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Nov 10 2011

Kartoffelkaefer

Nachblick – Nichts anderes im Alemannia Land

Joa, da bin ich wieder. Nachdem sich mein Provider endlich bemüht hat meinen Internetzugang umzuschalten geht es nun wieder weiter hier. Aber wie geht´s mit der Alemannia weiter?

Nichts neues und alles bleibt gleich. Die Alemannia kommt nicht weg vom Fleck aus den Niederungen des Tabellenkellers. Der Trainerwechsel vom jungen unerfahren Peter Hyballa zum alten Hasen Friedhelm Funkel verpuffte wirkungslos. War man sich sicher das der „Bock“ nach dem ersten Sieg gegen FC Ingolstadt umgestossen wurde, liegt der „Bock“ nun wieder schwer auf der Seite. Auch das 1000 Zweitligaspiel gegen den MSV Duisburg, immerhin ein Mitbewerber im Tal der Tränen, wurde nicht zur erhofften Wende. Das was sich geändert hat sind die Stimmen der Verantwortlichen nach den Spielen. Hatte der ein oder andere Spieler zu Anfang der Saison immer den flappsigen Spruch parat „Wir sind besser als es der Tabellenplatz aussagt“ heisst es nun „Auf der gezeigten Leistung können wir aufbbauen das wir da unten wieder raus kommen“. Aber wie immer gilt der Blick auf der aktuellen Tabelle die nicht lügt. Die dort nachzulesenen Zahlen lassen keine andere Interpretation zu. Alemannia ist nach wie vor einfach nur schlecht und steht zu recht auf einem Abstiegsplatz. Manche Spieler scheinen immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt zu haben. Selbst vor fast ausverkauften Haus reichte die Motivation nicht einen Mitbewerber um die Abstiegsplätze vom Tivoli zu fegen. Die berühmten Individuellen Fehler funktionieren bei unserer Mannschaft nahezu pefekt während das Spiel an sich stockt und meist im Ansatz steckenbleibt. Wurde in vergangenen Zeiten spielerische Mängel durch Kampf und Biss gewonnen läßt man es nun gemütlich angehen. Selbst in den letzten Minuten bleibt die Brechstange irgendwo in den Katakomben und es wird besser zum eigenen Torwart zurückgespielt als die letzte Chance zu nutzen. Hatte man noch mit „Preise wie gestern“ geworben gegen den MSV Duisburg um das Stadion wieder voll zu kriegen, erreichte man dieses Ziel mühelos. Für 5 bzw. 8 Euro läßt sich der Gelegenheitsfan und Enttäuschte nicht lumpen sich unsere schwarzgelben nochmal anzugucken. Volles Stadion motiviert die Mannschaft. Nach dem Spiel reifte die Erkenntnis bei unserem Geschäftsführer Sport allerdings das ein volles Stadion die eigene Mannschaft hemmt. Also doch besser vor knapp 12.000 Zuschauer spielen.

Die Stimmungslage auf den Rängen ist auch nicht besser geworden als die gezeigte Leistung auf dem Rasen. Da bekriegen sich die einzelnen Fangruppen gegenseitig und teilen sich in den Blöcken ganz neu auf. Die Ultras sind nun oberhalb des S6 und wedeln fröhlich mit ihren Fähnchen, anders würde man sie garnicht mehr wahrnehmen. Denn was sie dort Singen oder Rufen kommt erst garnicht an. Die andere Fanfraktion Karlsbande kommt auch nicht richtig durch, ehe es richtig losgeht verstummt man auch dort wieder. Ja, der Alemannia Support ist auch irgendwo auf dem alten Tivoli zurückgeblieben und wurde auch dort begraben. Aber mal ehrlich, wenn man unsere Spieler da auf dem Platz rumeiern sieht vergeht einem schon die Lust wenn man sieht das sie sich anstellen wie der ersten Menschen mit einem Fussball. Es kann und muss besser werden, die Frage ist nur wer zuerst den Funken zündet. Die Fans auf den Rängen oder die Spieler auf dem Platz?

Die finanzielle Lage der Alemannia bleibt weiterhin bedrohlich. Vor einigen Wochen gab es seitens der Alemannia den zarten Wink das die Lizenz für die kommende Spielzeit in Gefahr sei. Ebenso zart hofft man nach wie vor das die Stadt Aachen von sich aus kommt und die Alemannia „rettet“. Die Kosten des neuen Stadions erdrücken die Alemannia, und man sieht nun auch irgendwo ein das man wohl zu optimistisch davon ausgegangen ist in Summe 6 Million jährlich zu bezahlen. Dabei zahlt ein guter Bundesligist, der sein Stadion in Eigenbau finanzierte, nur mal knapp die Hälfte wie unser optmistischer ZweitligaKlub. Nun weiß man seit Monaten nicht wie man da wieder rauskommt. Verhandlungen mit Investoren und Banken wie man die Kredite gestreckt bekommt verliefen irgendwo und irgendwie im Sande. Die Informationen bleiben spärlich und spätestens gegen Ende des Jahres wird man wohl sehen wohin der Weg geht mit den Stadionkosten. Die Stadt Aachen, selber mit klammen Kassen, unterstützt aktuell die Vermarktungsgesellschaft des Avantis Gelände. Die sind auch mit knapp 7 Mio Euro in den roten Zahlen und dürfen nun auf Hilfe hoffen. Ob da noch Geld für Alemannia übrig bleibt? Die Stadt hat den schwarzen Peter, läßt man Alemannia Pleite gehen hat man ein Stadion am Hals was ohne Einnahmen ein zusätzlicher Klotz am Bein wäre. Hilft man der Alemannia kann man wenigstens in Zukunft am Stadion „verdienen“ und muss mit dem Zorn der nichtfussballerischen Bürger leben. Denn wenn Kitas, Spielplätze, Straßen und Schulen auf dem Plan stehen sieht die Alemannia da schlecht aus im Verständnis. Nicht nur dem Bürger muss man das erstmal klarmachen, nein auch den Regierungspräsidenten in Köln. Der hat schon seinen Rotstift griffbereit auf dem Schreibtisch liegen. In Sachen Nothaushalt kennt sich die Stadt Aachen aus schon gut aus.

Einige Meter weiter vom neuen Tivoli wird gerade der alte Tivoli eingeebnet. Der Kultkasten sieht aktuell aus wie nach einem Bombeneinschlag. Die Knochen sind noch sichtbar, der Rest schon irgendwo auf einer Deponie. Die Stadt Aachen hat keine Zeit zu verlieren wenn man den Zeitplan einhalten will. Denn dort wo der Tivoli jahrelang die Niederrungen und Höhepunkte der Alemannia miterlebte entsteht in Zukunft ein Wohn und Geschäftsfeld. Die Bagger leisten ganze Arbeit, die Tribünen und Dächer sind schon abgerissen und die nackten Wälle zeugen von einem schlimmen Bild. Nur die letzten Tivoli Enthusiasten werfen regelmäßig einen Blick dorthin wo man als Kind, Jugendlicher, Erwachsener sein halbes Leben gelassen hat. So einfach wie es war beim Neubau des Tivoli das Gelände zu betreten, so schwer ist es auf dem alten. Das musste auch ein Erik Meijer erfahren der doch heute glatt aus dem Baustellenbereich verwiesen wurde. Da half auch kein Telefonanruf, der Chef der Baustelle blieb hartnäckig. Warum soll es ihm besser gehen als mir?

Die Länderspielfreie Pause wird genutzt zum Feinschliff. In warmherzigen Tönen liest man auf der Alemannia Webseite das man nun am Passspiel feilt. Man könnte meinen Alemannia verbringt einen kleinen Urlaub und hält sich fit. Dabei steht der kommende Gegner Eintracht Frankfurt vor die Tür, und diesen Brocken wird man kaum schlucken können. Ich fürchte gar schlimmes in Frankfurt wenn man die Darbietungen und des spielerischen Stillstandes gegenüberstellt zu dem Bundesliga Absteiger. Noch drei Spiele dann ist die Hinserie um. Mit einem Sieg und bisherigen 9 mageren Punkten frage ich mich jetzt schon wie man in der Rückrunde die nötigen Punkte zum Nichtabstieg sammeln will. Gegen Top Teams sah man immer gut aus, zumindest konnte man Düsseldorf und Fürth einen Punkt abjagen. Aber die wichtigen Spielen gegen die direkte Konkurrenz wurden einfach versemmelt. Tödlich wenn man ganz unten steht. Während in Duisburg, Ingolstadt und Karlsruhe mittlerweile auch neue Trainer ihren Platz eingenommen haben wird man still hoffen das sich auch bei der Konkurrenz der Trainerwechseleffekt nicht auszahlt. Die nächsten Spiele in Frankfurt, zuhause gegen 1860 München und dann auswärts in Karlsruhe dürften eigentlich garnicht verloren werden. Ehe man formal in die Winterpause geht absolviert man im Dezember schon die ersten beiden Rückrundenspiele gegen Erzgebirge Aue (Heim) und Eintracht Braunschweig (Auswärts). 15 Punkte wären drin, die stille Hoffnung nagt das es wenigstens 5 werden was wiederum auch zu wenig wäre. Und unterm Tannenbaum wird man still ein Gebet sprechen das die Mannschaft wie verwandelt aus der Winterpause kommt und die Liga von hinten aufräumt. Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt. Ja, manchmal macht sich schon die Lustlosigkeit breit wenn man enttäuscht vom Tivoli von dannen zieht. Aber loslassen tun einen die schwarzgelben trotzdem nicht. Spätestens wenn man im Fan Shop ist kommt man nicht ohne leere Tüte wieder hinaus. Auch eine Art Unterstützung verbunden mit der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Bis zum Abpfiff…tschö wa!