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Sep 13 2011

Kartoffelkaefer

Alemannia – Wenn der Koffer vor die Tür gestellt wird

Peter Hyballa wurde vor die Tür gesetzt, das Aus nach 14 Monaten

Da gab es heute Morgen ja einen Paukenschlag, den so niemand erwartet hätte. Alemannia trennt sich von Chefcoach Peter Hyballa und Co-Trainer Eric van der Luer. Da fiel einem fast die Kaffeetasse aus der Hand als die Meldung hereintrudelte. Das hatte man nun nicht erwartet. Natürlich greifen die Gesetztmäßigkeiten irgendwann beim Tabellenletzten der zweiten Liga. Nach dreimal 0:0 hatte man zumindest gedacht das erst nach dem Sonntagsspiel gegen den Tabellenführer Greuther Fürth etwas passiert, im Falle einer Niederlage. Doch offensichtlich hatte man es nun besonders eilig bei der Alemannia. Ich halte die Entscheidung für falsch, denn damit ist das Meijerische Konzept des Jugendsports und Alemannia als Ausbildungsverein gescheitert. Und das ganze nach knapp einem Jahr. Was letzte Saison noch alles gut war stellte sich nach 1:8 Toren und 3 Punkten nach sieben Spieltagen als miserabel heraus. Wie konnte es soweit kommen?

 

Auch Co-Trainer Eric van der Luer muss gehen

Als Peter Hyballa als neuer Trainer vorgestellt wurde am Tivoli, war das neue Alemannia Konzept längst in Stein gemeißelt. Erik Meijer hatte nach seinem Amtsantritt als Geschäftsführer Sport die neue Parole „Auf Gedeih und Verderb“ ausgegeben. Nach dem Ausmisten des Kaders wurde dieser mit Talenten, ablösefreien jungen Spielern bestückt. Mit jungen Spielern und alten Hasen als Säulen sollte die neue Alemannia geschaffen werden, im Zeichen des finanziellen Engpasses. Passend dazu kam nur ein Trainer in Frage der die Sprache der jungen Spieler versteht und diese fördert. Nach holprigen Start ging die neue Alemannia Mannschaft tatsächlich ab wie ein Zäpfchen. Offensiv Fussball, manchmal zu ungestüm, eroberte schnell die Herzen der Fans. Denn nach langer Tristesse von lahmen Zauber- und Pfefferfussball hatte man genug am Tivoli. Obwohl die tabellarische Leistung am Ende Platz 10 ausmachte, schaffte man es bis ins DFB Pokal Viertelfinale gegen den FC Bayern. Zuvor kegelte man Bundesligavereine wie FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt aus dem Pokal. Aber spätestens zur Halbzeit der Liga zeigte sich das die jungen Wilden ohne einen Chef auf dem Platz hilflos agierten. Marco Höger, Zoltan Stieber und Tolgay Arslan sorgten mit ihren Einzelaktionen für Furore. Das blieb anderen Vereinen nicht verborgen und so musste man sie gegen gutes Geld am Ende der Saison ziehen lassen. Die Analyse ergab das man die nächste Spielzeit besser abschneiden wollte, die jungen Spieler mussten nun die nächste Entwicklungstufe nehmen. Auch sollte der Kader nun mit erfahrenen Profis bestückt werden, die richtige Mischung sollte gefunden werden. So weit der gut gemeinte Plan. In der verkürzten Sommerpause zeigte sich allerdings schon die ersten Strukturbrüche im Team. Eine menge junger Talente wurde verpflichtet, auch gereifte Profis fanden den Weg zum Tivoli. Die Mannschaft erfuhr quasi einen Umbruch, gute Talente aus Bayern und Dortmund sollten es richten. Gestandene Zweitligaprofis wie Kim Falkenberg wurden trotz schwerer Verletzung verpflichtet. Der Kader blähte sich auf, man wollte Verletzungen adäquat ersetzen im Falle eines Falles. Verwundert nahm man zur Kenntnis das mit Boy Watermann ein Torwart ablösefrei verpflichtet wurde, der unlängst noch ganze drei Millionen Euro Wert war. Verwundert war man auch in den ersten Testspielen, eine neue Taktik und neues System zeigte sich als hakelich, vorne fand der Ball nur selten den Weg ins Tor. Lange Bälle in die Sturmspitze waren für einen Strafraumspieler Benny Auer unereichbar. Flügelspiel entstand mehr aus der Not heraus und so wurde die Testspielphase eher durchwachsen gespielt. Das erste Heimspiel gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig offenbarte die Schwächen der neuen Alemannia. Nichts mehr zu sehen von dem schnellen offensiven Fussball aus der vergangenen Spielzeit. So dümpelte man sich durch weitere Niederlagen und sehnte den lang gehegten Wunsch nach dem ersten Dreier herbei. Die Mannschaft trat phasenweise auf als hätte sie noch nie vorher zusammengespielt. Zudem patzten die jungen und alten Profis, den gegnerischen Spielern wurde es zu leicht gemacht. Im Alemannia Umfeld blieb es ruhig trotz des Katastrophenstarts. Trotzdem wusste auch Peter Hyballa das er den Gesetzmäßigkeiten des Profifussballs nicht entrinnen kann auf Dauer. Der Koffer konnte schonmal vom Schrank geholt werden. Nach weiteren drei Nullnummern, und einer nicht genutzten Länderspielpause wo man sich verbessern wollte, kam nun vor dem Spiel gegen den Spitzenreiter aus Fürth das Aus. Dabei hatte man gerade mit David Odonkor einen weiteren Spieler verplichtet der über die Aussen die nötigen Flanken bringen sollte. Erik Meijer, Geschäftsführer Sport, hatte aber offensichtlich genug gesehen und gehört. Am heutigen Morgen stellte er Peter Hyballa die Koffer vor die Tür. Gleichzeitig fand sich auch der Koffer von Co-Trainer Eric van der Luer vor der Tür. Als Grund wurde das schwindende Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Trainergespann genannt. Mit dem Mannschaftsrat hatte sich Erik Meijer vor und nach der Partie in Paderborn unterhalten. Fragwürdig allerdings das man davon auf dem Trainingsplatz nichts davon sah. Kapitän Benny Auer könnte aus verletzter Eitelkeit auch ein bisschen „interviniert“ haben. Benny Auer war lange schon im Zwist mit Hyballa, zuletzt musste er sogar öfters auf der Bank Platz nehmen. Komischerweise wirkte die Mannschaft geschockt als Botschafter Meijer die Entscheidung präsentierte. In der offiziellen Alemannia Pressekonferenz zeigte man sich nicht glücklich über die Situation. Es musste was passieren und man traute dem Gespann Hyballa und van der Luer nicht mehr zu das sie den Weg aus der Krise fanden. Mit Zustimmung des Alemannia Aufsichtsrats, vor dem Peter Hyballa noch seine Lösungen vorstellte, wurde das Kapitel „Jugend forscht“ beendet.

 

Erik Meijer, Geschäftsführer Sport, zog die Reißleine

Die eigene Analyse als Grund für den sportlichen Niedergang muss jeder für sich selbst finden. Aber zuviele Ungereimtheiten stehen als offene Fragen noch zur Disposition. Aus der Gerüchte Küche war zu hören das viele Spieler nicht mit Eric van der Luer einverstanden waren, er war ihnen zu grob und zu beleidigend. Nunja, daran müssen sich aber junge Spieler gewöhnen wenn sie die rauhe Bundesliga Luft schnuppern. Andererseits stand van der Luer anscheinend schon vor wenigen Wochen vor dem Aus als Co-Trainer. Wenn man beide Coaches nebeneinander sah konnte man sich schon Fragen wer ist der Chef und wer ist der Co? Beide gingen trotzdem Professionel damit um, allerdings forderte Peter Hyballa eine klare Hirachie, was legitim ist. So sollte er einen neuen Co-Trainer bekommen, was dieser aber nicht wollte. Mit Eric van der Luer verliert man nicht nur den Co-Trainer sondern auch den Chef des Nachwuchsleistungszentrums. Unglücklich und Dumm gelaufen. Allerdings muss man auch hinterfragen in wie weit sich Erik Meijer in die Arbeit und Zusammenstellung des Kaders eingemischt hat. Vor seinem Amtsantritt sagte er schon das er die Spieler nach Aachen holt und nicht der Trainer. Denn ein Trainer ist schnell weg, die Mannschaft aber bleibt länger. Schon letzte Saison wurde mit Thomas Zdebel ein alter Profi verpflichtet der überhaupt nicht in das Hyballa Konzept passte. Diese Saison wurde mit Bas Sibum ein Spieler verpflichtet der entgegen des Systems den Ball aus der Abwehr nicht nach vorne bringen kann. Wie sollte da das schnelle Umschalten funktioneren? Und wieso wurde diese Position neu besetzt, die mit Kevin Kratz und Manuel Junglas eigentlich gut funktionierte? Warum wurde ein Spieler verpflichtet der verletzt zur Alemannia wechselte? Insgesamt sieht der neue Alemannia Kader stark zuammengewürfelt aus. Die Spieler passen nicht zum System oder das System nicht zu den Spielern. Am Ende ist sowieso der Trainer der Dumme. Er wird strikt an Erfolgen gemessen die sich in Toren und Punkten in der Tabelle niederschlagen. Und da hatte Peter Hyballa nun ganz schlechte Karten. Die positiven Dinge die er der Alemannia wieder näherbrachte, sie hielten ganze 14 Monate. Peter Hyballa wird seinen Weg machen, das er es kann hat er bewiesen. Und wenn er befreit aus den Zwängen so agieren kann wie er sich das vorstellt, dann wird er auch noch bei anderen Vereinen von sich Reden machen. In Aachen war dies mit einem starken Erik Meijer nicht möglich, der sein System durchsetzten wollte. Er hatte das Budget, er hatte seine Vorstellung von der Alemannia, er hat die nötigen Spieler besorgt. Der Trainer war mehr der Gehilfe zum großem Ganzen. Nun muss auch Erik Meijer erkennen das sein neuer Weg durch ihn selbst beerdigt wurde. Die „Jugend forscht“ Philosophie gepaart mit dem „Auf Gedeih und Verderb“ Slogan kann nun in die Tonne wandern. Man wollte dem Trainer Zeit geben, auch Rückschläge würden einkalkuliert und man würde sich nicht beirren lassen von dem zwingend vorgeschriebenen Weg.  Der ist nun zuende, schneller als gedacht. Nun soll ein neuer erfahrener Trainer gefunden werden der die Alemannia aus der prikären (Tabellen)Lage wieder rausholt. Nur fragt man sich wie der neue erfahrene Trainer aussehen soll? Unterwirft er sich dem Meijerischen Konzept und läßt sich ebenfalls Spieler vorsetzen? Was macht der neue Mann mit dem vorhandenen Personal? Wird er aussieben im Winter um neues, besseres Personal zu holen? Und von welchen Geld? Erik Meijer hat sich mit der Personalentscheidung nun selbst ins Zielfadenkreuz gesetzt. Auch wenn der Aufsichtsrat der Alemannia um seine Verdienste weiß und ihn sehr schätzt, ihnen wird nicht verborgen geblieben sein das man nun vom eingeschlagenen Weg abgekommen ist. Welche Ausfahrt nimmt die Alemannia als nächstes? Und welcher Trainer springt auf einer längeren Reise ein? Auf Erik´s Schrank steht auch ein Koffer, und im Hintergrund wird schon irgendjemand sein der diesen gerne vor die Tür stellen würde. Vielleicht nicht heute, und auch nicht morgen. Aber bei nächster Gelegenheit könnte es soweit sein….