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Dez 08 2011

Kartoffelkaefer

Alemannia Hinrunden Fazit nach dem Löwen Pieks

Es war die perfekte Vorlage für unsere schwarzgelben. Die direkte Konkurrenz auf einem Abstiegsplatz (FC Ingolstadt, Hansa Rostock, Karlsruher SC) patzen in ihren Spielen, so dass unsere Alemannia die große Chance hatte sich mit einem Sieg etwas abzusetzen aus der Abstiegszone. Allerdings war mit den Niederlagen auch klar das Alemannia zur Hinrunde nicht auf einem direkten Abstiegsplatz stehen würde. Ein gutes moralisches Zeichen, wenn auch die gesamte Hinrunde ein einziges Schaudern bedeutete. Nun kamen die Löwen zu Gast am Tivoli, und nach dem ersten Auswärtssieg in Karlsruhe sollten nun drei Punkte folgen. 1860 München reist mit drei Siegen im Gepäck an, zuletzt fügte man dem Bundesliga Absteiger und Top Favorit Eintracht Frankfurt die erste Saisonniederlage zu. Wie würde unsere Alemannia nun gegen die favorisierten Löwen auftreten, die in dieser Saison ein Wechselbad der Spielkultur durchlebte? Am Ende kam ein überzeugendes 2:2 heraus, auch wenn der erhoffte „Sprung“ sich aus dem Tabellenkeller abzusetzen misslang. Aber für die Moral und die unterstützenden Fans war es Balsam auf die geschundene Fußball Seele.

 

 

Zweimal konnte man einen Rückstand ausgleichen, machte überwiegend das Spiel und erspielte eine gute Anzahl an Chancen. Nicht wenige behaupten es war der beste Auftritt seit langem. Wobei das „seit langem“ mindestens so lange her ist wie die Saison angefangen hat. Langsam erkennt man System Funkel, das zwar nicht so erfrischend daherkommt in einigen Fachaugen, aber der Alemannia Truppe zumindest wieder auf den Richtungsweisenden Kurs führt. Die älteren Spieler sind nun mehr in die Pflicht und das Verständnis untereinander scheint auch wieder zu funktionieren. Selbst Spieler die lange das Tal der Unpässlichkeiten durchschritten haben zeigen nun von Spiel zu Spiel mehr Konstanz. Diese hat aber in der Abwehr immer noch nicht ihren Einzug gehalten. Die ungern gehörten Individuellen Fehler sind auch weiterhin die größte Gefahr im Aachener Abwehrverbund. Hier muss man den Hebel noch gesondert ansetzen. Das Spiel nach vorne ist auch noch teil im gemütlichen Zustand zu beobachten, aber der unlängst eingeführte

Sergiu Radu mit dem Tor des Monats?

Offensive Stil muss erst wieder abgewöhnt werden. Das ist auch nicht jedermanns Geschmack wenn der Ball durch mehrere Querpass Stafetten den Weg nach vorne findet. Zumindest konnte man aber beobachten dass das Angriffsspiel der Alemannia nun nicht mehr 90% linkslastig ist. Schön verteilt geht man nun über beide Seiten und trägt die Angriffe vor, wie lange haben wir das vermisst! Was braucht es einen Torgaranten Benny Auer, dem ebenfalls der „Riecher“ abhandengekommen war, wenn sein Sturmpartner Sergiu Radu nun für die Tore zuständig ist. Lange schüttelte man den verständnislosen Kopf das immer und immer wieder Radu neben Benny Auer auflief. Und jener Radu trifft nun wie er will seit vier Spielen, sogar mit der Chance auf den Titel „Tor des Monats“ (1:1 Ausgleich gegen 1860 per Seitfallrückzieher). Gegen die Löwen war ein spielerischer Unterschied nicht zu erkennen, das gibt Hoffnung gibt für die Rückrunde. Vielleicht wurde der Bock ja nun endgültig in die richtige Richtung geschoben. Auch die Fans fanden wieder ihren Spaß, die Stimmung auf den Rängen erinnerte an alte Zeiten und war bei 17.000 Zuschauern sogar besser als zwei Wochen zuvor im Heimspiel gegen die Zebras aus Duisburg. Dort waren gar 30.000 Fans zugegen was sich leider nicht im Support niederschlug. Man schöpft wieder Mut und neue Motivation im Abstiegskampf. Denn die Spieler zeigen nun dass sie doch besser können als das was sie in der Hinrunde gezeigt haben. Trotzdem zählt nun das kommende Heimspiel gegen Erzgebirge Aue, das erste Spiel der Rückrunde. Eine Woche später verabschiedet man sich in die Winterpause nach dem Auswärtsspiel in Braunschweig. Wenn man aus den beiden Spielen noch 4 Punkte holen würde, dann könnte man fast zufrieden die Weihnachtsruhe genießen. Dann wird es drauf ankommen das man die Rückrunde anders gestaltet und so schnell wie möglich die nötigen Punkte holt um den Klassenerhalt zu sichern. Denn der Tanz auf der Rasierklinge bis zum Schluss will wohl niemand ernsthaft miterleben sondern die Saison einigermaßen zuende bringen und dann nie mehr daran zurückdenken!

 

Ein WM Star in Aachen - David Odonkor

Man fragt sich immer noch wie es soweit kommen konnte, wie eine homogene Mannschaft mit großen Ambitionen so versagen konnte? Stellte man in den ersten Spielen noch das Pech und Ungeschick in den Vordergrund, lobhudelte sich selbst weil man besser spielte als es die Tabelle aussagte, erfolgte mit jeder weiteren Niederlage die große Ernüchterung. Einzig unser neuer Torwart Boy Waterman glänzte mit guten Paraden und zeigte welch Qualitäten er hat. Mit nur einem geschossen Tor bis zum 9. Spieltag ging man in die Bundesliga Geschichtsbücher ein, noch nie war eine Bundesliga- oder Zweitliga Mannschaft so harmlos im Sturm. Der blanke Hohn war es das ausgerechnet ein Abwehrspieler (Tobias Feisthammel) der gefährlichste Stürmer war, obwohl er eigentlich in der Abwehr spielt. Und es sollte bis zum 12. Spieltag dauern ehe der erste Sieg in der Liga eingefahren war (3:1 Heimsieg gegen FC Ingolstadt). Da war Coach Peter Hyballa allerdings schon längst beurlaubt, nachdem man am 7. Spieltag nach dem 0:0 in Paderborn die Reißleine zog. Zuerst sah es wirklich so aus als hätte es am Trainer gelegen, unter Interimscoach Ralf Aussem gelang gegen den Tabellenführer SpVgg Greuther Fürth ein respektables 0:0 mit gutem Spiel. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße, mit Trainer Fuchs Friedhelm Funkel blieb die Spielkultur weiterhin mehr als bescheiden. Mit dem Sieg in Karlsruhe am 16. Spieltag und der besten Saisonleistung gegen 1860 München konnte man schon die kleine Handschrift von Funkel erkennen. Es kommt wieder System in der Mannschaft, die nun auch nicht mehr zusammenklappt wie ein Kartenhaus nach einem Rückstand. Und das ist was man im Abstiegskampf auch braucht, den unbändigen Willen und Biss. Diesen konnte man in allen Gesichtern erkennen als Bas Sibum mit seinem ersten Tor den Ausgleich kurz vor Schluss erzielte. Noch immer fragt man sich aus welchem Grund ein Bas Sibum geholt wurde, der als defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehr für Stabilität sorgen sollte. Nur mühsam passte er sich dem Spiel der Alemannia an und glänzte meist durch undurchdachte Spielöffnungen oder direkte Fehlpässe in des Gegners Füße. Aber gegen 1860 zeigte er warum er vielleicht doch wertvoll für die Mannschaft sein kann. Das er dort hin grätscht wo es weh tut, genauso einen hatte man vermisst. Dass er den Gegner auch nachhaltig attackiert, das will man sehen. Und das er sich eine Gelbe Karte abholt, weil sein Mannschaftskollege gerade im Vorwärtsgang gepatzt hat, das zeigt die Qualitäten eines Abräumers. Allerdings muss das offensive Spiel und die Pässe noch verbessert werden. Da gibt es noch Potenzial nach oben. Es sind halt feine kleine Details eines jeden Spielers deren Verbesserungen ein Friedhelm Funkel herauskitzelt. Und es wird wohl auch das sein woran die Mannschaft an einem Peter Hyballa gescheitert ist. Ein junges Team, gespickt mit erfahrenen Spielern die ihre Präsenz nicht zeigten samt einem unerfahrenen Trainer im Profi-Fußball. In den Stunden der Erfolgs war alles gut und schön, doch je mehr die Niederlagen aufaddiert wurden desto größer wurde auch die zwischenmenschliche Kluft zwischen Trainergespann und Team. Es war dann irgendwann auch der Hang zur Lächerlichkeit wenn die Spieler stets darüber sinnierten das man eigentlich besser war als es der Tabellenplatz aussagte. Irgendwann konnte man es einfach nicht mehr hören und irgendwann war dann auch Schluss mit Lustig. Das Unternehmen „junge Wilde“ mit der

Boy Waterman - Alemannias Nummer 1

Parole „Auf Gedeih und Verderb“ wurde nach einem Jahr vollständig in die Tonne geworfen. Das musste auch der Geschäftsführer Sport Erik Meijer schmerzlich erkennen als das Alemannia Schiff zu kentern begann. Das ist nicht einfach und birgt Risiken ob solche Schnellschuss Entscheidungen zünden. Bei Alemannia zündet man diese Saison in allen Bereichen sehr spät. Aber sehr spät ist zum Glück noch nicht zu spät. Unter dem neuen Trainer Friedhelm Funkel dauerte es auch bis sich die ersten kleinen Veränderungen einstellten. Ein neuer Mix hielt Einzug, erfahrene Spieler mit jungen Wilden. Funkel setzt auf Erfahrung und nicht auf Experimente. Mit der Verpflichtung von Ex-Nationalspieler David Odonkor (noch unter der Ära Peter Hyballa) erhoffte man sich genau diese Erfahrung. Was David kann zeigt er in Ansätzen, aber seine alte Form ist noch lange nicht zurück. Wie auch, nach mehrjähriger verletzungsbedingter Abstinenz auf den Fussball Bühnen Europas. So muss er nun meist mit der Bank vorlieb nehmen, aber wer weiß wie gut erholt er in die Rückrunde startet. Nun aber scheint man auf dem richtigen Weg zu sein, der Weg zurück ins Mittelfeld der Liga. Aber das müssen unsere Herren Profis nun Woche für Woche beweisen mit ihrer Leistung. Die ganze Hoffnung ruht nun auf die Rückrunde mit der Rückkehr der verletzten Spieler und eventuell mit zwei neuen Spielern. Denn von einigen Spielern wird man sich auch trennen wollen und den 29 Mann umfassenden Kader verkleinern.  Wenn Alemannia den Klassenerhalt packt wird sich auch die Alemannia Führungsriege rühmen können alles richtig gemacht zu haben, auch wenn man es falsch angepackt hat. Und man wird sicherlich dafür zu sorgen haben das sich so eine Saisonhälfte nicht wiederholt.

3 Kommentare

  1. Guido

    Nein, ich mache aus den Kommentaren hier keinen Chat. Ich möchte mich nur kurz bedanken, dass mein Kommentar eingestellt und gelesen wurde.
    Und Klenkes sei gesagt, die Sorge darüber, dass die Stadt Geld verlieren könnte, tritt nur zutage, wenn es um die Alemannia geht. Über den sonstigen Haushalt der Stadt und dass vielleicht auch anderswo Geld unnütz verloren geht, informiert sich kaum jemand. Nur wenn es um das Unternehmen an der Krefelder Straße geht, argumentiert man mit den Sorgen um das geld der Stadt.

  2. Guido

    Am vergangenen Sonntag habe ich mal wieder den Tivoli besucht und gutes Geld für eine miserable Darbietung gezahlt. Es geht mir hier nicht um die Höhe der Eintrittspreise, die im Stadion die Kluft zwischen Arm und Reich mehr als deutlich werden lassen. Denn die Plätze der mittleren Kategorien sind ja weitgehend unbesetzt.

    Nein, ich ärgere mich das Marketing-Märchen, wonach die Zuschauer ihre Mannschaft unterstützen müssten. Ich werde im Stadion gebraucht wegen des Eintrittsgeldes, als Konsument von Werbung und um den Herren im VIP-Bereich eine Kulisse zu bieten, über die sie sich dann erhaben fühlen dürfen – mehr nicht.

    Das Spiel der beiden Mannschaften hat mit mir nichts zu tun. Wir alle könnten gleich drei Schals und mehrere gelbe Mützen tragen, es würde am Spiel und am Ergebnis nichts ändern. Wäre es anders, so könnte man behaupten, das schlechte Spiel der Alemannia liegt am schlechten Gesang ihrer Zuschauer. Eine Gesangsaubildung möglichst vieler Fans würde dann zwangsläufig zum Gewinn der Champions League führen.

    Mir tut das leid, wie viele Zuschauer sich da bei jedem Heimspiel auf die Stehtribüne zwängen lassen. Ich selbst bin dazu über gegangen, mich neutral zu kleiden und mich in den Gästeblock zu stellen. Da habe ich mehr Platz und es ist einfach gemütlicher. Zuletzt habe ich dort 14,50 € bezahlt und fühlte mich von dem Spiel gegen Aue gar nicht gut unterhalten. Ich hätte mir mit dem Geld einen prima Kinoabend genehmigen können. Oder ich hätte ins Theater gehen können. Für weniger als 14,50 € bekomme ich da echte Leistung geboten und darf auf gepolsterten Sitzen Platz nehmen. Und in der Pause bekomme ich an der Bar den Service geboten, der auf dem Tivoli nur den oberen 1000 unserer Stadt geboten wird.

    Nein, allmählich bin ich es leid, mir für gutes Geld auf dem Tivoli die Beine in den Bauch zu stehen oder mir wenigstens auf harten Sitzschalen den Hintern abzufrieren. Wenn ich überlege, wie oft ich ein gutes und packendes Spiel gesehen habe, so fällt mir nur das Heimspiel gegen Mainz vor einigen Jahren ein. Traurig, dass ein Spiel wie gegen 1860 schon als „Gutes Spiel“ bezeichnet wird. Es war schlecht, langweilig und hatte nur als Spannungsboden die Frage, wie wird dieser Mist wohl ausgehen?

    Als begeisterter Fußballanhänger komme ich so zu der Meinung, es wäre besser, die Stadt würde nicht noch weiteres Geld in den Unfug an der Krefelder Straße schießen und stattdessen vielleicht noch irgendwo einen Kindergarten oder einen Jugendtreff bauen.

    Wer engagierten Fußball sehen will, der kann derzeit nach Mönchengladbach fahren oder sich mal auf den Amateurplätzen der Region umsehen.

    1. Kartoffelkaefer
      Kartoffelkaefer

      Ich kann deine Enttäuschung und Frust gut verstehen, dennoch ist es das was einem zum Tivoli hinzieht. Man erlebt immer eine Überraschung. In Sachen Stadt Aachen und deren mögliche Beteiligung sei gesagt das die Stadt mehr zu verlieren hat wenn Alemannia Pleite geht. Dann werden die von dir genannten Kitas auch nicht gebaut weil das Geld dann erst recht fehlt. Die Medaille hat immer zwei Seiten, und man sollte nicht vergessen das der damalige OB mitverantwortlich ist für das jetzige Dilemma. Man kann nur hoffen das für beide Seiten eine Lösung gefunden wird. Im Interesse aller.

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