Nov 19 2011

Alemannia Countdown – Es ist drei vor zwölf

Alemannia ist nicht nur sportlich sondern auch finanziell in arger Schieflage. Das ist das beherrschende Thema seit Wochen und nirgendwo scheint im Moment Aussicht auf Besserung zu bestehen. Alemannia selbst sagt öffentlich überhaupt nichts, man erfährt  Neuigkeiten über die lokalen Medien. Nur ganz zaghaft vernahm man vor Wochen den Ausspruch von Alemannia Aufsichtsratchef Dr. Meino Heyen das man möglicherweise keine Lizenz für die 2. Bundesliga bekommen würde aufgrund der finanziellen Schieflage. Das neue Stadion hängt wie ein Klotz am Bein, jährlich müssen mehr als 5,5 Mio Euro bezahlt werden. Und das als kleiner Zweitligist. Selbst Borussia Dortmund zahlt trotz Champions League gerade mal weniger als die Hälfte für ihr Stadion. Die „Zahlenforscher“ von damals schweigen sich nun aus, denn ihnen hat man es zu verdanken das ihr Zahlenwerk davon ausging das Alemannia dies alleine stemmen kann. Wahrscheinlich hat man den „best case“ einfach mal angenommen und schon trug sich der neue Tivoli alleine. Damalige bedenken wurden erst gar nicht diskutiert sondern mit einer wegwerfenden Handbewegung ad acta gelegt. Nach dem sportlichen Fehlstart wurde auch das Konzept „Auf Gedeih und Verderb“ über den Haufen geworfen. Statt junge Wilde sollen es nun wieder alte erfahrene Hasen richten. Mangelnder Zuschauerzuspruch und weniger TV Einnahmen aus dem Topf lassen die Spirale ins Abseits weiter langsam drehen.

Ex OB Dr. Jürgen Linden war sich damals sicher das Alemannia auch in der 3. Bundesliga überleben kann

Die „Bettelei“ bei den Stadtvätern blieb vorerst ungehört. Wenn Alemannia eins gut kann, dann den schwarzen Peter anderen zuschieben. Selbst macht man schließlich keine Fehler. Und wenn diese gemacht werden war es sicherlich ein anderer gewesen. So bekommt man auch keine Schweißausbrüche wenn man einfach so sagt das die Stadt helfen muss, denn sonst ist der Ofen aus. Die Stadt sagt wenig und berät. Wie soll man der Alemannia helfen, wo man selbst beim eigenen Stadthaushalt Hilfe braucht. Ein Kauf des Tivolis um ihn dann zu verpachten? Oder dafür sorgen das Alemannia günstigere Konditionen bekommt um die jährlichen Belastungen auf 2,5 Mio Euro zu senken? Der Stadt wird nichts anderes übrig bleiben als irgendwie zu helfen. Mit der Bürgschaft steht man mit knapp 5 Mio Euro ebenfalls Gewehr bei Fuß, eine insolvente Alemannia hinterließ ein Stadion und ausfallende Einnahmen für die Stadt, die zudem einen wichtigen Werbefaktor verlieren würde. Die jährliche Pachteinnahme von fast einer halben Million Euro für das Parkhaus an die städtische Tochter Apag wären ebenso weg wie die Steuern und die Pachteinnahmen für das Tivoli-Gelände. Die Stadt kann also wählen zwischen Pest oder Cholera! Egal wie, sie wird am Ende immer der Dumme sein. Der, der es zu verantworten hat („Wir können problemlos mit diesem Stadion mindestens zwei Jahre in der 3. Bundesliga überleben“) schweigt sich aus. Der Ex-Oberbürgermeister ist eben raus aus dem Tagesgeschäft und als ehemaliger Alemannia Aufsichtsratsvorsitzender. Dieses Jahr wird nichts mehr passieren zwischen Stadt und Alemannia. Aber Anfang des kommenden Jahres müssen die Weichen gestellt werden, denn dann steht das Einreichen der Unterlagen ins Haus für das Lizenzierungsverfahren zur Bundesliga. Und spätestens dann muss Butter bei die Fische! Während die Stadt Aachen ihre Bürger gerade an einer Onlineumfragebeteiligt zum Thema „Wo soll die Stadt einsparen, wo soll sie Geld ausgeben“ sieht man auch bei unseren Stadtvätern und Stadtmüttern das transparente Kommunikation selten zur Stärke gehören. Ist man nicht gerade im „Bilde“ was die Alemannia so tut und macht, könnte man glatt glauben sie bekäme von der Stadt das Geld vorne und hinten reingedrückt. Wie soll der Bürger, der schließlich konstruktiv entscheiden soll, mit den spärlichen Informationen umgehen wenn er nicht so Alemannia interessiert sein sollte?

Der neue Tivoli - Finanziell ein Klotz am Bein

Anfang der Woche reiste man mit großer Delegation zum Wirtschaftsministerium des Landes. Neben einigen Landtagsabgeordnete waren auch Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer, Aufsichtsratschef Meino Heyen, Kämmerin Annkathrin Grehling vor Ort um zu beraten. Schnell wir klar das an einer insolventen Alemannia niemand Interesse hat. Kein Wunder, würde im Falle des Falles das Land mal eben 23 Mio Euro verlieren. Wie also bekommt man die Kuh vom Eis? Eine mögliche Lösung ist noch fern im Ministerium, aber ein gewisser Rahmen wurde schon aufgezeigt wohin die Reise gehen könnte. Alemannia könnte sich mit dem Mainzer Modell anfreunden, wenn denn die Stadt das Tivoli Stadion kauft und wiederum an die Alemannia verpachtet. Die Konditionen wären vertretbar mit 3,5 Millionen Euro Pacht (1. Liga) 2,5 Millionen Euro (2. Liga) und 1 Million Euro (3. Liga). Alemannia Aufsichtsratsvorsitzender Meino Heyen sind die Signale positiv:“Wir suchen nach einer Möglichkeit, die natürlich erstens rechtens ist und zweitens den Haushalt nicht belastet. Unserer Meinung nach ist das möglich.“ Ja, bei der Alemannia ist immer alles möglich, das ist gerade das fatale. Heute Morgen noch, bei Antenne AC (107,8) sprach Alemannia Pressesprecher Torsten Pracht sogar davon dass man selbst in der 3. Bundesliga überleben könnte, unter den aktuellen Bedingungen. Also da blieb mir fast der Kaffee im Hals stecken! Übrigens, aus dem Wirtschaftsministerium gab es eine Hausaufgabe für die Alemannia. „Bitte beschreiben sie das worst-case Szenario bzw. welche Zahlungen könnte der Klub in der 3. Bundesliga leisten“. Alle Alemannia Fans würden aufstehen, den Finger heben, und antworten „Nichts!“ Aber wie man ja gerade sieht, bei Alemannia rechnet man es sich eben wieder schön, et hätt noch immer jott jejange!!   Nunja, es wird ein heißer Winter plus Frühjahr werden. Man kann nur hoffen dass die richtigen Leute am Werke sind und etwas aus der vertrackten Situation machen. Und die Stadt soll sich weniger Gedanken machen um das Thema „Was passiert wenn wir helfen und Alemannia steigt trotzdem ab?“. Die beste Voraussetzung um in eigener Sache zu werben ist die sportliche Seite. Da muss Alemannia noch sehr viel tun und Klinken polieren. Die Hinrunde wird als schlimmste in der Alemannia Geschichte eingehen. Hoffen wir dass wenigstens noch ein weiterer Sieg herausspringt und man in der Rückrunde angreift. Denn sportliche Potenzial hat man im Kader und im Trainer liegen, also muss man da unten rauskommen. Stimmt die Begeisterung, wird auch die Sympathie wieder steigen und das verhandeln wird deutlich einfacher gestaltet. Aber zuerst muss die Alemannia was tun, nicht nur finanziell sondern auch sportlich. Am heutigen Sonntag könnte sie damit anfangen, ein Sieg beim Favoriten Eintracht Frankfurt wäre gut für die Moral und gut für den Geldbeutel, im Hinblick auf das nächste Heimspiel gegen 1860 München.   Reiner Calmund, vorgestern zu Gast bei Center TV im Rahmen seiner Buchvorstellung „Eine Kalorie kommt selten allein“, fand deutliche Worte Richtung Alemannia und Stadt. Da merkt man den Profi, der kein Blatt vor dem Mund nimmt und die Dinge so ausspricht wie sie sind. Ohne Schönfärberei und Schonungslos offen. So einen müsste man eigentlich an den Verhandlungstisch dabei haben! Im Videoclip könnte ihr euch selbst ein Bild davon machen.   Fachlich, Sachlich, absolut korrekt analysiert vom Calli: