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Nov 28 2011

Kartoffelkaefer

Alemannia holt „sechs Punkte“ – The cat is in the sack

 

Na endlich, das viel beschworene “6 Punkte Spiel” im Karlsruher Wildparkstadion konnte gewonnen werden, auch wenn es nur drei Punkte dafür gab. Wie sagte Trainer-Legende Giovanni Trapattoni so schön? „The cat is in the sack“. Nun stehen unsere schwarzgelben wieder über dem „Strich“ und haben die direkten Abstiegsplätze inklusiv Abstiegsrelegationsplatz verlassen. Dabei war das Spiel alles andere als ein Leckerbissen, aber darum ging es auch nicht. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, und dann auch noch auf einem Gegner trifft der ebenso bereits nah an selbiger Wand steht, dann müssen die alten Tugenden mit Kampf, Biss und Blutgrätsche rausgeholt werden. Alemannia hat oftmals schönen Fußball geboten, wenigstens eine Halbzeit lang, und erlangte unter dem Strich keine Ausbeute. Vor allem die ominösen Schlussminuten brachten die Mannschaft um den greifbaren Erfolg. So wurden in schöner Regelmäßigkeit in Dresden und Frankfurt die Punkte hergeschenkt, auch in Bochum belohnte man sich nicht selbst als man in der letzten Minute einen Elfmeter verschoss. Nun wurde gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Karlsruher SC das „6 Punkte Spiel ausgerufen“. Es war eigentlich nur die Frage wer von beiden Mannschaften den größeren „Köttel“ in der „Bux“ hatte.

 

Dies beantwortete zuerst Alemannia, in Gestalt von Tobias Feisthammel! Wie kann man nur wenige Minuten nach Spielbeginn einen solch katastrophalen Rückpass zum eigenen Torwart spielen! Zum Glück war KSC Stürmer Klemen Lavric so spielerisch minderbemittelt das er den Ball nicht an Keeper Boy Waterman vorbeibrachte und sich selbst ausmanövrierte. Also wenn ich Trainer gewesen wäre, der Feisthammel hätte nach 3 Minuten bereits ausgewechselt auf der Bank gesessen! Unfassbar wie man sich ständig solche haarsträubende Kapriolen leisten kann. In dieser Zeit hatte der KSC die besseren Chancen, zeigte aber mehr als deutlich warum man wie Alemannia so tief in der Tabelle steht. Da half auch der Trainerwechsel von Scharinger zu Andersen wenig. Man gönnte sich Luftlöcher im Aachener Fünfmeterraum, Ball weit über das Tor schießen und die besten Chancen neben das Tor zu setzen. Was die Karlsruher nicht selber vereitelten fischte unser Keeper Boy Waterman ab. Auch er erlaubte sich in Frankfurt eklatante Fehler, war nun aber wieder einer der besten. Ganz so wie es sich für einen Klasse-Torwart gehört. Wäre Alemannia in dieser Phase in Rückstand geraten, es wäre wohl vorbei gewesen mit den „6 Punkten“. Aber man wurstelte sich auf schwarzgelber Seite zurück ins Spiel und hatte dann das Glück des Tüchtigen. Zuerst überließ man es den Karlsruhern selbst für Spannung zu sorgen, als deren Keeper den Ball nach einer Flanke von Timo Achenbach ohne Not gegen die eigene Querlatte boxte. Da zeigte auch der KSC das man in Sachen haarsträubene Kapriolen nicht weit weg von der Alemannia ist. Kurz danach zeigte Alemannia das auch, hatte aber mehr Glück die staunende Abwehr des KSC mitten ins Herz zu treffen. Kim Falkenberg hatte sein Füßchen feinjustiert und brachte eine scharfe Flanke in den Karlsruher Strafraum. Unser Stürmer Benny Auer verknotete sich fast die Beine bei der Ballannahme, so dass der wegspringende Ball vor die Füße von Sergiu Radu landete. Der beförderte den Ball dorthin wo er hingehört, humorlos ins Tor zum 0:1. Sergiu Radu ist im Moment wieder im Aufwind und dankt es mit Toren, dafür hatte man ihn schließlich geholt. Das zeigte er bislang aber zu wenig seit er im Alemannia Dress rumläuft. Aber er ist einer der wenigen Lichtblicke deren Schein immer heller wird. Der KSC hätte führen können, weil man weniger „Köttel“ in der Bux hatte, aber die sonst so anfälligen Alemannen führten zur Halbzeit. Fußball Paradox das man so nicht kennt von unserer Alemannia. Eine der wenigen Chancen konsequent ausgenutzt. Wie lange hat man darauf müssen?

 

In der zweiten Halbzeit hätte wenige Minuten nach Wiederanpfiff unser Stürmer Benny Auer für Ruhe sorgen können. Eine Flanke von Radjabali-Fardi köpfte er aber knapp neben das Tor. Wäre ja auch zu schön gewesen den Sack zuzumachen. Alemannia machte es nun besser und kam immer wieder zu gefährlichen Angriffen die allerdings nicht zwingend genug waren. Während Reinhold Yabo sich schön durch die KSC Abwehr durchsetzte, endete sein Schußversuch am Außennetz. Dem KSC blieb mit fortlaufender Zeit nichts anderes übrig als alle Optionen der Einwechslungen zu ziehen. Aachen Coach Friedhelm Funkel konterte mit David Odonkor und Alper Uludag. Odonkor selbst hätte die Entscheidung auf dem Fuß gehabt, aber auch er scheiterte vor dem Kasten der Gäste. Dafür stand man bis zur 80. Minute fast sicher in der Abwehr und ließ den taumelnden KSC keinen Raum für Sperenzchen. Aber auch der KSC wusste das Alemannia gerne ihre Gegentore am Schluss einfing. So übte man den Druck in den letzten Minuten weiter aus und hatte wiederum Pech das ein Boy Waterman im Weg stand als Fink überraschend vor ihm alleine auftauchte. Die Hose war braun bei ihm und Waterman der Fels in der Brandung. Nun aber stach Alemannia beim Kontern zu in den Schlussminuten, eine gefühlvolle Hereingabe an den Fünfmeterraum durch David Odonkor verwertete Benny Auer mit seinem Knie zum 0:2. Nun war die Katze sprichwörtlich im Sack. Die letzten Minuten konnten heruntergespielt werden, auch wenn Spieler wie Kim Falkenberg gefühlte 15x auf die Uhr schauten. Denn so sicher wie ein 2:0 kurz vor Schluss ist, so sicher ist es das bei Alemannia nichts sicher ist. Der Schlusspfiff brachte die Erlösung und man konnte endlich nach langer Zeit mal wieder in lachende Gesichter blicken. Das Spiel wurde gewonnen, drei wichtige Punkte mitgenommen von der Konkurrenz, die Abstiegsränge verlassen. Was konnte man sich mehr wünschen.

 

Nun gilt es allerdings im letzten Heimspiel (am kommenden Wochenende) der Hinrunde gegen 1860 München nach zulegen. Sollte das gelingen muss man im ersten Spiel der Rückrunde, zuhause gegen Erzgebirge Aue, dann nochmal nach legen ehe man nach dem Auswärtsspiel in Braunschweig die Weihnachtskerzen anzünden kann. 7 Punkte aus den letzten drei Spielen bis zum Jahresende könnte eine Menge Luft verschaffen im Abstiegskampf. Nebenbei wäre es eine gute Werbung für mögliche Sponsoren, die den klammen Verein ein bisschen auf hübschen könnten. Aber, man darf sich von dem ersten Auswärtssieg in Karlsruhe auch nicht wieder blenden lassen! Um es mit den Schlussworten von Trainer-Legende Giovanni Trapattoni zu formulieren:

 

The cat is in the sack, but the sack is not closed. The cat is in, but it’s open. It’s a wild cat.