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Dez 12 2011

Kartoffelkaefer

Ist der Ruf erst ruiniert – Alemannias Probleme mit den eigenen Fans

Alemannias Fanszene ist bereits abgestiegen
-Dirk aka Klenkes-

Block S6 - Heimat der Alemannia Ultras

Eigendlich wollte ich ja was zum Spiel Alemannia vs Erzgebirge Aue schreiben. Aber neben den recht bescheidenen Auftritt der Mannschaft sollte der Fokus zum Ende der ersten Halbzeit im Alemannia Fanblock liegen. Es gibt ja einige Vereine die Probleme mit ihren Fans haben, aber wohl selten erlebt ein deutscher Profiverein Szenen die sich im Tivoli zugetragen haben. Alemannia und seine Fans wollen ja immer etwas besonderes sein, sich abgrenzen von anderen Vereinen. Was waren das im alten Tivoli noch für herrliche Zeiten als die Fans wie eine Wand hinter der Mannschaft standen. Das hat sich nun komlett geändert, ein schleichender aber wachsender Prozess. Die einzelnen Fangruppen sind sich schon länger nicht mehr „grün“, jeder Fanklub macht sein „eigenes“ Ding im Stadion. Stand man noch anfangs im neuen Tivoli zusammen auf der Südtribüne spaltete es sehr schnell auf. Die einen wollten mit den anderen nicht mehr, die anderen konnten mit den anderen nicht. So supportet jeder Fanklub nach eigenen gut dünken und untereinander ist man sich mittlerweile spinnefeind. Nun mündete das ganze in eine handfeste Auseinandersetzung, diesmal waren die Alemannia Ultras die leidtragenden und wurden „Opfer“. Schon komisch den Ultras mit dem Wort Opfer zu assozieren. Man kennt es ja eigendlich anders, Pyrotechnik und die ganzen Problemchen drumherum schiebt und schob man diesem Kreise immer eindeutig zu. Doch nun wurden sie im eigenen Block angegriffen, denn seit diesem Jahr stehen sie in der Kurve des Block S6 oberhalb. Den früheren Standort auf der Süd hinter dem Tor hat man aufgegeben, woran wiederum die Karlsbande nicht ganz untätig war. Seitdem nimmt man sie stimmungsmäßig gar nicht mehr wahr, außer wenn sie mit den Fahnen wedeln. Nun wurden sie anscheinend

Die Karlsbande stehen auf der Süd

am Sonntag infiltriert und es gab direkt Zoff der in der ein Handgemenge ausartete. Als der Störenfried aus dem Block verwiesen wurde machten sich einige aus dem O6 auf und „stürmten“ den S6 wo dann die Fäuste flogen. Der Alemannia Ordnerdienst und die Einsatzbereitschaft der Polizei hatte alle Hände voll zu tun die ausufernde Keilerei  zu unterbinden. Zudem flogen noch Wasserbomben aus dem naheliegenden S5 Block herüber, was unter höhnischen Rufen und beklatschen unterstützt wurde. Selten schämte man sich als Alemannia Fan der diese Szenerie aus den anderen Blöcken beobachtet. Was ist nur aus uns Alemannia Fans geworden? Verschrekte Kinder und deren Eltern, irritierende Fans und Verantwortliche blieben zurück. Mit solchen Szenen erweist man seinem Verein keinen guten Dienst, insbesonders wenn dieser gerade Eigenwerbung macht um finanzielle Sponsoren zu aquerieren. Später konnte man lesen das es wohl „Fans“ rechter Gesinnung waren die mit den Alemannia Ultras eine Rechnung zu begleichen zu hatten. Rechtsradikales Gesindel im Tivoli, die schwarzgelb tragen und die Alemannia Bühne ausnutzen für ihre „Spielchen“. So etwas geht überhaupt nicht, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Alemannia Verantwortlichen zeigten sich entsetzt und geschockt über das Geschehene im eigenen Stadion. Normal legt man großen Wert auf die Trennung zwischen den Heim- und Auswärtsfans. Unvorstellbar das man nun anscheinend die eigenen Fangruppen voreinander trennen muss. Die Dimensionen erreichen nun eine neue unfassbare Qualität. Das Alemannia schon seit langen Probleme hatte mit Fans rechter Gesinnung ist ein offenes Geheimnis. Das es aber nun in dieser Form eskaliert konnte man sich wohl nicht vorstellen. Nun ist striktes Handeln angesagt und vor allem ernsthafte Konsequenzen. Politische Gesinnungen haben im Stadion am allerwenigsten etwas zu suchen, vor allem wenn sie sich im rechten Spektrum abspielen. Alemannia-Präsident Dr. Alfred Nachtsheim und Alemannia Geschäftsführer Frithjof Kraemer kündigten unisono Konsequenzen an, ausgehend von der Analyse zu den Geschehnissen bis hin zum Stadionverbot. Schlimm das wir so etwas im eigenen Stadion erleben müssen. In anbetracht der wankelmütigen Alemannia, die um den Abstieg spielt, hätte man erwartet das die Fans wie eine Wand hinter ihrem Team stehen. Stattdessen fechten diese ihre eigenen Kleinkriege aus. Die vielbeschworene Alemannia Familie gibt es nicht mehr, nun sind die einzelnen Fangruppieren gefordert das man endlich aufhört mit dem Kleinkrieg untereinander und wieder einen Weg zueinander findet. Denn ohne den Alemannia Support sind die Voraussetzungen des Teams gerade zuhause äußerst schlecht. Da dachte man gegen 1860 das die Stimmung sich wieder zum besseren wendet, und nun das. So gesehen sind die Alemannia Fans schon abgestiegen! Ich bin gespannt ob es die ausgerufenen harten Konsequenzen nun wirklich umgesetzt werden. Alles andere wäre nicht tolerierbar!

Leider reichte es nur zu einem 1:1 gegen wackere Auer aus dem Erzgebirge

Doch nun noch kurz zum Spiel gegen Erzgebirge Aue. Diese wurden vergangene Woche mächtig verprügelt, auf dem Platz im Bochum. Mit 6:0 wurde man aus dem Stadion gefegt so das man geneigt war das nun die 3 Punkte sicher im Sack sind gegen einen angeschlagenen Gegner. Doch weit gefehlt. Alemannia konnte an die Form der letzten Woche nicht anknüpfen und mühte sich eine Halbzeit lang vergeblich gegen schwache Auer. Wieder fanden die Pässe selten ihren Adressaten, vor dem Tor agierte man zu umständlich und die Lufthoheit im Auer Strafraum konnte man kaum erklimmen. Nach der Pause schien der Gast aus dem Erzgebirge wohl etwas im Pausentee gehabt zu haben, denn nun spielten sie forsch und kombinationssicher nach vorne. Alemannia wankte ordentlich in der Abwehr und ging dennoch mit der ersten guten Chance in Führung. Diesmal zeigte sich Sergiu Radu als exellenter Vorbereiter auf Benny Auer, der den Pass elegant ins lange Eck beförderte zum 1:0. Wer nun glaubte mit dem 1:0 würde die Alemannia nun stabiler und konsequenter agieren wurde enttäuscht. Man verlor den Faden gänzlich und Aue übernahm immer mehr das Kommando. Das ausgerechnet eine Schlafmützigkeit zum Ausgleich führte ist irgendwie gewohnt in dieser Saison. Das allerdings ein eigener Balljunge die Vorlage gab zum Ausgleich, das war nun neu. Ein geklärter Ball an der Außenlinie war noch in der Luft als der Balljunge den neuen Ball schnell dem gegnerischen Spieler zuwarf. Während die Alemannia Spieler noch verträumt dem anderen Ball in der Luft bewunderten befand sich der andere Ball schon im Strafraum wo die Auer Spieler die Schlafmützigkeit der Abwehr ausnutzten zum Ausgleich. Das traf Alemannia wieder bis ins Mark und nun drängte der Gast aus dem Erzgebirge sogar auf dem Führungstreffer. Zum Glück scheiterten diese an der eigenen Unzulänglichkeit und hatten kurz vor Schluss Glück als Benny Auer mit einem Drehschuss an Aue Keeper Männel scheiterte, der den Ball noch um den Pfosten lenkte. Unter dem Strich ein verdientes Unentschieden was sich für Alemannia aber wie eine gefühlte Niederlage darstellte. Denn man konnte sich wiederum nicht absetzten aus der Abstiegszone, trotz das die Konkurrenz schön patzte. Man kletterte zwar auf Platz 14 aber konnte kaum punktemäßig Boden gutmachen. Da der FC Ingolstadt als Tabellenletzter den Aufstiegsanwärtern aus St. Pauli ein Bein stellte mit ihrem 1:0 Sieg, sind es nun wiederum 3 Punkte Abstand bis zum Tabellenkeller und der damit einhergehende roten Laterne. Nun muss man am kommende Wochenende bei starken Aufsteiger Eintracht Braunschweig etwas zählbares holen. Das wird nicht einfach werden auch wenn Coach Friedhelm Funkel die kleinen Schritte der Verbesserung ausmachte. Es müssen Punkte her, und da müssen alle mithelfen. Innerhalb und Außerhalb des Platzes. Die weihnachtliche Zeit sollte zur Besinnlichkeit genutzt werden damit im neuen Jahr endlich wieder alle an einem Strang ziehen. Das wäre mein persönlicher Weihnachtswunsch unter dem Tannenbaum!

Im Anschluß noch ein paar Bilder von Manni, dem ich hierfür Danke für das zur Verfügung stellen.

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1 Kommentar

  1. C. Hammer

    Es ist schon traurig, wie das beim Spiel gg Erzgebirge gelaufen ist. Damit meine ich vor allem den „Zerfall“ der Fans, wie du es am Anfang deines Blogs ja geschildert hast. Die späteren Prügeleien, waren dann aber noch der absolute Tiefpunkt, v.a. wenn man bedenkt, dass auch einfach viele Kinder und Familien im Stadion waren. Zur Zeit bieten die Fans wirklich den größte Diskussionsbühe im deutschen Profifußball.

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