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Jul 25 2011

Kartoffelkaefer

Fehlstart – Alemannia unterliegt 0:2 gegen Braunschweig

Fehlstart in der Liga - 0 Punkte, 0 Tore

Platz 18, null Tore. Alemannia grüßt nach dem zweiten Spieltag vom Tabellenende. Konnte man in Aue, nach der 0-1 Niederlage, noch von „Pech“ sprechen zieht dieses Argument nach dem Braunschweig Spiel nicht. Die Mannschaft enttäuschte auf der ganzen Linie. Kopflos rannte man an, die Abschlussversuche grenzten an Verlegenheitsschüssen. Probleme an allen Stationen, das Mittelfeld war überfordert, der Sturm hing in der Luft und die Abwehrprobleme sind nach wie vor vorhanden. Die wenigen Möglichkeiten zum Tor vergab man fahrläßig. Läuferisch, spielerisch und Zweikampfverhalten waren teils nicht mal zweitligatauglich. Entweder passt die Mannschaft nicht zum taktischen Konzept oder das taktische Konzept nicht zur Mannschaft. Wo ist er hin der ungestüme Angriffsfussball aus der letzten Saison? Das er mit Zoltan Stieber nach Mainz abgewandert ist wäre wohl etwas zu billig. Benny Auer blieb wirkungslos, sein Nebenmann Marco Stiepermann mühte sich aber verdribbelte sich in den Braunschweiger Abwehrfüssen. Das Mittelfeld brauchte zu lange um den Ball entsprechend nach vorne zu spielen, man spielte lieber quer oder gleich ganz zurück. Bas Sibum, der neue Führungsspieler auf dem Platz, hatte bis zur seiner Auswechslung mit sich selbst zu kämpfen. Viele Abspielfehler und planlos nach vorne umschreiben sein Spiel. Über die Flügel ging kaum was, wenn dann über links. Aber auch dann nur bis zum 16er ehe der Ball wieder im Mittelfeld landete. Dort könnte ja jemand eine noch bessere Idee haben. Alper Uludag fing schon nach 70 Minuten an mit Verzweiflungsfernschüssen aus 30m, die aber auch noch geblockt wurden. Manuel Junglas spielte diesmal unaufgeregt und war einer der ganz wenigen die sich zum Ende hin noch wehrten und auch mal richtig den Gegner beackerte. Kevin Kratz hatte wohl auch nicht mitbekommen das er auf dem Flügel spielte, denn ihn fand man häufig in der Mitte. In der Abwehr zeigten Seyi Olajengbesi und Mario Erb das sie inkompatibel waren. Besonders der vorher hochgelobte Mario Erb patzte mehrfach und war teils zu zaghaft im Zweikampf. Öfters ließ er sich von Braunschweigs Stürmer Dominick Kumbela narren. So auch beim 0:1 wo er einfach zu „spät“ am Mann war. Lichtblick war einzig Keeper Boy Waterman der an den Gegentoren nichts machen konnte. Das auf seine direkten Vorderleute kein Verlass war zeigte sich spätestens als er ungestüm vom Gegner attakiert wurde. Normal greifen die Mitspieler für ihren Torwart direkt ein, nicht so bei der Alemannia. Da ist man sich anscheinend selbst überlassen. Bedenklich in Sachen Teamgeist.

Wir haben heute in der ersten Halbzeit sehr umständlich gespielt, in der zweiten Hälfte sogar noch umständlicher und auch deutlich schlechter (Alemannia Coach Peter Hyballa)

Der Aufsteiger hatte allen Grund zum Jubeln

Neuaufsteiger Eintracht Braunschweig trat so auf wie man es erwarten konnte. Beton hinten, Pfeilspitzen vorne. Und das ganze mit drei/vier Stationen vorgetragen reichte aus um Alemannia vor schier unlösbaren Problemen zu stellen. Mit einem Sieg im Rücken zeigten die Norddeutschen schnell wieso sie durch die dritte Liga spaziert sind. Hinten stabil stehen und mit wenig Anspielstationen waren sie schon vorne. Dominick Kumbela beschäftige gleich mehrere Spieler und war nur mit Mühe unter Kontrolle zu bringen. Aber im entscheidenen Moment war er zur Stelle und machte nicht nur das 0-1 sondern bereitete auch das 0-2 vor. Abwegig ist es nicht wenn man da vom Spieler des Tages spricht. Nun war es nicht so das Alemannia keine Chancen hatte. Manuel Junglas schaffte es tatsächlich mit freier Schussbahn aus kurzer Distanz den Torhüter zu treffen, das Tor war anscheinend just zu diesem Zeitpunkt geschrumpft. Auch Kevin Kratz war in der Lage aus bester Schussposition den Ball über das Gebälk zu jagen statt ins Tor. Marco Stiepermann hatte eine gute Aktion als er in den Strafraum eindrang und von hinten gelegt wurde. Zuerst war der Schiri geneigt auf Elfmeter zu entscheiden ehe ihn sein Assistent korrigierte. Außer Aufregung blieb nichts. Jonas Strifler in seinem ersten Spiel im Alemannia Trikot wurde seine Rolle auch nicht gerecht. Zu oft überlaufen, zu oft zu zaghaft in den Zweikämpfen. Offensiv ließ er sich überhaupt nicht blicken, das galt umgekehrt auch für Shervin Radjabali-Fardi der als Linksverteidiger keine gute Figur machte. Ist ja auch nicht seine Position, das sah man aber nicht erst seit heute. Unterm Strich war der Sieg der Braunschweiger nicht unverdient, läuferisch und kämpferisch waren sie cleverer. Das sah anders als unsere bewegungssteifen schwarzgelben Kicker. Wenn es das Wort umständlich nicht schon geben würde, Alemannia hätte es heute erfunden.

Nun wartet kommende Woche im ersten DFB Pokalspiel in Karlsruhe eine große Aufgabe auf unsere Kicker. Mit der heute gezeigten Leistung muss man sich nicht viel Hoffnung machen das man eine Runde weiterkommt. Da muss sich das Spiel samt Einstellung schnell ändern. Nicht auszudenken wenn man rausfliegt und eine Woche später beim Absteiger FC St. Pauli eine weitere Niederlage erfolgt. Dann wird es ungemütlich in und um den Tivoli. Natürlich ist nach zwei Spieltagen noch nichts verloren, aber die Art und Weise stimmt einen heute zumindest bedenklich. Denn Zweitligaformat hatte das ganz selten was unsere Zauberbrüder da auf dem Rasen zustande brachten. Nach dem Spiel wurde verkündet das Anouar Hadouir verpflichtet wurde. Der 28-jährige offensive Mittelfeldspieler wechselt ablösefrei von Road JC Kerkrade an den Tivoli. Ein Wunschspieler laut Sportchef Erik Meijer, der nicht nur exellente Freistöße schießen kann sondern das gewisse Extra hat in der Offensive. Man fragt sich wie ein klammer Verein wie unsere Alemannia so einen Spieler verpflichten kann der 186 Spiele in der niederländischen Ehrendivision gespielt hat und damit auch noch Feyenoord Rotterdam und FC Middlesbrough ausgestochen hat. Anouar Hadouir hielt sich bis zuletzt in seiner Heimat Marokko fit und wird Montag ins Mannschaftstraining einsteigen. Mit der Trikot Nummer 10 wird er schon jetzt der Hoffnungsträger sein der Alemannia.

Kurz vor der Halbzeit brach ein älterer Alemannia Fan auf der Tribüne zusammen. Trotz minutenlanger Reanimation eines Ordners verstarb er. An dieser Stelle mein Beileid an den Angehörigen!