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Feb 05 2012

Kartoffelkaefer

2:1 Heimsieg nach der Winterpause – St. Pauli schockgefrostet

Endlich ist die Winterpause wieder vorbei, keine Testspiele mehr die eh wenig aussagen und keine Infos aus diversen Trainingslagern wie es denn den Spielern geht. Ab diesem Wochenende sprachen wieder nackten Tatsachen auf dem grünen Rasen. Wobei, der Rasen auf unserem Tivoli war alles andere als Grün. Ramponiert, als wäre eine Horde Büffel drübergelaufen und an 2/3 des Platzes nagte sich der Frost an den Grashalmen fest. Wozu haben wir eigentlich eine Rasenheizung? Haben wir etwa doch keine oder ist sie nur kaputt? Die Temperaturen waren jedenfalls eisig, und Respekt an die 22.753 Zuschauer die sich „freiwillig“ im Tiefkühlschrank Tivoli begaben. Sollte wenigstens unsere Alemannia die Herzen erwärmen. Jetzt geht es um alles. 15 Spiele in der Rückrunde die die miserabele Hinrunde vergessen machen sollten. Mit Albert Streit, einziger Winterneuzugang, wurde die große Hoffnung verbunden dass das Team von seiner Erfahrung profitiert und er der neue Lenker und Denker wird im Angriffsspiel. Vor Beginn des Spiels gegen den Bundesliga Absteiger und Aufstiegsfavorit FC St. Pauli sollte der Alemannia Fan aber noch neues erfahren. So wurde in der Winterpause die Trainerbank, immerhin schon ganze 2 Jahre alt, runderneuert. Statt einer langen wolligen Bank fand sich nun Rückenschonende bequeme Sitze wieder, die für schlanke 40.000 Euro gesponsort wurden.

Wer erinnert sich nicht an das Debakel vom 17.08.2009 gegen den FC St. Pauli? Zur Tivoli Premiere des neuen Stadions gab es vor ausverkauften Haus eine saftige 0:5 Klatsche, zudem stürzte nach dem Spiel ein Pauli Fan von der Fanbrüstung aus dem Gästeblock und zog sich schwere Verletzungen zu. Kein schöner Abend, beileibe nicht. Sowas darf sich natürlich nicht wiederholen, auch wenn die Vorzeichen zu dem gestrigen Spiel alles andere als gut waren. Eine in Abstiegsnot rangierende Alemannia gegen den Top Favoriten aus Hamburg St. Pauli deren Ziel die schneller Rückkehr in die Bundesliga ist. Bei frostigen Temperaturen kamen die Hanseaten besser auf dem gefrorenen Geläuf zurecht während unsere schwarzgelben erstmal abwartend schauten was die Paulianer so zu bieten hatten. Defensiv stabil stehen war wohl die oberste Parole von Coach Friedhelm Funkel, der Albert Streit gleich ins linke Mittelfeld aufbot.St.Pauli schien auf dem rutschigen Untergrund besser ins Spiel zu kommen, das taten die schwarzgelben allerdings ihnen bald gleich. Das Pressing und gute Stellungsspiel der Hintermannschaft ermöglichte immer mehr die Angriffe nach vorne. Alemannia drückte und St. Pauli wurde mehr und mehr nach hinten gedrängt. Besonders Neu-Alemanne Albert Streit setzte immer wieder starke Impulse nach vorne, und leitete das 1:0 quasi selber ein. Nach Zuspiel auf Bas Sibum hatte dieser das Auge für den nun freistehenden Albert Streit im Pauli Strafraum. Mit einem hohen Ball über die verdutzte Abwehr spielte er den Ball auf Streit zurück. Nach der Ballannahme rauschte Paulis Zambrano heran und grätschte Streit einfach um. Der Schiri zögerte nicht lange und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Eine klare Sache wo es aber auch nichts zu diskutieren gab. Benny Auer schnappte sich den Ball, und sein platzierter Schuss ins linke Eck besorgte das 1:0 nach 13. Minuten. Während die Hamburger sich noch am sortieren waren rollte schon die nächste Angriffswelle der Alemannia auf sie zu. Mit dem wohl schönsten Spielzug des gesamten Spiels, und das auf dem gefrorenen Boden, holten unsere schwarzgelben zum Doppelschlag aus. Aimen Demai und Sergiu Radu spielten den Doppelpass, am Strafraum angekommen vernaschte Aimen noch den letzten Abwehrspieler und zirkelte den Ball platziert ins lange rechte Eck zum 2:0. Der Tivoli stand nun Kopf und man rieb sich doch verwundert die Augen. Wow Alemannia, was für eine Show. Von dem Aufstiegsfavoriten aus Hamburg sah man nichts mehr, gedanklich erwärmte man sich schon auf die Rache für das damalige 0:5.

Mit dem zwei Tore Vorsprung im Rücken, und den besten 30 Minuten des Spiels, ließen es unsere Kicker nun gemächlicher angehen. Unverständlich eigentlich aber wiederum typisch. Man zog sich zurück und lauerte nun auf Konter während St. Pauli das Heft des handelns nun inne hatte. Die großen Möglichkeiten gab es zwar nicht, aber sie näherten sich dem Alemannia Tor nun immer mehr. Je größer der Druck wurde desto wackeliger wurde auf einmal die Abwehr, die nun alle Mühe hatte den Ball kontrolliert aus der Gefahrenzone zu befördern. Der geneigte Alemannia Fan wusste nun was das bedeutete, man bettelte wieder um das Gegentor. Und nach einer Serie von Eckbällen, wo die Hintermannschaft nicht den sicheren Eindruck vermittelte und den Ball unkontrollierte ins Nirwana beförderte, nutzten die Paulianer die Unsicherheit zum überraschenden Anschlusstreffer kurz vor der Pause. Unverstädlich das Alemannia nach tollen 30 Minuten auf einmal so wieder einknickte. Auffällig war der Bruch besonders nachdem Albert Streit (rechts) mit Alper Uludag (links) die Seite wechselte. Mit dem knappen Vorsprung ging es dann in die Pause.

Während St. Pauli das Kommando direkt wieder übernahm standen die schwarzgelben hinten sicher. Nach erneuten Positionstausch zwischen Uludag und Streit (Funkel musste dies wohl auch erkannt haben) konnte man zumindest immer wieder kleine Nadelstiche setzen in der Pauli Abwehr. Während die Hanseaten sich immer wieder festrannten an die kompakte Defensivreihen kamen unsere Kicker ebenfalls nicht mehr oft zum Zuge. Fehlpässe hier, zu langer Ball dort. Pech hatte St. Pauli als der eingewechselte Saglik das vermeindliche 2:2 erzielte, und wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Das war aber auch die einzige Nachlässigkeit die Alemannia zuließ, man stand nun kompakt sicher in der Abwehr. Dennoch neigen immer wieder einzelne Spieler dazu Harakiri zu spielen in ihren Klärungs- oder Spieleröffnungszügen. Je näher die 90 Minuten ran rückten desto besser auch wieder die Stimmung im Stadion. Nachdem der vierte Offizielle auch noch drei Minuten Zugabe verkündete wurde es nochmal ein richtiges Kick and Rush. So wie der Ball von den Hamburgern in den Strafraum befördert wurde, so entschlossen hauten die Abwehrspieler den Ball wieder in die selbige Richtung zurück. Die Ex-Alemannen Marius Ebbers (unser Schreckgespenst) und Florian Bruns konnten diesmal nicht feiern. Dafür aber die rund 20.000 Alemannen mit ihrem Team das den großen Favoriten mit 2:1 besiegte. Ein Wertvoller Sieg, vor allem in Anbetracht das die direkte Konkurrenz ebenfalls ihre Spiele gewann. Mit nunmehr 18 Punkten bleibt man auf Tabellenplatz 14 und hat nun 3 Punkte Vorsprung auf den Relegationsabstiegsplatz. In der kommenden Woche muss man in den Osten Reisen zu Energie Cottbus. Wenn man dort auch drei Punkte entführen kann, ja dann kann man optimistischer in den kommenden Spielen blicken und den Heimsieg gegen St. Pauli versüßen.

 

Alemannia:
Waterman, Falkenberg, Feisthammel, Olajengbesi, Demai, Achenbach, Sibum, Uludag (79. R. Fardi), Streit (89. Kratz), Auer, Radu (90. Junglas)

St.Pauli:
Pliquett, Volz, Zambrano (46. Morena), Thorandt, Funk, Bruns, Boll, Kruse, Daube (70. Schindler), Ebbers, Naki (57. Saglik)

Tore:
1:0 Auer (14.), 2:0 Demai (16.), 2:1 Boll (39.)