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Mrz 08 2012

Kartoffelkaefer

Alemannia bekommt den Rettungsschirm mit 43:24 Stimmen

Die Stadt Aachen sagt Ja zum Alemannia Rettungsschirm

Alemannia hat es geschafft. Nach 210 Minuten, wo der Rat der Stadt Aachen im Rathaus tagte und das Schicksal der Alemannia in den Händen von 67 Ratsfrauen und Ratsmännern lag, fiel das Ergebnis positiv aus. 43 Ja Stimmen zu 24 Nein Stimmen, keine Enthaltung. Damit ist die Alemannia (vorerst) gerettet und kann ihre finanziellen Verbindlichkeiten vom Tivoli Neubau von 4,3 Mio pro Jahr auf 2 Mio Euro senken. Dazu kommen weiterhin die Betriebskosten des Stadions sowie die Miete für das angrenzende Parkhaus. Die Tivoli-Umfinanzierung steht somit auf soliden Füßen, denn 18,85 Mio Euro trägt die Stadt Aachen dazu bei indem sie eine neue Gesellschaft gründet und diese an die Alemannia Stadion GmbH ein Gesellschaftsdarlehnen vergibt in der genannten Höhe. Und das natürlich zu bedeutend besseren Konditionen als die jetzige Form der Finanzierung durch die Alemannia. Die selbe Summe von 18,85 Mio bringt Alemannia Hauptsponsor Aachen Münchener auf, der ebenfalls diesen Kredit zu deutlich besseren Konditionen der Alemannia Stadion GmbH zur Verfügung stellt. Die Laufzeit der beiden Darlehen wurde auf 45 Jahre ausgelegt, also genau jenen Zeitraum die die Nutzungsdauer des Stadions darstellt. Damit werden die bestehenden Kredit der Banken abgelöst die Alemannia in ein zu enges finanzielles Korsett pressten. Die restlichen 8 Mio Euro hat Alemannia durch einen privaten Investor beigesteuert, darin enthalten sind auch die 4,3 Mio Euro zur Rückzahlung der Fan-Anleihe 2013.

 

Alemannia Geschäftsführer Frithjof Kraemer, der unglaublich gute Arbeit leistete!

Erleichterung pur um kurz vor 19:30 Uhr, als die Entscheidung verkündet wurde. Alemannia ist gerettet, sie hätte sonst Insolvenz anmelden müssen. Die DFL Lizenz zur kommenden Saison 2012/2013 war in Gefahr und wäre, basierend auf die finanzielle Schieflage, nicht erteilt worden. Schon im Winter 2011 deutete die DFL ihr Nein an, als Alemannia schon mit 800.000 Euro im Rückstand geriet in der laufenden Spielzeit. Da die ganze Finanzierung auf wackeligen Beinen stand, zudem der sportliche Niedergang bis in die Abstiegszone reichte, konnte Alemannia die Gelder nicht mehr aquirieren. Alle Schönrechnerei nutzte nichts mehr, die nackten blanken Zahlen sprachen eine deutliche Sprache. Wenn die Stadt Alemannia nicht unterstützt drohte das sportliche und vereinsmäßige Aus. Eine neue Alemannia in der 5. Liga wollte und konnte sich keiner Vorstellen. Alemannia funkte vor einem halben Jahr SOS an die Stadt und warf das Schuldenpaket auf die Rathaustreppe. Frei nach dem Motto, wenn ihr uns nicht helfen könnt dann ist euer Geld auch weg. Man erinnert sich, im April 2010 musste die Alemannia schon einmal den bitteren Gang an die Stadt antreten und um eine Bürgschaft in Höhe 5,5 Mio Euro bitten. Vorher hieß es großspurig das man nicht am Rande einer Insolvenz steht. Ganz weit davor hieß es auch das Alemannia jährliche Zahlungen von rund 6,5 Mio Euro problemlos Stemmen kann, selbst wenn man in der dritten Bundesliga spielen würde! Schon damals wurde das Finanzkonzept milde belächelt und Warnungen ausgeschlagen. Augen zu und durch. Wieder zurück im April 2011 musste man Gegenüber der Stadt Aachen dann doch einräumen das ohne Hilfe die Alemannia faktisch Pleite ist. Mit einem Sanierungskonzept stimmte der Rat der Stadt Aachen einer Ausfallbürgschaft von maximal 5,5 Mio Euro zu. Gleichzeitig wollte die Alemannia Gespräche mit Banken und Kreditgebern aufnehmen, um die Belastungen aus dem Stadionbau dauerhaft zu senken. Alles sah hübsch aus, man sah sich aus dem gröbsten hinaus und wollte mit vielen wohlwollenden Worten das Alemannia Schiff wieder auf Kurs bringen. Doch nur wiederum ein halbes Jahr später musste man bei der Stadt Aachen erneut Vorstellig werden. Die Bemühungen günstigere Kredite zu bekommen scheiterten, die finanzielle Belastung fraß den Verein mehr und mehr auf. Sollte es nicht gelingen die Belastungen auf 2 Mio Euro zu senken, wäre man nicht mehr in der Lage den Spielbetrieb und die Betreibung des Stadions aufrecht zu erhalten. Dummerweise stand man nicht nur finanziell am Abgrund, auch sportlich musste man sich mehr mit einem Abstieg befassen als mit einem vorderen Tabellenplatz. Einhergehend mit dem Zuschauerrückgang plus Mindereinnahmen im TV Ranking stand man nun mit dem Rücken zur Wand.

 

Die Stadt Aachen fühlte sich natürlich erst einmal vor dem Kopf gestossen, denn neuerliche Dokumente die das ganze miserable Ausmaß der Alemannia Finanzen auflisteteten wurden weiterhin verzögert bekannt gegeben. Auch wollte die Stadt nicht alleine im Boot sitzen und forderte das auch Sponsoren ihren Teil zur Rettung beitragen müssten. Die Landesbürgschaft sollte um weitere 20 Jahre gestreckt werden, immerhin 20 Mio Euro. Auch das Land NRW hatte Interesse daran das Alemannia nicht insolvent geht, denn dann wäre das Geld futsch gewesen. Sollte die Stadt Aachen das Stadion kaufen? Wenn ja mit welchen Mitteln und konnte man das der öffentlichen Hand überhaupt vermitteln? Nach Beratungen und verschiedenen Modellen einigte man sich am Dreiertisch darauf das Alemannia das Stadion weiter behalten und betreiben sollte. Eine Umfinanzierung der Kredite sollte nun das Heil bringen. Intensive Beratungen und Verhandlungen sollten in den zurückliegenden Monaten folgen, und wie die Kreditgeber am besten abgesichert werden. Denn da machte man sich nichts vor, eine Insolvente Alemannia würde neben dem Imageschaden der Stadt auch sofort ein Minus von 5 Mio Euro zur Folge haben. Daneben hätte man ein Fussball Stadion am Bein in dem niemand spielen könnte, und es auch nicht anders nutzbar sein würde. Von den entgangenen 700.000 Euro Gewerbesteuer Einnahmen ganz zu schweigen. Ebenfalls wäre der Sportpark Soers, den man mit Millionen aufgewertet hat seitens der Stadt, obsolet. Eine lange Kette von negativen Folgeerscheinungen würden sich aneinanderreihen. So musste sich die Stadt entscheiden, zwischen Pest und Cholera. Das Risiko bleibt nach wie vor bestehen das die Stadt am Ende, sofern Alemannia zukünftig nicht in der Lage sein wird mit dem Geld zu wirtschaften, doch auf einem Stadion sitzen bleibt mit all dem finanziellen Verlusten die eine Insolvenz der Alemannia mit sich bringt. Da nutzt auch ein Grundbucheintrag wenig, denn wer will schon ein Stadion kaufen und betreiben wo sich mehr Regenwürmer rumtreiben als spielende Fussballer Beine? Eine schwere Entscheidung für die Ratsmitglieder die heute doch für einen neuen Versuch zur Gesundung der Alemannia beitrugen.

 

Spatenstich zum neuen Tivoli

Rückblickend muss man festhalten dass das neue Stadion mehr Fluch als Segen für die Alemannia geworden ist. Aber hatte man damals, im Jahre 2004 eine andere Wahl? Die DFL (Deutsche Fussball Liga) hob schon da mahnend den Zeigefinger das Profifussball im alten Tivoli bald nicht mehr möglich sein wird. Ein neues Bundesligataugliches Stadion musste her. Mit den DFB Pokal und UEFA Cup Einnahmen sah man sich seitens Alemannia nun gerüstet ein neues Stadion zu bauen. Und letztendlich wurde es durchgeboxt, egal wie und mit Augen zu und durch. Netterweise war der Alemannia Aufsichtratschef auch gleichzeitig Oberbürgermeister der Stadt Aachen. So ging alles reibungslos durch, denn man wollte Alemannia unbedingt in der Stadt und am alten Standort halten. Alemannia selbst hatte zwischenzeitlich sogar über einen Umzug außerhalb der Stadt nachgedacht. Dazu kam ein Geschäftsführer, der blind im guten Glauben in Vorleistung trat und Geldmittel aus dem Alemannia Säckel bereitstellte, der sich später wundern musste das er das ausgegebene Geld nie wieder sehen würde. Denn das wurde verwendet damit die Rodung des neuen Standortes schneller voranschritt und auch die Kleingärtner schneller das Feld räumten und ihren neuen Standort bezog. Das alles wurde mit zusätzlichen Geld ausgeschmückt damit die Arbeiten am neuen Stadion schneller voran gingen. Und zum guten Schluß kam dann der Finanzplan, den wer auch immer sich ausgedacht hat in dem guten Glauben das ein kleiner Zweitligist problemlos 6,5 Euro stemmen konnte. Das selbst Bundesliga Vereine weniger als die Hälfte an ihrem Neubau zahlten (wenn man mal die Vereine nimmt die das Stadion als eigener Bauherr bauen ließen) schien man nicht als „seltsam“ zu erachten. Kurzum, die finanziellen Probleme waren und sind alle Hausgemacht. Wenig bis garkeine Transparenz, Konzepte die mehr Verwirren als dienlich sind, hinauszögern von finanziellen Nachweisen bis hin zu Mauscheleien und Klüngel innerhalb des Vereins. Unser typischer Klömpschenklub halt den wir dennoch so lieben. Von daher war es heute eine gute Entscheidung im Rat der Stadt Aachen. Ob man allerdings damit die Kuh vom Eis bekommen hat? Ich wage keine Prognose ob Alemannia nun wirtschaftlich und sportlich wieder in gesicherte Fahrtwasser kommt. Die finanzielle Rettung steht erst einmal, die sportliche birgt noch große Fragezeichen mit sich. Sollte Alemannia tatsächlich in dieser Saison sportlich absteigen, ist der Rettungsschirm schon obsolet. Ein Ritt auf einer sehr heißen Rasierklinge wird folgen, und das noch auf Jahre hinaus. Denn Alemannia muss mindestens 20 Jahre im Profifussball verbleiben und gut wirtschaften. Der Hauptsponsor Aachen Münchener, der ja ebenfalls 18,85 Mio Euro beisteuert, hat sein Engament um weitere drei Jahre verlängert. Allerdings nur wenn Alemannia weiterhin in der zweiten Liga bleibt. Was mir viel größere Sorgen macht ist aber der Umstand das in der Alemannia Führungsetage weiterhin Leute arbeiten dürfen die nun bewiesen haben das sie in ihrem Job untauglich sind. Kritik kam von den Stadtvätern und Müttern ebenfalls an einer gewissen Person im Alemannia Umfeld. Und nicht nur dort wird dies kritisch gesehen, aber der Alemannia Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Meino Heyen ist (zur allgemeinen Verwunderung) voll des Lobes für den gescholteten! Was soll man da noch sagen…..ich freu mich auf dem 29.03.2012…wenn die Alemannia Jahreshauptversammlung ansteht.

 

2 Pings

  1. Laut WDR: Alemannia wendet Insolvenz vorerst ab

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  2. Michael Servos | Nachbericht zur Alemanniarettung

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