bis sich halbwegs der Erfolg einstellen sollte. Die Weitsicht lag auf die Rückrunde, da sollte der schnelle Grundstein gelegt werden um unten rauszukommen. Dem zwischenzeitlich verpflichteten David Odonkor folgte im Winter noch Albert Streit. Wohlklingende Namen, Erfahrung pur aber ohne jegliche Spielpraxis. Nachdem man im Winter die Fehler des Jugendwahns korrigieren wollte (Leonard Hartmann und Fabian Bäcker verließen wieder den Verein, der großteil der anderen Neuverplichtungen dürften zur U23) fehlte es trotzdem an Alternativen für die Abwehr und den Sturm. In der Halle zeigte man hohe Fussballkunst (Sieger in Frankfurt, Zweiter in Essen) aber der Fokus lag auf den ersten Gegner im neuen Jahr FC St. Pauli. Die wurden tatsächlich auch mit 2:1 bezwungen, Alemannia spielte endlich so wie man es lange vermisst hat. Danach erfolgte aber wieder Magerkost, drei Unendschieden in Folge mit abschließenden drei Niederlagen in Folge. Die Konkurrenz patze, aber Alemannia schlug daraus kein Kapital. Trotz eines 12. Tabellenplatzes, und 2 Punkte bis Platz 16, schaute man tabellarisch nur nach oben anscheinend. Hieß es vorher das man 8 Spiele ungeschlagen war (bei 2 Siegen und 6 Unentschieden) heißt es seit Freitag wieder „seit 6 Spielen ohne Sieg). So schnell geht das. Seit heute sind die Würfel gefallen, die Konkurrenz hat die Zeichen der Zeit erkannt und punktet auch gegen augenscheinliche bessere Teams. Alemannia nimmt nun Platz auf Rang 16 und hat bereits drei Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Wenn man sieht wie die Konkurrenz kämpft, beisst und trifft ist das letzterer ein Attribut das unseren Kickern wieder abhanden gekommen ist. Für die Spieler sind es noch genug Spiele, für den Trainer keinen Grund schwarz zu sehen. Die Alemannia Fans wiederum bangen um ihren Verein, und niemand scheint ihre Sorgen ernsthaft anzunehmen. Gerade erst wurde die Sorge um die finanzielle Kraft des Vereins abgewendet, nun steht einem bei dem sportlichen Desaster die Angstperlen auf der Stirn. Eine mehr als verfehlte Einaufspolitik, Panikkäufe in Stars die mehr von ihrer Vergangenheit leben, und eine Mannschaft die als solche nicht zu funktionieren scheint. Alles denkbar schlechte Voraussetzungen um den drohenden Abstieg abzuwenden. Dazu kommt auch noch der Bruch innerhalb der Fangemeinde, man spricht nicht mehr mit einer Stimme sondern bekriegt sich im eigenen Stadion. Im Moment ist es einfach nur noch zum heulen wenn man sieht was aus dem Verein geworden ist. Vorbei die Zeiten des DFB Pokals, der UEFA Cup Spiele, die Rückkehr in die Bundesliga. Eine gute Zukunft stand der Alemannia bevor, in wenigen Jahren wurde daraus ein Scherbenhaufen gemacht. Vor den Trümmern einer geilen Zeit weht nun der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Viele Fans werden der Alemannia den Rücken kehren und nach Köln, Düsseldorf oder Gladbach ausweichen. Nur die treusten der Treuen werden auch den bitteren Gang in die mögliche dritte Liga mitmachen. Vielleicht ist es auch eine neue Chance den alten Mief und Klüngel auszutreiben der die Alemannia jahrelang blockiert hat. Ich kann es mir im Augenblick nicht Vorstellen das ich diesen vorgezeichneten Weg mitgehe. Aber wahrscheinlich werde ich im ersten Spiel gegen den FC Heidenheim doch wieder im Stadion hocken und den guten alten Zeiten nachtrauern. Und mich immer wieder Fragen wie es nur soweit kommen konnte.

 

 

 

Wir müssen dieses Spiel jetzt abhaken und nach vorne schauen.

(Timo Achenbach)

 

 Es sind noch acht Spiele zu absolvieren und wir haben noch alles in der Hand.

(Thomas Stehle)

 

 Ich habe keine Angst. (Erik Meijer, Alemannia Geschäftsführer Sport)

 

Man muss nicht alles schwarz sehen. Die letzten acht Spiele werden schwer, keine Frage. Aber wir werden die Stabilität wieder reinbekommen, um die nötigen Punkte zu holen. (Trainer Friedhelm Funkel)

 

Freitag beim FSV Frankfurt brauchen wir den Papst, den heiligen Geist, einen guten Schiri, gutes Wetter, und Gottes Daumendrücken!
(Dirk Förmer, Alemannia Fan)