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Okt 02 2011

Kartoffelkaefer

Wir sind Aachener und Ihr nicht !!!

Bester Torschütze - Abwehrspieler Tobias Feisthammel

So schallte es gestern Abend zwischen der 88. Minute und lange nach dem Abpfiff von den Rängen. Die Fan-Seele kocht und das merklich. Immer wenn in der langjährigen Geschichte der Alemannia diese Worte durch den Tivoli hallten war es nicht fünf vor Zwölf sondern 1 Minute vor Zwölf. Lange genug hatte das Fan-Volk geschwiegen zu den teilweise miserablen Leistungen. Von den Spielern kamen die Lippenbekentnisse das man eigentlich besser ist als es der momentane Tabellenplatz darstellte. Schon da wussten die ersten Fans das einige Spieler fern ab jeglicher Realität in ihren eigenen kleinen Microkosmos leben. Nachdem am 7. Spieltag weiterhin keinerlei Verbesserung zu sehen war setzte man Coach Peter Hyballa vor die Tür. Es stimmte nicht mehr zwischen Coach und Team, so die offizielle Vereinsaussage. Die Spieler sprachen sich mehrheitlich gegen den Coach aus, man musste reagieren. Tatsächlich sah es im Spiel gegen den Tabellenführer SpVgg Greuther Fürth so aus als würde die Mannschaft befreit aufspielen. Unter Interims Coach Rolf Aussem trotzte man dem Tabellenführer ein 0:0 ab, es hätte auch mehr dabei rauskommen können. Mit der Verpflichtung von Friedhelm Funkel erhoffte man sich die nötige Stabilisierung um sich aus der Abstiegszone zu entfernen. Doch schon das 0:2 bei Union Berlin offenbarte die schwächen der Mannschaft, die Premiere von Neu-Coach Funkel misslang. Natürlich, was sollte er auch bewirken nach drei Tagen Training mit der Mannschaft. Nun sollte im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt die Wende eingeleitet werden. Nach 1-10 Toren aus 9 Spielen sollte nun nicht nur das erste Heimtor fallen sondern auch die ersten drei Punkte. Eine Halbzeit sah das ganze auch halbwegs passabel aus, gegen abwartende Frankfurter gelang tatsächlich durch einen Abwehrspieler das erste Heimtor auf dem Tivoli zu erzielen. Nun sollte der Knoten platzen! Doch der Jubel wurde fast im Keim erstickt als im direkten Gegenzug fast der Ausgleich gefallen wäre. Spielerisch war das ganze auf schmaler Flamme gebaut. Schnelle Angriffe? Fehlanzeige! Überraschende Spielzüge oder Pässe? Fehlanzeige! Meist ging es von hinten heraus erstmal quer und wieder zurück, und das in aller Gemütsruhe. Wo war der Offensivfussball mit überraschenden Akzenten der letzten Saison hin? Kam ein Spieler über die Mittellinie war er schon mit seinem Latein am Ende, die untauglichen Versuche den Ball nach vorne zu passen schlugen meist fehl. Einzelaktionen und gar Kontergelegenheiten endeten in den Abwehrbeinen des Gegners. Machten diese allerdings Fehler konnte man es nicht ausnutzen. Andersrum zeigten die Frankfurter in der zweiten Halbzeit wie so etwas geht.

 

Überhaupt die zweite Halbzeit, man erkannte die Mannschaft nicht mehr wieder. Statt mit einem 1:0 im Rücken weiter den Gegner zu bearbeiten ließ man jenen besser ins Spiel kommen. Und anders als unsere Alemannia nutzen sie jeden Fehler gnadenlos aus. Nachdem man gerade in der Umschaltphase auf Angriff war vertrudelte Sergiu Radu den Ball. Er hätte soviele Möglichkeiten gehabt den Ball zu spielen anstatt ihn sich abluxen zu lassen. Schnell schalteten die Frankfurter um, Alemannias Abwehr war nicht nur gedanklich zu weit weg, so das Chrisantus prima ins lange Eck einnetzen konnte. Statt sich aufzubäumen machte sich der berühmte Küttel in der Bux bemerkbar und es gelang fortan fast nichts mehr. Das Chrisantus ungedeckt im 5m Raum das 1:2 köpfen konnte war schon Lächerlich. Das er später auch noch unbedrängt das 1:3 machen konnte setzte dem ganzen die Krone auf. Von Alemannia war kaum etwas zu sehen, der eingewechselte Odonkor hatte noch die beste Chance zum Ausgleich. Wie hilflos Alemannia nach 80 Minuten agierte trieb einem die zornesröte im Gesicht. Lange hohe Bälle in die Frankfurter Hälfte, meist auch noch blind gespielt sorgten kaum für Gefahr. Sie waren leichte Beute für die Frankfurter Abwehr. Einmal setzte sich Radu durch und konnte tatsächlich in die Mitte des 16ers passen. Benny Auer verpasste und weit und breit war kein anderer schwarzgelber zu sehen der diese gute Möglichkeit hätte ausnutzen können. Alemannia agierte wie ein Absteiger, da muss und kann man nichts beschönigen. Wären die Frankfurter stark gewesen, ok. Aber sie machten das was sie am besten konnten. Abwarten, lauern auf Fehler, zuschlagen. Das konnten sie perfekt, dank Unterstützung der Alemannia Defensive. Wenn man in der zweiten Halbzeit unsere Mannschaft gesehen hat muss einem nun Angst und Bange werden. Zwar wurde nach schier endlosen 655 Minuten wieder ein Tor erzielt, doch die Offensive bleibt weiterhin ein zahnloser Tiger. So ist ein Abwehrspieler der beste Torschütze des Teams mit zwei Toren. Wäre es nicht so traurig könnte man glatt darüber lachen. Ein Hallo-Wach Effekt durch den Trainerwechsel verpuffte wirkungslos. Ich glaube mittlerweile bereut Friedhelm Funkel schon das was er sich hier antut. Aus dem Mittelfeld kommt nicht eine kreative Idee, nichts überraschendes. Flankenläufe sieht man selten, und wenn dann fliegen die Bälle viel zu weit oder der Spieler versucht es durch die Mitte. Das Aufbauspiel besteht zumeist aus quer und zurückgespielten Bällen. Dabei ist ein großteil des Teams noch das selbige aus dem letzten Jahr. Haben sie alle das Fussballspielen verlernt in der Sommerpause? Oder stehen sie alle zusammen zum ersten mal auf dem Platz? Eine zusammengewürfelte Truppe von Antifussballern?

 

David Odonkor

Das sich nach dem Abpfiff die Volkes-Seele entlud war mehr als verständlich. Neben den lautstarken Rufen „Wir haben die Schnauze voll“ wurden die Spieler auch mit grellen Pfiffen ausgepfiffen. Das David Odonkor der erste war, der sich in die Fankurve traute ehrt ihn. Er kann am allerwenigstens dafür an dem Zustand der Mannschaft. Das die restlichen Spieler sich danach auch zaghaft vor den Fans stellten ehrt sie ebenfalls. Für den ein oder anderen Jungprofi dürfte diese eine ganz neue Erfahrung gewesen sein. Nichts mehr mit gehüpfe vor dem Block und Humba Tätterätee. Die Alemannia Fans können auch anders, ganz anders. Natürlich ist es unschön wenn Becher fliegen oder ein paar wenige versuchen auf dem Platz zu kommen. Aber kann man es den meisten wirklich verdenken? Der ein oder andere Fan steckt sein ganzes Leben in dem Verein, und sieht nun wie die verantwortlichen Spieler seinen Verein an die Wand fahren. Da dürfen sich die Profis auch mal ein paar unflätige Worte gefallen lassen, so spricht man eben hier in Oche! Bevor die Lage am Zaun eskalierte kam der Vermittlungsausschuss Erik Meijer himself auf dem Platz und beruhigte die kochende Fan-Wut. Es wirkt irgendwie komisch wenn man einen der maßgeblich an dem Trümmerhaufen seinen Anteil hat, mit Klatschen empfängt. Nun ist aber gerade Erik Meijer jemand der die Fan-Sprache versteht und ebenfalls markige Worte wählt. Nach fast einer halben Stunde beruhigten sich die Gemüter etwas, allerdings wurde die Mannschaft beim Abgang wieder mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet. Erik Meijer blieb und redete weiter mit den Fans. Wie soll es nun weitergehen? Die letzte Hoffnung besteht nun darin das man die Länderspielpause nutzt und an den Schwachstellen arbeitet. Aber zuerst bekamen die Spieler zwei Tage frei. Ich weiß nicht wie lange dieser Kuschelkurs gefahren werden kann. Die Spieler die verletzungsbedingt und aus anderen Gründen nicht dabei waren können froh sein das sie nicht im Schussfeld der Fans standen. Aber Friedhelm Funkel muss nun zusehen das er aus dem Pulk an Spielern aussortiert. Spieler die den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt haben gehören aussortiert. Spieler die meinen mit Alibi-Pässen und Alibi-Zweikampf über die Runden zu kommen gehören aussortiert. Ob das nun junge oder alte (verdiente) Spieler sind, es bleibt keine Zeit mehr für hängende Blicke in die glorreiche Vergangenheit. Es geht jetzt ums nackte Überleben, denn ein Abstieg kann und wird sich Alemannia finanziell überhaupt nicht leisten können. Schon jetzt gerät die finanzielle Schieflage weiter ins Trudeln. Abfindung für einen geschassten Peter Hyballa samt Eric van der Luer, Gehalt für Neutrainer Friedhelm Funkel und sinkende Zuschauerzahlen jenseits des kalkulierten Schnittes. Zur Zeit habe ich wenig Hoffnung das diese Truppe genug Eier hat um das sinkende Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Ich bin sogar schon soweit das ich meiner Mannschaft nicht mal 10 Punkte bis zur Winterpause zutraue. In zwei Wochen spielt man auswärts gegen Dynamo Dresden. Wenn es dort nicht zu einem besseren Auftritt reicht und nicht zu drei Punkten, dann mag ich nicht dran denken was dann hier los sein wird. Dann wackelt der Tivoli. Dresden, Ingolstadt, Bochum, Duisburg, so lauten die kommenden Gegner. Ich möchte nicht voraussagen wieviele Punkte aus den vier Spielen Alemannia holen wird. Momentan ist einfach nur bitter wie uns die Alemannia verkauft wird und wie trostlos sie daherkommt.