Mai 13 2011

Alemannia Jubiläumstour – Neuer und alter Tivoli

Im Dezember 2010 sollte es die “Jubiäumstour”  für Alemannia Mitglieder geben, im Rahmen von 110 Jahre TSV Alemannia Aachen. Leider machte damals der Wintereinbruch einen Strich durch die Rechnung. Nun, am gestrigen Donnerstag 12. Mai 2011 wurde diese Tour nachgeholt. Um 18 Uhr trafen sich am Eingang Würselener Wall des alten Tivoli ca. 58 Alemannia Mitglieder. Vorgesehen war das es zwei Gruppen gibt, die von einer Alemannia Persönlichkeit begleitet werden. Jo Montanes, unsere Alemannia Legende, führte die erste Gruppe an. Reiner Plaßhenrich, der ein wenig unpünktlich war, übernahm die zweite Gruppe. Das große Glück der anwesenden Alemannia Mitglieder war einigen nicht so ganz bewusst. Wir hatten nun wirklich die definitive allerletzte Chance den alten Tivoli noch einmal von innen zu sehen. Die große Abschiedsparty am Sonntag auf dem alten Tivoli wurde ja aus bekannten Gründen abgesagt. Los ging es vor dem alten Kabinen-Eingang, hinauf über die Eisentreppe zur Aachen Münchener Tribüne. Dort erzählte “Jo” Montanes aus den guten herrlichen alten Zeiten, wie hier Schlachten gewonnen oder verloren wurden (FC Barcelona). Schnell ergab sich hieraus die Frage, ob denn der alte oder der neue Tivoli stimmungsmäßig besser wäre.  Jo Montanes war schnell einer Meinung, das im alten Tivoli die bessere Stimmung war, aber der neue sicherlich genauso sein würde wenn Alemannia mal “oben” mitspielt. Schaute man sich so um sah es sehr verwegen aus auf der Tribüne, runter-geworfene Stühle, Bierbecher, Abfall und abmontierte Schilder. Nachdem ein Mitglied mit Jo Montanes in der Vergangenheit diskutierte ging es nunAlemannia Legende Jo Montanesrunter auf dem Rasen. Dort konnte man sich nochmal richtig auslassen, der Anstosspunkt war nur noch ein ausgefranstes Loch. Besonders das frühere Gefälle, ehe der Tivoli begradigt wurde, konnte man noch einmal schön sehen. Die Spuren der Verwüstung vom letzten Samstag waren deutlich zu sehen, viele Löcher wo mal Gras war und verbrannte Erde. Einmal im Mittelkreis stehen, die Augen schließen und die wenigen Minuten genießen wo einem nochmal die persönlichen Höhepunkten auf dem alten Tivoli am inneren Auge vorbeirollten. Nach ausgiebigen Geknipse ging es dann hoch zum Würselener Wall. Ein letztes mal an alter Stelle stehen, wo ich mehr als 10 Jahre gestanden hatte bei Wind und Wetter. Hier konnte man nochmal einen Blick über das alte Stadion werfen, und eine Kopfdrehung weiter steht unsere neue Hütte in voller Pracht da. Ein weibliches Mitglied weinte still bitterliche Tränen während die Gruppe sich aufmachte zur Sparkassen Tribüne.

 

Vorbei an den alten Imbissbuden, die nun verherrend aussahen, ging es auf die Sitzplatztribüne. Dort wo mal eine Stahltür war klaffte nun ein großes Loch. Ein Blick über die Tribüne zeigte nur noch ein Gerippe aus blanken Stahlröhren. Keine Sitzschale mehr zu sehen, die einen wurden letzten Samstag gemobst, die anderen wohlweißlich abgeschraubt. Ein paar lagen noch in der Ecke, als letzte Erinnerung. Die Blockschilder haben wohl auch den sicheren Weg ins Museum gefunden. Ja, vor langer Zeit waren hier noch Holzbänke statt Sitze, wie schön kuschelig eng es doch war. Hier erlebte ich mein erstes Spiel in der Saison 1989/90 als Alemannia den bitteren Gang in die Amateurklasse gehen musste. Komisch, so im Nachhinein wurde ich erst richtig Fan als Alemannia abstieg. Verrückt irgendwie. Auch hier wusste Jo Montanes einiges zu erzählen, runter auf dem Rasenplatz fuchtelte er mit den Armen rum und untermalte seinen Ausführungen. Ja, früher war einiges besser. Er erzählte was man damals als Spieler bekam, und zweimal hintereinander auf dem Tivoli 5 Tore zu kassieren? Das hat es früher nicht gegeben!

Wenn wir damals zu Hause zweimal hintereinander 5 Tore kassiert hätten,  die Fans hätten uns vom Rasen geholt (Alemannia Legende Jo Montanes )

Eine weitere Diskussion war wie manche Jungprofis sich in der Öffentlichkeit geben, und über ihre Verantwortung als Profi nicht nachdenken. Auch hier wusste Jo Montanes die Antwort, “das sind die Spieler auf denen man verzichten kann. Wenn früher einer auf dem Platz nicht alles gab bekam er einen ins Genick”. Nun ging es ins Allerheiligste des alten Tivoli. Ab durch den Spielertunnel, dort wo es so eng ist das kaum zwei Spieler nebeneinander stehen konnten. Und wie zu Willi Landgraf´s Zeiten, als wir so da durch gingen, trat einer gegen die Alubande das es einen lauten Knall gab. Da kann man nachfühlen wie sich einige Gästespieler hier gefühlt haben müssen. Für Jo Montanes war es immer das aufregendeste Gefühl wenn er hierdurch den Tivoli betrat. Das glaubt man ihm ohne es in Frage zu stellen. Weiter ging es zum Presseraum, der auch viele Geschichten zu erzählen hatte. Früher war es die Alemannia Cafeteria, dort wo man die Spieler und Trainer nach dem Spiel traf. VIP Bereich? Gab es doch damals nicht. Die Spielerkabinen waren leider verschlossen, da kamen wir nicht rein. Denn noch liegen viele Sachen drin, die auch den Weg ins Alemannia Lager finden sollten. Auf den Zwischenruf “wir nehmen doch nix mit” kam die Antwort “das haben wir ja Samstag gesehen”. Nachdem man sich nochmal alles angucken konnte ging es wieder raus auf dem Vorplatz. Nach knapp einer Stunde war dieser Teil der Führung beendet, nun sollte es zum neuen Tivoli gehen. Ein letzter Blick beim Weggang zurück, man meinte die Flutlichtmasten winkten uns nochmal zu. Vorbei an den alten Becken wo die Fussballschuhe geschrubbt wurden ging es nun Richtung Südost Tribüne des neuen Tivoli. Tschöö alter Tivoli.

 

Nun, den neuen Tivoli kenn ich ja wie aus der Westentasche, nach über 50 Baustellenbesuche und Touren sollte hier für mich kaum was neues zu sehen geben. Dachte ich mir aber auch nur so. Denn es gibt immer was neues zu sehen, obwohl man sich das nur schwer Vorstellen kann. Oben auf der Stehplatz Tribüne angekommen meinte Jo Montanes nur “Ist das nicht ein krasser Unterschied zu eben?”. Während ich mich etwas absetzte bemühte sich die reguläre Tourführerin einen alles Wissenswerte über unseren neuen Kasten zu erzählen. Dann sollte es nach ganz oben gehen auf der Stehplatz Tribüne, Jo Montanes winkte da aber dankend ab. Das wollte er sich woh nicht antun, die 39 Reihen hochzustiefeln. Am höchsten Punkt des Tivolis konnte man eine schöne Aussicht genießen, unser neuer Tivoli sieht doch sehr edel aus. Ein Blick zur Seite und der alte Tivoli dämmerte im Sonnenuntergang in weiter Ferne vor sich hin. Nun ging es runter in den Business und Logen Bereich, raus auf den Balkon und mal hier und da in die Logen reingeguckt. Jo Montanes ließ es sich nehmen zu erwähnen das ein weibliches Mitglied heute zum erstenmal den neuen Tivoli besucht. Warum nicht schon früher? Da kam wieder der alte Tivoli ins Spiel. Aber irgendwann ist es dann doch soweit, dann muss man unseren neuen Kasten sehen. Jo Montanes trauert auch dem alten Tivoli nach, aber er sagte das dies unumgänglich war wenn man in der Liga und in der Zukunft mithalten will. Schließlich will die Alemannia ja mal irgendwann wieder in der Bundesliga spielen. Dort wo man nur ganz selten reinkommt, in die Alemannia Spielerkabine , da sollte es jetzt hingehen. In der Mixedzone wurde kurz innegehalten, dann aber rein in das Alemannia Heiligstum. Einmal da sitzen wo Benny Auer und Co sonst ihre Beine baumeln lassen, sehen wie der Alemannia Profi sich duscht und welche Annehmlichkeiten er hat. Coach Peter Hyballa ist ein moderner Fussballtrainer, denn drei prägnante Motivationssprüche waren an einem Spiegel geklebt.

Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft – vielmehr aus unbeugsamen Willen

Taktiktafel, Massageliegen und ein Flipchart. Alles vorhanden für die Halbzeitansprache. In der Sommerpause wird hier nochmal umgebaut, denn die weiteren Fitnessgeräte sollen Einzug halten. Nachdem wir einige Zeit in der Kabine waren mussten wir wieder raus, schade. Nun ging es raus auf dem Rasen, bzw. vor dem Rasen. Denn dieser durfte nicht betreten werden, ein grüner saftiger Teppich. Einmal dort sitzen wo sonst unsere Coaches sitzen, ein kleines Foto hier und da und wieder rein in die Katakomben der Mixedzone. Rauf ging es zur Pressekonferenz. Auch hier einmal auf den Stuhl sitzen, wo sonst Peter Hyballa seine Analyse gibt. Zufällig kam gerade auch noch der Sportmanger der Volleyball Damen vorbei. Wieder ging es hoch im Business Bereich wo man auf den Ledersitzen langsam die Führung ausklingen ließ. Man erfuhr das der Käferklub nun in der Eventloge Nord untergebracht wurde und regen Zulauf hat. Alles kleine Aleminis. Bevor es Richtung Klömpschenklub gehen sollte bemerkte die Tourführerin noch so nebenbei das im hinteren Businessbereich eine Ahnentafel hängt, von allen Alemannia Mannschaften von 1900 bis heute. Mit diesem Wissen wollte man uns tatsächlich zurücklassen. Da hab ich mal gefragt ob wir das denn nicht auch mal bestaunen durften? Aber wer hört schon auf mich 😉 Da sprang dann Jo Montanes in die Bresche und fragte ob man uns das nicht auch noch zeigen könne. Und siehe da, wer will den Jo widersprechen? Also kamen wir dann doch noch in den Genuss uns das anzusehen. Und es war tatsächlich sehr beeindruckend und schick gemacht. Nach mehr als 2,5 Stunden war die Tour dann vorbei, und unter dem Klömpschenklub gab es dann noch eine Kleinigkeit zum Trinken. Dort trafen wir dann auch die andere Gruppe wieder und man konnte noch ein kleines Schwätzchen mit Reiner Plaßhenrich halten. Zum Abschluss gab es dann zum Sonderpreis ein Stück vom alten Tivoli Rasen. Zusammengefasst war es eine schöne Führung, die beste wie ich fand. Und ich hab ja schon einige mitgemacht. Kein Zeitdruck, man konnte sich alles angucken, gemütlich ging man voran. Richtig entspannend. Dazu ein Jo Montanes der so geblieben ist wie er immer war. Volksnah und Alemanne durch und durch. Schön das ich bei seiner Gruppe war. Den Reiner sieht man bestimmt nochmal 😉

 

Einen ganzen Packen Fotos gibt es im Gallerie Bereich unter diesem Link.
Viel Spass beim luuren….und vergießt ruhig ein paar Tränchen beim alten Tivoli. Er ist es Wert!